Künstliche Intelligenz

"Deathbots" erwecken verstorbene Verwandte zum Leben

Auch noch nach ihrem Tod soll man mit Verstorbenen in Kontakt bleiben. Eine Studie zeigt die mögliche KI-Religion, die sich daraus entwickeln könnte.

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"Deathbots" erwecken verstorbene Verwandte zum Leben
Ein KI-generiertes Hologramm namens "Conceptt", das einen Videoanruf markiert, wird am Stand der Deutschen Telekom AG beim Mobile World Congress (MWC), dem größten jährlichen Treffen der Telekommunikationsbranche, in Barcelona angezeigt.
PAU BARRENA / AFP / picturedesk.com

Persönlichkeiten verstorbener Personen können mithilfe künstlicher Intelligenz imitiert werden. Die sogenannten "Deathbots" erwecken die Toten digital wieder zum Leben.

Um den Charakter von Verstorbenen imitieren zu können, muss der Chatbot zuerst trainiert werden. Dazu "füttert" man ihn mit E-Mails, Nachrichten, Social-Media-Posts oder Sprachdateien der verstorbenen Person.

Angebote wie "Here After" bieten genau diese Dienstleistung an. Die App aus den USA stellt einige Fragen und bittet darum, Audiodateien hochzuladen. Danach ist der personalisierte Chatbot schon fertig. Hinterbliebene können dann mit der KI kommunizieren, so als wäre der oder die Verstorbene noch am Leben. Das berichtet der "Standard".

Fachwelt ist skeptisch

Jed Brubaker, Assistenzprofessor für Informationswissenschaften in Colorado, und Meredith Morris von Googles Deepmind, sehen die sogenannte "Grief Tech" eher skeptisch. In ihrer Studie schreiben sie, dass "Die generativen Geister" die Hinterbliebenen zwar trösten könnten, aber es bestehe das Risiko, davon abhängig zu werden. So könne man sein Leben nicht auf eine gesunde Weise fortsetzen.

Brubaker warnt, dass eine solche Abhängigkeit zur Folge tragen könnte, dass Verstorbene als Gottheiten oder Engel angesehen werden. Dementsprechend würde man sie dann verehren, und die Ratschläge der KI annehmen. Diese seien aber nicht verlässlich und könnten schädlich sein. Die beiden Fachleute bezeichnen solche KI-Anwendungen auch als "Deathbots".

Brubaker glaube aber nicht daran, dass eine Mehrheit der Menschen diese KI-Technik verwenden möchte. Die Vorstellung könnte man gruselig und ein wenig seltsam finden.

Negativbeispiel Hollywood

Die Forschenden nennen in ihrer Studie als Negativbeispiel Hollywood. Durch die Bildgenerierung der KI könne man verstorbene Schauspieler "wiederbeleben", sodass sie nach ihrem Tod immer noch in Filmen auftreten können. Das war mitunter auch ein Grund für den Streik der Filmbranche im Jahr 2023.

Mit den "Deathbots" könne den Angehörigen Schaden zugefügt werden. Der 2008 verstorbene Comedian George Carlin wurde mit der KI-Technologie wiederbelebt. Einer seiner Fans hatte ein Programm erstellen lassen mit dem Namen "I'm glad I'm dead". In der Studie der Forschenden heißt es, dass das die Tochter des Verstorbenen traumatisiert habe.

Auch ein erhöhtes Sicherheitsrisiko geht von den Deathbots aus. Hinterbliebene könnten in Angst und Schrecken versetzt werden, wenn sie auf einmal von der Stimme eines verstorbenen Familienmitglieds angerufen werden. So sind die Angehörigen gefährdet, Opfer von Belästigung, Stalking und Betrug zu werden.

Auf den Punkt gebracht

  • Eine neue Studie zeigt, dass mithilfe künstlicher Intelligenz verstorbene Verwandte digital wieder zum Leben erweckt werden können
  • Diese "Deathbots" könnten jedoch zu einer gesunden Verarbeitung der Trauer und Normalität des Lebens im Gegensatz stehen, warnen Fachleute
  • Die Anwendung solcher KI-Technologien wird als problematisch angesehen und könnte zu Abhängigkeit, falscher Anbetung sowie Sicherheitsrisiken führen
red
Akt.
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