Documenta sagt "Auschwitz on a Beach" ab

Dokumenta-Ankündigung: Provokationsthema Auschwitz / Screenshot
Dokumenta-Ankündigung: Provokationsthema Auschwitz / ScreenshotBild: Screenshot
Allein das Wort sorgt für Aufregung: Nach vielen Protesten wurden in Kassel 2,5 Performances von "Auschwitz on a Beach" abgesagt.

Die Documenta 14 läuft noch bis zum 17. September in Kassel. Trotz Publikumsrekorden wurde die Kunst-Megaveranstaltung verrissen. Zum Abschluss wurden noch Veranstaltungen abgesagt, weil ein Proteststurm gegen "Ausschwitz on a Beach" läuft. Sogar Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle persönlich bezeichnete sie als "ungeheuerliche Provokation".

Die erste von drei Performances hätte am Donnerstag stattfinden sollen, geplant war auch ein Live-Stream. Die Veranstaltung hätte auf einem Gedicht des italienischen Philosophen und Schriftstellers Franco Berardi basiert. Die Musikuntermalung stammt von dessen Bruder Fabio Stefano Berardi, für die Bilder war der Brasilianer Dim Sampaio zuständig.

Europäer errichten KZs, Salzwasser ersetzt Zyklon B

Schon beim Ankündigungstext, der ebenfalls von Berardi stammte, stellte es vielen die Nackenhaare auf. "Auf ihren eigenen Territorien errichten die Europäer Konzentrationslager", so der provokante Text "und bezahlen ihre Gauleiter in der Türkei, Libyen und Ägypten dafür, die Drecksarbeit entlang der Küsten des Mittelmeeres zu erledigen, wo Salzwasser mittlerweile das Zyklon B ersetzt hat."

"Politisch-moralische Bankrotterklärung", "grotesk"

Neben dem Oberbürgermeister, protestierte auch die Informationsstelle für Antisemitismus in Kassel. Die Ankündigung sei eine "politisch-moralische Bankrotterklärung der Verantwortlichen". Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und gleichzeitig Beauftragte für Holocaust-Gedenken des World Jewish Congress schimpfte "Auschwitz on a Beach" eine "groteske Inszenierung".

"Das Unmenschliche ist zurück"

Der Kurator Paul B. Preciado versuchte anfangs, die Wogen zu glätten. Der Künstler nutze das "Wort Auschwitz, um unser Gewissen zu wecken". Berardi selbst gab an, es sich nicht leicht gemacht zu haben: "Ich habe lange gezögert, diese Worte zu schreiben, denn ich bin mir bewusst, dass der Name von Auschwitz nicht sinnlos vergeudet werden darf." Aber "das Unmenschliche ist zurück", weshalb er den Text dann verfasst habe.

2,5 Veranstaltungen abgesagt

Nach dem Protest wurde zuerst der Ankündigungstext im Internet abgeändert. Die drei Performances wurden auf eine zusammengekürzt. Und diese findet in stark abgeänderter Form statt. Am Donnerstag um 20.30 finden nun eine Lesung und ein Gespräch mit Franco Berardi statt. Das Event heißt nun "Shame on us" (engl.: "Schande über uns"). Berardis Gedicht wird trotzdem vorgelesen. Danach soll über die Flüchtlingspolitik in Europa diskutiert

Die Veranstaltung unter dem Titel „Shame on us" wolle eine „vielstimmige Unterhaltung" befördern. Dort werde auch Berardis Gedicht, auf dem die geplante Veranstaltung basiert, verlesen und über die aktuelle Politik der Migration in Europa diskutiert. (lam)

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