Das passiert bei zu vielen Zoom-Meetings

Ständiges Videotelefonieren hat Auswirkungen auf die Psyche. Frauen sind stärker betroffen.
Ständiges Videotelefonieren hat Auswirkungen auf die Psyche. Frauen sind stärker betroffen.
Getty Images/iStockphoto
Wie sich Videotelefonie auf uns auswirkt und warum sich eine "Zoom-Fatigue" breit macht, erklärt eine neue Studie.

Seit Beginn der Pandemie im letzten Jahr, bestreiten wir mehr oder weniger unseren beruflichen Alltag im Home Office - Zoom-Meetings inklusive. Milliarden von Gesprächen, die sonst von Angesicht zu Angesicht stattgefunden hätten, finden über Videokonferenzen statt. Dieser massive Übergang von physischen zu digitalen Interaktionen kann sich psychologisch auswirken - in Form sogenannter "Zoom-Müdigkeit". Diese beschreibt das Gefühl der Erschöpfung im Zusammenhang mit der Nutzung von Videokonferenzen. Laut dem Global Gender Gap Report 2021 hat die COVID-19-Pandemie Frauen stärker betroffen als Männer. Das hat zu einer Verschärfung bereits bestehender geschlechtsspezifischer Ungleichheiten in den Bereichen Beschäftigung, Produktivität, Kinderbetreuung und psychische Gesundheit geführt. Hat die Zoom-Müdigkeit auch eine geschlechtsspezifische Komponente?

Frauen mehr von "Zoom-Fatigue" betroffen als Männer

Tatsächlich haben Frauen längere Videokonferenzen und kürzere Pausen zwischen den Sitzungen als Männer. Das konnte Jeffrey Hancock von der Universtität Stanford (USA) und sein Team in einer Zufallsstichprobenuntersuchung mit 10.591 Teilnehmern feststellen. Außerdem berichten Frauen von größerer Müdigkeit als Männer. Die Textanalyse ergab, dass Frauen bei der Beschreibung ihrer Videokonferenzerfahrungen in ihren offenen Antworten auch häufiger Begriffe im Zusammenhang mit Zeitplanung und Ermüdung verwendeten als Männer.

Drei Faktoren für Müdigkeit

In Übereinstimmung mit der psychologischen Forschung zu selbstfokussierter Aufmerksamkeit und negativem Affekt erlebten Frauen mehr Spiegelangst im Zusammenhang mit der Selbstbetrachtung bei Videokonferenzen als Männer. Spiegelangst kann negative Emotionen auslösen, da die Teilnehmer durch den Spiegelblick irritiert werden und auch darauf stärker achten, wie sie von anderen Personen erlebt werden. Frauen gaben auf gezielte Fragen häufiger an, dass sie sich durch die Selbstspiegelung belastet fühlen.

Zusätzlich zur Spiegelangst kam das Gefühl, eingesperrt zu sein. Dies entsteht durch den engen Aktionsradius, auf den man während einer Videokonferenz beschränkt ist. Man verlässt nicht ohne Grund das Blickfeld der anderen Teilnehmer. Laut Studien Co-Autor Hancock war es sogar noch vor der Spiegelangst der größte Stressor. Auch das Gefühl der Gefangenheit hat nach den Umfragen Frauen stärker belastet als Männer. Hancock rät, den Abstand zur Kamera und damit den Aktionsradius zu vergrößern.

Schließlich trifft noch der „Hyperblick“ zu. Er ergibt sich daraus, dass bei einer Videokonferenz die Teilnehmer ständig die Augen aller anderen Teilnehmer in ihrem Sichtfeld haben. Das kann vor allem für den Redner anstrengend sein. Während er bei einer persönlichen Besprechung unter vier Augen bleibt, können es bei einer Videokonferenz schon mal 20 Augen oder mehr sein, die ihn anstarren, was Stress und Angst erzeugen kann. Auch hier sind Frauen eher belastet als Männer.

Am Ende zeigten explorative Analysen eine geringere Müdigkeit für Extrovertierte als für Introvertierte, für ältere Menschen als für jüngere, für soziale Kontexte als für Arbeitskontexte und für Weiße im Vergleich zu anderen Ethnien.

Ab und zu Kamera ausschalten kann helfen

Die Zoom-Müdigkeit kann durch die Komplexität der spezifischen räumlichen Dynamik, die in Videokonferenzen stattfindet, oder durch die zusätzliche kognitive Anstrengung, mit anderen in diesem Kontext zu interagieren, verursacht werden.

"In Anbetracht der Tatsache, dass Videokonferenzen wahrscheinlich auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der Arbeitswelt sein werden und eine Möglichkeit darstellen, mit Freunden und Familie in Verbindung zu bleiben, ist es wichtig, die Faktoren zu kennen, die zu Zoom-Müdigkeit führen können", so die Forscher.

Die Wissenschaftler vermuten, dass es bereits helfen könnte, die Selbstansicht auszuschalten und einen videokonferenzfreien Tag in der Woche einzuführen. Weiters sollte - sofern eine Videoübertragung für Konferenzen nicht notwendig ist - es auch für alle verpflichtend sein, die Videoübertragung auszuschalten. Denn niemand sollte sich gedrängt fühlen, mit Video an Besprechungen teilzunehmen.

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