Der Messenger Telegram blamiert Russlands Zensur

Die russische Zensurbehörde Roskomnadsor ist blamiert: Der Kreml ließ fast 20 Millionen IP-Adressen blockieren, um Telegram zu stoppen. Vergeblich.

Die russischen Geheimdienste hatten vom Messenger Telegram verlangt, seine privaten Chats zu entschlüsseln. Telegram weigerte sich, woraufhin fast 20 Millionen IP-Adressen blockiert wurden, um die Nutzer aus dem Dienst auszusperren und Telegram lahmzulegen. Doch Telegram zeigt sich kämpferisch und blamiert die russischen Behörden, indem sich der Dienst einfach "entsperrt".

Das gelingt auf zwei Arten. Zum einen nutzt Telegram ständig wechselnde IP-Adressen für den Datenverkehr, was die IP-Blockade höchstens eine Zeit lang sinnvoll macht. Da der Datenverkehr auch über Drittanbieter wie Amazon und Google fließt, macht eine vollkommene Blockade so gut wie unmöglich. Zum anderen nutzen die Telegram-User verschlüsselte VPN-Verbindungen oder den Tor-Anonymisierungsdienst, was sie unverfolgbar für die Behörden macht.

Alles, was die russischen Behörden nun mit ihrer Zensur erreicht haben, ist die Einschränkung anderer Dienste als Telegram. Über eine notwendig gewordene Hotline meldeten sich russische Private, Medien und Unternehmen, deren Internetdienste nicht mehr erreichbar waren. Russische Medien berichteten von einem "Flächenbombardement" und einer "Internetzerstörung" des Kremls.

Telegram-Gründer Pawel Durow hat deutliche Worte: "Die Privatsphäre ist nicht zu verkaufen, und Menschenrechte dürfen nicht aus Angst oder Gier kompromittiert werden." Einige russische Behörden, die selbst auf Telegramm vertreten waren, stiegen nun auf den Messenger ICQ um. Der wurde 2010 von AOL an die russische Mail.ru-Gruppe verkauft, deren Besitzer Alischer Usmanow ein enger Vertrauter von Russlands Präsident Wladimir Putin ist.

(rfi)

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