Darum drehen Fiaker ihre Runden in der Geister-City

Wiens Fiaker bleiben in Zeiten von Corona leer.
Wiens Fiaker bleiben in Zeiten von Corona leer.Bild: iStock
Wiens Fiaker fahren seit zwei Wochen praktisch leer. Warum es genau bei ihnen keinen Quarantäne geben kann, erklärt „Heute"-Reporter Walter Pohl in seinen „bytheways".
An einem Tag der Corona-Krise in der Wiener City. Am Hof, dort wo im Normalfall die Fiaker Achse an Achse um Touristen wiehern, regiert die Tristesse. Ein paar Passanten huschen notdürftig durch die Gegend, Polizeiautos drehen ihre Runden. Es spukt irgendwie.

Dann das Klappern der Hufe eines Zweispänners. Aus dem Heidenschuss biegt ein Wagen ein, zwei Rappen ziehen eine schwarze Kutsche, auf der ein gelangweilter Fiaker sitzt. Man stoppt den einsamen Wagen, will wissen, was da abgeht.

Pferde brauchen Bewegung

Der Kutscher, standesgemäß ordentlich griesgrämig, sagt: "Ich darf keine Kunden aufnehmen, eh schon wissen, Sicherheitsabstand. Wegen Corona." Nein, man will ja nur wissen, warum er trotzdem durch die Gegend kurvt?

CommentCreated with Sketch.1 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch."Die Pferterln brauchen Bewegung, Auslauf. Ich habe 16 Stück bei mir im Stall stehen. Mit denen fahr ich jetzt den ganzen Tag leer in der Gegend herum." Im Normalfall, so der Fiaker, kurvt er nur rund um seinen Stall am Wienerberg in Favoriten herum.

"Stehen vor einer wirtschaftlichen Katastrophe"

"Aber wissen's", sagt er nach einer kurzen Pause, "die Innere Stadt ist meine berufliche Heimat. Auch die von meinen Viechern." Deswegen, so Herbert S., zieht es ihn einmal pro Tag in die City mit seinem Gespann, vorbei an Orten, die im Normalfall von Touristen überflutet sind.

Die Rappen scharren, sie wollen weiter. Egal, ob hinten Touristen sitzen oder nicht. Fluchttiere halt. Wir wünschen viel Glück in der Krise und fragen nach beim Verein ProFiaker. Obmann Werner Kaizar sagt: "Wir stehen vor einer wirtschaftlichen Katastrophe."



Und das ziemlich langfristig. Denn mit einem Anspringen des internationalen Tourismus ist frühestens 2021 zu rechnen. Bis dahin, so Kaizar, müssen insgesamt 1.000 Arbeitsplätze erhalten bleiben: "An unserem Überleben hängen ja auch Pfleger, Stallburschen und Hufschmiede."

Der einsame Lohnkutscher biegt mittlerweile ein in Richtung Freyung. Er sagt noch: "Stellt's meine Roß' in den Stall gibt's bei mir net." Es sei ihm gewünscht, dass das Geschäft irgendwann einmal wieder anspringt. Damit der Rappen (Mittelalterliche Kleinmünze; Anm. d. Red.) vielleicht doch noch einmal rollt…



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