"Ich steh' auf der Bierbank und singe 'Atemlos'"

Tom Neuwirth veröffentlicht am 25. Oktober sein neues Album "Truth Over Magnitude", auf dem Conchita keine Rolle spielt.
Tom Neuwirth (30) hat einen radikalen Schritt gewagt. Auf seinem neuen Album "Truth Over Magnitude" betritt er zum einen neue Wege, zum anderen hat er seinem Alter Ego Conchita Wurst eine temporäre musikalische Auszeit verordnet.

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Im Gespräch mit "Heute" erzählt der Künstler, was man auf dem neuen Album erwarten kann, warum er sich von Conchita lossagen musste und wie er wieder zu ihr zurückgefunden hat.

Tom Neuwirth über "T.O.M."

Interview mit Conchita Wurst
Interview mit Conchita Wurst


CommentCreated with Sketch.7 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. "Heute": Am Freitag erscheint Ihr drittes Album "Truth Over Magnitude". Können Sie in ein paar kurzen Sätzen zusammenfassen, was da auf Ihre Fans zukommt?

Tom Neuwirth: Mit kurzen Sätzen tu ich mir schon schwer. Ich behaupte, dass es neben "Rise Like A Phoenix" das wahrscheinlich authentischste ist, was ich an Musik rausgebracht hab. Es ist definitiv elektronischer als viele gedacht hätten. Und, da bin einfach zu hundert Prozent ich drinnen. Das Album ist auch ein bisschen ein Ankommen nach einer ziemlich anstrengenden Periode in meinem Leben. Ich hab mir nach dem Song Contest gedacht, ich darf diese Chance nicht vergeben und hab dann alles aus der Hand gegeben, was man sich nur vorstellen kann. Ich dachte, dass Profis das besser können als ich. Und plötzlich hab ich mich total verloren. Nichts von dem, was ich getan und gesagt habe, war irgendwie von mir initiiert, sondern ich hab einfach nur mehr ausgeführt. Das hat mich dann dazu gezwungen, mich mit mir auseinanderzusetzen. Und das waren dann ein paar ziemlich anstrengende Jahre. Im Zuge dessen hab ich dann auch erkannt, dass wenn da draußen vor der Tür mein Name steht, dann muss der kreative Output auch von mir kommen. Dann hab ich mir auch die Frage gestellt 'Warum mach ich nicht die Musik, die ich auch privat höre'. Mein musikalisches Verständnis reicht von Celine Dion bis Björk und da dazwischen ist viel möglich.



Dieser für jeden Künstler riskante Schritt, sich selber neu zu erfinden, ist also in erster Linie deshalb passiert, weil Sie mit sich selber ins Reine kommen wollten?

Definitiv. Das gesamte Projekt ist unglaublich egoistisch. Das hab ich in erster Linie alles für mich, mich und mich gemacht. Und ich freu mich voll für jede und jeden, die den Bock haben, den Weg mit mir mit und weiter zu gehen. Es klingt jetzt ein bisschen esoterisch, aber es war am Ende des Tages schon eine Reise zu einem selbst. Und das fühlt sich einfach unglaublich geil an. Auf der Bühne zu stehen, Songs zu singen, wo ich genau weiß, wen ich damit meine, in welcher Situation ich war. Das ist ein Gefühl, das ich vorher bei 'Rise Like A Phoenix" so schon gespürt hab.



Was war für Sie schwieriger? Die musikalische Veränderung oder die Image-Änderung?

Schwierig war gar nichts. Ab dem Moment, als ich erkannt habe, dass ich etwas ändern muss, ist es eh gelaufen. Da hat dann das eine das andere ergeben. Ich war drei Jahre lang in Songwriting Camps, um mein Talent zu fördern. Dieses Talent suche ich bis heute vergebens.

"T.O.M." ist ein äußerst abwechslungsreiches Album. Welche Musik hat dich beim Schreiben mit Eva Klampfer (Lylit) und Albin Janoska (Produzent) beeinflusst?

