"Comfort Binging": Darum schauen wir Serien mehrmals an

Die "Gilmore Girls" zählen noch immer zu den absoluten Lieblingsserien.
Die "Gilmore Girls" zählen noch immer zu den absoluten Lieblingsserien.picturedesk.com
Bei Netflix und Co. stehen hunderte neue Serien im Angebot. Laut einer Forscherin setzen wir aber lieber auf alte Klassiker, die wir schon kennen.

Der Mensch ist bekanntlich ja ein Gewohnheitstier. Seit einigen Jahren haben diverse Streaminganbieter unser Sehverhalten von Filmen und Serien revolutioniert. Bei Netflix und Co. stehen etwa hunderte Produktionen im Angebot, die jederzeit verfügbar sind.

Ausschlaggebend für die Entscheidung, ob man ein Abo bei einem Streamingdienst abschließt, sind allerdings nicht die Neuerscheinungen, sondern viel mehr alte Klassiker, meint die Kommunikationswissenschaftlerin Daniela Schlütz von der Filmuniversität Babelsberg.

Egal ob "Friends", "Gilmore Girls" oder "Sex and the City": Viele Anbieter setzen vermehrt auf Serien von früher. Und viele Kunden schauen sie erneut an, auch wenn sie diese bereits kennen.

Neue Serie mit Unsicherheit verbunden

Das Phänomen heißt "Comfort Binging". Obwohl es viele neue Serien gibt, bleiben die Zuschauer eher bei alten, schon bekannten Produktionen hängen. Warum? Eine neue Serie sei immer auch mit Unsicherheit verbunden. "Bei meiner Lieblingsserie weiß ich: Die mag ich", erklärt Schlütz von der Filmuniversität Babelsberg. 

Man kennt die Charaktere, kann Szenen sogar mitsprechen und die Handlung bietet keine großen Überraschungen. Das gibt vielen Zusehern vor allem in der herausfordernden Corona-Krise eine bestimmte Sicherheit.

Treffen mit alten Freundinnen

Ein gutes Beispiel sind etwa die "Gilmore Girls". Die Serie über eine Mutter und deren Teenager-Tochter war in den 2000er Jahren äußerst beliebt und ist jetzt auch bei Netflix im Angebot. Laut Schütz sei das Zuschauen bei den "Gilmore Girls" wie ein Treffen mit alten Freundinnen.

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Zwar würden in der Comedy-Serie viele Stereotype bedient, die Hauptdarstellerinnen sind jedoch einzigartig. Es gehe um eigenständige Frauen, die ihr Leben im Griff hätten. "Diese Figuren sind besonders, die Beziehung ist besonders. Und unterhaltsam ist es einfach auch", so die Kommunikationswissenschaftlerin. 

Der Ausdruck "Comfort Binging" stammt von der Fernsehkritikerin Alexis Nedd, die für das US-Magazin "Mashable" schreibt. Sie orientierte sich am Phänomen "Binge Watching", das einen Serienmarathon beschreibt, also das Schauen von mehreren Folgen einer Fernsehserie am Stück.

Mit wenig Aufwand möglichst viel Glück erleben

Beim "Comfort Binging" geht es aber laut Nedd eher darum, mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Glück zu erleben. Die Zuschauer würden sich "in ihren gemütlichsten, faulsten oder gelangweiltesten Momenten" immer wieder Altbekanntem zuwenden, analysiert die Autorin. Dabei handle sich hier aber kaum um Unterhaltung. "Es ist eher ein Versuch, vertraute Stimmen und Handlungen durch ein erschöpftes Gehirn fließen zu lassen."

Laut Schütz würde die große Auswahl bei Netflix und Co. viele User verunsichern. "Es fällt uns schwer, auszuwählen. Und da ist es dann am einfachsten, wieder das von Anfang zu schauen, was uns eh schon gefällt." Psychologen haben bereits öfter betont, dass eine zu große Auswahl Menschen unglücklich machen kann. 

Parasoziale Beziehung

Und die Sogwirkung des "Comfort Binge" hängt großteils mit dem Gefühl zusammen, Menschen wiederzusehen, an denen man hängt. Erwartungen werden beim Schauen nicht enttäuscht, weil genau bekannt ist, was passieren wird. 

Auch die Serie "Friends" zählt zu den All-Time-Klassikern. Rund um Rachel, Ross und Co. entwickelte sich eine riesige Fanbase. Das Erfolgskonzept von "Friends" wurde vielfach kopiert und gilt als Basis für weitere bekannte Serien wie "How I met your mother" oder "Big Bang Theory".

Die beiden US-Soziologen Horton und Strauss haben bereits 1957 Forschungen zu Fernsehzuschauern und Darstellern durchgeführt und das Verhältnis als "parasoziale Beziehung" beschrieben, die sich mit der Zeit aufbaut und sich "in ihrem Wesen nicht von den Charakteristiken des normalen Soziallebens unterscheidet."

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