Darum sind viele Antiviren-Apps gefährlich fürs Handy

Forscher warnen vor einer Masche mit vermeintlichen Virenschutz-Programmen. Millionen Android-Nutzer sind bereits hereingefallen.

Sicherheitsexperten des Herstellers von Sicherheits-Software Eset haben im Play Store von Google Apps entdeckt, die sich als Virenschutz für Handys und Tablets mit Android-Betriebssystem ausgeben. Laut den Eset-Forschern und Google wurden diese Anwendungen von Nutzern bereits millionenfach heruntergeladen.

Viren würden diese Apps aber keine finden. Laut Eset imitieren sie lediglich legitime Sicherheitslösungen und schützen das Mobilgerät nicht. In der Regel würden die Programme Schadsoftware nicht erkennen oder eine Erkennung nur vortäuschen, so das Unternehmen in einer Mitteilung. Hingegen werde den Nutzern Werbung eingeblendet, um so Geld zu verdienen.

Viele Installationen

Einige der Apps verschafften sich zudem erweiterte Rechte und so Zugriff auf sensible Nutzerdaten auf dem Handy oder Tablet. "Bedauerlicherweise sind diese vermeintlichen Antivirus-Apps noch immer in Google Play erhältlich und weisen eine erschreckend hohe Zahl an Installationen auf", sagt Lukas Stefanko von Eset. Ironischerweise würden sich gewisse dieser Apps gleich selbst als eine Bedrohung erkennen.

Im vergangenen Jahr entdeckten Eset-Forscher bereits 35 fragwürdige Anwendungen dieser Art, die Sicherheits-Apps bloß nachahmen. Diese Anwendungen wurden daraufhin zwar von Google aus dem Play Store entfernt, ähnliche Apps seien jedoch bereits wieder dort erhältlich.

Bekannte Namen wählen

Für Anwender ist die Situation also höchstgradig undurchsichtig. Als Faustregel schlägt Eset deshalb vor, bei der Auswahl des Virenschutzes für Smartphone oder Tablet auf bekannte Namen zu setzen (siehe Bildstrecke). Zudem sollte man bei Apps, die fast nur gute oder nur schlechte Bewertungen haben, grundsätzlich skeptisch sein.

Gar keine Virenscanner

Wie Giga.de in einem Interview mit dem Android-Entwickler Matthias Urhahn schreibt, seien die Hauptprobleme bei Android in Bezug auf die Sicherheit Adware, Ransomware und dergleichen. Es handle sich bei den genannten Apps also eigentlich um Anti-Schadsoftware-Programme und nicht Anti-Viren-Programme. Der Begriff Anti-Virus verkaufe sich jedoch besser.

Oft würden auch Apps als Virenschutz für Android verkauft, die lediglich das Überprüfen von App-Berechtigungen übernehmen würden. Das sei etwa so sinnvoll, wie zu einer Wahrsagerin zu gehen, so Urhahn. Zudem sei es unwahrscheinlich, dass Google bei der Prüfung von Apps etwas übersieht, was die Anti-Schadsoftware-Apps dann finden würden. Deshalb solle man Apps nur aus offiziellen Quellen herunterladen (Play Store, Amazon App Shop etc.).

Das Fazit von Urhahn: Antiviren-Apps bieten wenig Schutz gegen Viren auf dem Smartphone. Und im Gegensatz zu Windows sei auf Android nicht zwingend eine Antivirus-App nötig, um sicher im Internet zu sein. (swe)

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