Es gab nicht wirklich ein Moodboard für dieses Album. Es ist eher 'on the go' entstanden. Albin hat den ersten Track gebaut mit meiner Stimme als Instrument und von da an hat er dann ungefähr gewusst, okay, das ist jetzt das Universum und von da arbeiten wir jetzt weg.



Zwei Wochen nach dem Release von "T.O.M." gibt es im WUK die Release-Party. Was können Ihre Fans davon erwarten?

Es wird schon ein bisschen anders als das, was ich vorher gemacht habe.

Haben Sie für die Live-Auftritte auch die Conchita-Songs überarbeitet?

Conchita und Wurst sind terminlich getrennt.

Das heißt, bei den Konzerten werden keine Conchita-Songs gespielt?

Keine ist gelogen, aber wirklich, wirklich reduziert. Und selbst die, die ich singen werde, waren zwar am ersten Album, aber noch nie in einem Live-Programm. Das Programm ist zur Gänze neu. Theoretisch. Zu größten Teilen definitiv. Aber ich spiele am 26. November mit den Symphonikern und bespiele noch einmal die Stadthalle mit 'From Vienna With Love'. Und ich muss sagen, dass ich da fast wieder in die gleiche Falle getappt wäre, wie ich das bei Conchita gemacht hab. Ich habe das Projekt Wurst für mich entschieden und gesagt: 'Keine Pepies mehr und keine High Heels mehr und keine Kleider'. Und da hab ich gemerkt, dass ich mich schon wieder auf eine Sache reduziere. Im Zuge dieses Prozesses hab ich La Conchita wieder gefunden. Sie ist schöner denn je. Ich freu mich schon darauf, wenn ich in der Stadthalle wieder einen Mörderfetzen anhabe und wunderschöne Haare habe und wieder voll die Diva sein kann.

War es schwer, Conchita beim Projekt Wurst auszublenden?

Oh nein, das war überhaupt nicht schwer. Sie ist mir so auf die Nerven gegangen. Es war das letzte was ich hätte tun wollen, mir eine Perücke aufsetzen und Wimpern aufzukleben. Ich war so over it. Aber dann hab ich eine Fernsehsendung aufgenommen, wo ich meine gesamte Palette zeigen wollte, von Dingen, die ich drauf hab. Und da hab ich meine femininen Attribute wieder mehr betont. Wenn da ein Spiegel vor mir war, hättest du mit mir kein Wort wechseln können, weil ich damit beschäftigt war, mich anzuschauen.

So schlimm?

Nein, so schön. So schön.

Sie haben mit Ina Regen gemeinsam das Cover des Hubert von Goisern Klassikers "Heast As Net" aufgenommen und damit viele Leute überrascht. Weil Sie auf Deutsch und im Dialekt singen. Gibt es Pläne, so etwas wieder zu versuchen?

Also ich schließe überhaupt nichts aus. Weil ich steh auch um vier in der Früh auf der Bierbank und sing 'Atemlos'. Sei mir nicht bös. Es hat alles seine Berechtigung und ich hab für so ziemlich alles meinen Moment, wo ich diese Art von Soundtrack brauch. Ich hör auch Vivaldi und Wagner. Ich glaub nicht, dass ich Schlager machen werde. Weil da muss man soviel Akrobatik machen. Das ist mir glaub ich ein bisschen zu arg.

Am 25. Oktober erscheint also das neue Album "Truth Over Magnitude", am 2. November gibt es die Release-Party im Wiener WUK und am 26. November steht Tom Neuwirth gemeinsam mit den Symphonikern als Conchita Wurst auf der Bühne der Wiener Stadthalle. Davor startet am 14. November auf Pro Sieben die neue Sendung "Queen of Drags" von Heidi Klum, an der Neuwirth als Juror beteiligt ist.

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