Auftritt mit Kern: Nächster ORF-Star hat Ärger

ORF-Komiker Dirk Stermann und SPÖ-Chef Christian Kern bei einer Veranstaltung im Kreisky Forum
ORF-Komiker Dirk Stermann und SPÖ-Chef Christian Kern bei einer Veranstaltung im Kreisky ForumBild: Screenshot Facebook
Comedian Dirk Stermann debattiert mit Kanzler Kern (SPÖ). Der ORF genehmigte den Auftritt, spricht jetzt aber von "einem Fehler". "Unterirdisch tief", kommentiert Kern.
Vor einer Woche hatte Alexandra Meissnitzer für Aufregung gesorgt. Gemeinsam mit Sebastian Kurz (ÖVP) präsentierte der Ex-Skistar den Sportteil des Wahlprogrammes des Kanzlerkandidaten. Meissnitzer ist aber auch ORF-Kommentatorin im Weltcup und wurde deshalb zum Rapport bestellt. Offizieller Begriff dafür: "Sensibilisierungsgespräch".

Nun sorgt ein neuer Fall für Irritationen, wie die "Kleine Zeitung" berichtet. "Willkommen Österreich"-Comedian Dirk Stermann bestritt nämlich Mittwoch Abend eine Diskussion mit Kanzler Christian Kern im Wiener Kreisky-Forum. Titel der Veranstaltung: "Fenster auf und Luft herein 2.0". Hier sehen Sie das Video des Auftritts:



CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Nicht erlaubt, aber genehmigt

Das Kreisky-Forum ist nach dem ehemaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ) benannt und gilt als roter Thinktank. Es wurde 1991 gegründet. ORF-Mitarbeitern sind Auftritte für Parteien oder parteinahe Organisationen, vor allem in Wahlkampfzeiten, untersagt.

Bei Stermann ist der Fall aber etwas knifflig. Zum Unterschied von Meissnitzer, von deren Engagement der ORF offiziell nichts wusste, hat der Küniglberg Stermann den Auftritt genehmigt - und ist nun peinlich berührt.

Es sei offenbar ein Fehler passiert, denn dieser Auftritt hätte nicht genehmigt werden dürfen. "Die Freigabe durch den zuständigen ORF-Unterhaltungsredakteur war eine Kompetenzüberschreitung, die eine Ermahnung zur Folge hat. Der notwendige Dienstweg wurde nicht eingehalten", teilte der ORF auf APA-Anfrage mit.

Interne Mitteilung von ORF-Chef

Erstaunlich: Erst im August hatte ORF-Chef Alexander Wrabetz in einer "Internen Mitteilung" an alle ORF-Mitarbeiter erklärt, dass "die Glaubwürdigkeit von Objektivität, Unparteilichkeit und journalistischer Unabhängigkeit des ORF leidet, wenn die dazu Verpflichteten parteipolitisches Engagement zeigen, wie z.B. durch die Teilnahme an Veranstaltungen und Diskussionen von Parteien und Vorfeldorganisationen." Im Sinne des ORF-Gesetzes sei "auf derartige Aktivitäten zu verzichten".

Diese Anweisung, wird ausdrücklich betont, beziehe sich nicht allein auf Mitarbeiter der ORF-Information, sondern auch auf jene des Bereichs Unterhaltung.

Zeit fürs nächste "Sensibilisierungsgespräch", mit wem auch immer.

Der Kanzler selbst zeigte sich über die Vorgänge wenig amüsiert. Er plauderte mit Dirk Stermann zwar vergnüglich eine Stunde lang, verriet dass seine Tochter nach der Wahl zwei Katzen bekommt, wurde aber beim Thema Stermann grantig. "Unterirdisch tief", sei der Wahlkampf. Und: "So habe ich mir das nicht vorgestellt." (red)

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