Damen-Kader zu dünn - Keine Qualifikation nötig

Ausgerechnet vor der Heim-Weltmeisterschaft in Schladming gibt es für Österreichs Ski-Damen praktisch keinen Qualifikationsstress. Die Zahl der absoluten Medaillen-Favoritinnen sind nach dem bitteren Ausfall von Slalomkönigin Marlies Schild derzeit an einer Hand abzuzählen. Selten noch war es aus heimischer Sicht so leicht, zu einer WM zu fahren. Dennoch glaubt ÖSV-Damenchef Herbert Mandl an Medaillenchancen in allen Disziplinen.

Dabei haben Österreichs Gold-Damen vor zwei Jahren in gleich vier Disziplinen einen fünften Zusatz-Startplatz für Schladming herausgefahren. Einer ist nach dem Schild-Aus zwar wieder weg, "es wird aber keine heiße oder strenge Qualifikation geben", gab Mandl zu. Allerdings weniger wegen der Zusatz-Plätze, sondern mangels Angebot an Siegläuferinnen. Der Chefcoach hat daher derzeit eher die Qual der Wahl.

"Eine Selektion fällt mehr oder weniger flach", sagte der Niederösterreicher knapp vier Wochen vor dem Auftakt-Super-G am 5. Februar. Drei Slaloms (Zagreb, Flachau, Maribor), je ein Parallelslalom (Moskau) und Riesentorlauf (Maribor) sowie je zwei Abfahrten und Super-G (St. Anton und Cortina) stehen bis zur WM noch auf dem Programm. "Alle, die Top-Ten-Plätze erfahren können, werden bei der WM wohl zum Zug kommen", ist Mandl überzeugt.

Einzig im RTL geht's eng zu

Im ÖSV-Damenteam stimmt derzeit die Richtung nur im Riesentorlauf wirklich. "Da haben wir mit Anna Fenninger und Kathrin Zettel zwei Topfahrerinnen. Elisabeth Görgl wird wieder aufschließen können, Stefanie Köhle hat zumindest gut angefangen", zeigte sich Mandl wenigstens mit der Kerndisziplin zufrieden. Um die offenen zwei Plätze kämpfen neben Köhle und Görgl vorrangig Michaela Kirchgasser und Eva Maria Brem.

Slalom: Mit Schild fällt Medaillenbank aus

Aber schon bei der zweitstärksten Disziplin beginnt das Dilemma. "Mit Schild ist ein Drittel unserer Siegeschancen weg. Mit Zettel und Kirchgasser bleiben damit nur noch zwei absolute Topfahrerinnen. Die anderen rittern um die Ehrenplätze", erklärte Mandl zu den Chancen im Slalom.

Zu den "anderen" zählt neben Carmen Thalmann, Alexandra Daum und Nicole Hosp auch Schilds Schwester Bernadette. "Sie müssen die Courage finden, das ins Rennen zu bringen, was sie im Training zeigen. Bei einigen ist nicht die Leistung vordergründig, sondern die Zitterei, aus den Top 30 zu fliegen", kritisierte Mandl.

Wer soll in den Speed-Bewerben starten?

Zum Diskontpreis wären derzeit Startplätze in den schnellen Disziplinen zu bekommen. Hat es bisher im Slalom (Zettel) und Riesentorlauf (Fenninger) schon jeweils einen Sieg sowie vier bzw. sechs Podestplätze gegeben, steht im Speed mit Fenningers 3. Platz im Super-G von Lake Louise ein einziger ÖSV-Stockerlplatz zu Buche.

"Da bin ich wirklich nicht zufrieden", sagte Mandl, relativierte aber auch. "Wir hatten bisher drei Abfahrten bei schlechten Witterungsbedingungen, bei denen wir unsere guten Fortschritte vom Training nicht zeigen konnten, weil es keine fairen und regulären Rennen waren", erklärte der Chef.

Weltmeisterin Görgl enttäuscht

Unter den Erwartungen geblieben ist bisher neben Super-G-Olympiasiegerin Andrea Fischbacher vor allem Görgl. Top-Ten-Plätze hat die Steireirn nur im Riesentorlauf geschafft, im Speed ist die Doppelweltmeisterin von Garmisch über einen 14. Platz in Kanada (Super-G) nicht hinausgekommen. "Sie fehlt uns. Ich hoffe sehr, dass sich Lizz erfangen wird. Es ist aber noch ein Monat Zeit, und sie ist auf einem guten Weg", zeigte sich Mandl aber zuversichtlich. "Es hängt viel von ihrer Gesundheit und ihrem Selbstvertrauen ab."

Fischbacher taumelt derzeit von Verletzung zu Verletzung, konnte auch zuletzt nicht wirklich trainieren. Mandl sieht dennoch weiter Chancen auf einen WM-Start der Salzburgerin. "Es sind noch genug Speed-Rennen im Jänner, wo sie sich beweisen kann", meinte Mandl.

Leichte Frustation

Der Chef sieht unter dem Strich keinen Grund, warum eine seiner Fahrerinnen vom WM-Qualidruck gebremst werden sollte. "Es können mehr oder weniger eh alle fahren!" Dennoch geht der Chef davon aus, dass in Schladming kein Platz leer bleibt. "Für die Jungen ist es eine gute Erfahrung, und eine WM hat schon oft Überraschungen gebracht."

Vor zwei Jahren hatten die ÖSV-Damen in Deutschland bekanntlich mit vier Mal Gold überrascht. Dass es zu Hause ähnlich kommt, zeichnet sich derzeit - noch - nicht ab. Dennoch gab sich Mandl optimistisch. "Es sind einige gut genug, um ganz vorne zu landen. Daher ist es durchaus realistisch, dass wir in jeder Disziplin eine Medaille machen."

APA/red

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