Barisic: "Vieles wird nicht mehr so sein wie davor"

Rapid-Sportdirektor Zoran Barisic ist auch in der Corona-Krise im Dauereinsatz. "Heute" sprach mit dem 49-Jährigen über seinen Umgang mit der aktuellen Lage, über den Vertrag von Stefan Schwab und über einen möglichen Saisonabbruch.
"Heute": Herr Barisic, wie geht es Ihnen in Zeiten wie diesen?

Zoran Barisic: "Das ist aktuell schwer zu beantworten. Gesundheitlich ist alles okay. Die Sorgenfalten sind aber nicht weniger geworden."

Wie empfinden Sie Tage wie diese?

"Es fühlt sich an, als ob jeder Tag ein Sonntag oder Feiertag wäre. Es ist nichts los draußen, alles hat zu, das Leben steht einfach still. Aber ich bin sieben Tage voll im Einsatz."

Als Sportdirektor gehört es zum Geschäft, die Zukunft zu planen. Wie funktioniert das aktuell?

"Ich stehe in ständigem Austausch mit dem Präsidium und den wirtschaftlichen Entscheidungsträgern. Es ist so, dass man aufgrund der aktuellen Lage quasi stündlich neue Informationen bekommt. Über verschiedene Sachlagen. Für uns ist es wichtig, dass wir uns so aufstellen, dass es irgendwann mit dem Normalbetrieb bei Rapid weitergehen kann. Das ist für uns alle eine riesige Herausforderung."

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch.Auch der Kader muss geplant werden. Gibt es Spieler, die Sie am Radar hatten, nun aber nicht holen können?

"Das ist alles auf Eis gelegt. Es wäre sehr unseriös und auch unmöglich, jetzt Dinge zu finalisieren."

In einer verzwickten Lage steckt Stefan Schwab, dessen Vertragsverlängerung noch aussteht. Wie gehen Sie bei ihm vor?

"Stefan ist als Kapitän und Mensch enorm wichtig, auch in der momentanen Situation. Er agiert vorbildlich. Aber auch bei ihm ist alles auf Eis gelegt. Als Geschäftsführer haben Christoph Peschek und ich eine riesige Verantwortung dem Verein gegenüber. Wir wissen ja alle nicht, wie es weitergeht. Es ist eine richtig schwierige Situation."

Baut man künftig eine Art Pandemie-Klausel in die Verträge ein, um im Notfall gerüstet zu sein?

"Alles ist denkbar. Wir hätten uns ja alle nie vorstellen können, dass uns so etwas widerfährt. Unabhängig vom Berufszweig. Niemand war auf das vorbereitet. Es ist alles Zukunftsmusik. Wichtig ist, dass wir die Gegenwart bewältigen. Und da gilt es, sich so aufzustellen, um eine Zukunft zu haben. Es geht ja nicht nur uns schlecht, sondern vielen anderen Unternehmen auch. Wir reden jetzt über Fußball, aber in Wahrheit betrifft es uns alle."

Rapids Scouting-Abteilung legt ebenfalls eine Zwangspause ein. Wie werden derzeit mögliche Neuzugänge ausgewählt?

"Unsere Scouts sind in Kurzarbeit geschickt worden. Von daheim haben sie die Möglichkeit, gewisse Dinge zu bearbeiten, Datenbanken aufzufüllen und zu durchforsten. Es gibt schon etwas zu tun."

Wann auch immer wieder angekickt wird: Wie viel Vorlaufszeit braucht die Mannschaft, um ein Spiel bestreiten zu können?

"Das kommt natürlich darauf an, wie lange die Pause davor gedauert hat. Falls wir Mitte Mai beginnen, hätten wir um die zwei Monate nur Individualtraining gehabt. So eine lange Auszeit hat es noch nie gegeben. Um wieder englische Runden spielen zu können, braucht man drei bis vier Wochen Vorbereitung, denke ich."

Wäre Ihnen ein Saisonabbruch oder ein Fertigspielen ohne Fans lieber?

"Wir haben uns auf folgende Reihenfolge verständigt: Szenario eins: Spiele mit Zuschauern. Szenario zwei: Geisterspiele. Und erst Szenario drei wäre ein Meisterschaftsabbruch. Wir haben unseren treuen Partnern gegenüber viel Verantwortung, auch die TV-Einnahmen sind enorm wichtig für uns."

Glauben Sie, dass die Krise den Fußball nachhaltig verändert?

"Ich glaube generell, dass das meiste nicht mehr so sein wird, wie es davor war. Deshalb glaube ich auch, dass sich im Fußball einiges ändern wird. Was genau, kann ich nicht sagen. Es wird ein Umdenken stattfinden."

Zum Positiven oder Negativen?

"Was den Menschen betrifft, hoffe ich auf das Positive. Dass man darauf kommt, was wichtig ist im Leben. Ich glaube schon, dass es so etwas wie ein Warnschuss für die Menschheit ist. Es steht jetzt alles still. Wir sind zum Durchatmen gezwungen. Ich hoffe, dass sich die Prioritäten zum Positiven verschieben."

Was treiben Sie momentan in Ihrer Freizeit?

"Ich informiere mich laufend über den Ist-Zustand in Österreich und auf der ganzen Welt, telefoniere sehr viel. Wenn ich Zeit für mich habe, schaue ich fern und komme darauf, dass ich nicht weiß, was ich mir gerade angesehen habe. Weil man mit dem Kopf einfach bei ganz anderen Dingen ist."











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