Dunkelziffer: Bis zu 67.400 Infizierte in Österreich

Bei der ersten österreichischen Studie zur Dunkelziffer wurden über 1.500 Menschen zuhause besucht. Ein PCR-Test stellte über eine Blutprobe fest, ob das Virus vorhanden ist oder nicht.
Bei der ersten österreichischen Studie zur Dunkelziffer wurden über 1.500 Menschen zuhause besucht. Ein PCR-Test stellte über eine Blutprobe fest, ob das Virus vorhanden ist oder nicht.Bild: picturedesk.com
Erstmals wurde auf statistischer Basis zur Corona-Dunkelziffer in Österreich geforscht. Sie ist größer als gedacht, sagt Minister Faßmann.
"Prävalenz" ist das Stichwort, über das Wissenschaftsminister Heinz Faßmann und den Chefs des Instituts SORA, Günther Ogris und Christoph Hofinger am Freitag sprachen. Es geht um die Dunkelziffer an Corona-Erkrankten im Land. Sie ist höher als gedacht.

Dunkelziffer zwischen 10.200 und 67.400

Die sogenannte Prävalenz gibt Aufschluss über bestehende Fälle, die Inzidenz hingegen über neu auftretende Fälle. Zu Deutsch: Die Regierung stellte heute die Ergebnisse der Stichproben-Untersuchungen vor und kann so erstmals statistisch einschätzen, wie hoch die Dunkelziffer im Land ist.

1.544 Testungen wurden durchgeführt, hochgerechnet bedeutet das, dass 30.000 Personen im Land corona-positiv sind. Die offiziellen Zahlen lagen laut Faßmann damals bei ca. 8.500 Infizierten.

Berücksichtigt man die "Schwankungsbreite" maximal könnten sogar 67.400 infiziert gewesen sein. Die Dunkelziffer ist also mehr als doppelt so hoch wie die offiziellen Zahlen. "Der Eisberg ist also größer als gedacht", sagt Faßmann.

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Was sagt der Minister jenen, die diese Zahl für "eh klein" halten. "Nur" 0,33 Prozent der Bevölkerung infiziert, darum hat man so einen Aufwand betrieben?

Da ist Faßmann klar: Ohne die harten Isolationsmaßnahmen wäre es viel schlimmer gekommen. "Die Zahl wirkt klein, weil die Maßnahmen gewirkt haben", sagt er. Wenn das exponentielle Wachstum wieder losgehen würde, wären wir sehr schnell bei sehr hohen Zahlen.



Was wurde getestet?

Die SORA-Chefs erklärten, was genau getestet wurde. Nicht etwa die Immunität, sondern eine akute Infektion. "Wir haben nicht festgestellt, wie viele Menschen immun sind", sagt Ogris. "Wir haben nur getestet, wie viele Menschen in Österreich derzeit akut infiziert sind."

Die im Rahmen der Studie positiv getesteten Personen wurden natürlich unverzüglich verständigt, erklärte Ogris. Denn teils waren es Personen, die es gar nicht vermuteten. "Deswegen hat das ein bisschen länger gedauert als eine Wahl-Hochrechnung für den ORF", meinte er.

Die Statistik Austria wird nun weitere Erhebungen übernehmen, denn die aktuellen Ergebnisse seien natürlich eine Momentaufnahme. Ende April sollen die nächsten Ergebnisse vorliegen.

Zahlen im Detail

Hofinger, "der Hochrechner der Nation", stellte dann die genauen Zahlen vor. Getestet wurde von 1. bis 6. April 2020 - Personen, die zu dem Zeitpunkt im Spital lagen, wurden ausgenommen. Zu diesem Zeitpunkt waren 28.500 Personen in Österreich akut infiziert.

Die "Schwankungsbreite" (heißt bei so einer Untersuchung Konfidenz-Intervall) ist in so einem Fall sehr hoch, liegt bei bis zu 67.400. Das sei auf die verschiedenen Einflussfaktoren zurückzuführen. Die beste Schätzung ist aber eben die 28.500. In Prozent: 0,33 Prozent der Bevölkerung waren zu dem Zeitpunkt akut infiziert. Die "Schwankungsbreite" in Prozent: Von 0,12 Prozent bis 0,76 Prozent.

Wir sind Vorbild für Europa

Österreich sei das erste Land in Kontinentaleuropa, das eine solche Prävalenzstudie vorstellt, war Faßmann stolz. Andere Länder planen nun ähnliche Studien.

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Die aktuelle Corona-Karte für Österreich:





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