"Einsam, isoliert" – und das für 1.680 € brutto im Job

Die Arbeiterkammer fordert bessere Arbeitsbedingungen für Reinigungskräfte.
Die Arbeiterkammer fordert bessere Arbeitsbedingungen für Reinigungskräfte.Getty Images/iStockphoto
Sauberkeit und Hygiene sind wichtiger denn je. Die AK kritisiert, dass sich die Arbeitsbedingungen von Reinigungskräften aber nicht gebessert haben.

Der hohe Anspruch an Hygiene und Sauberkeit am Arbeitsplatz sei durch Corona stark gestiegen, so die Arbeiterkammer OÖ. "Die Arbeitsbedingungen der Reinigungskräfte haben sich jedoch nach wie vor nicht verbessert. Völlig übersehen werden auch die Mehrfachbelastungen, denen die Beschäftigten in dieser Branche ausgesetzt sind", kritisieren die Arbeitnehmervertreter.

Reinigungskräfte müssten mit "gesundheitsgefährdenden Mitteln arbeiten" und sie würden "körperlich extrem stark beansprucht", seien psychisch stark belastet. "Dazu kommt das niedrige Einkommen", so die AK.

Stundenlohn rund 10 Euro

Hintergrund: Laut Kollektivvertrag für Denkmal-, Fassaden und Gebäudereinigung liegen aktuell die Brutto-Stundenlöhne zwischen 9,71 und 11,74 Euro.

Umgelegt auf eine Vollzeitbeschäftigung entspricht dies einem monatlichen Bruttolohn von 1.680 Euro. "Es braucht endlich eine gerechte Entlohnung, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Wertschätzung", sagt AK-Präsident Andreas Stangl.

"Unsichtbar"

Reinigungskräfte seien zudem "unsichtbar". Sie müssten zu Randzeiten arbeiten. "Nämlich frühmorgens oder spätabends, wenn andere Beschäftigte noch nicht da oder schon wieder weg sind. Das bedeutet, dass sie meist alleine arbeiten und keine Ansprechperson haben. Reinigungskräfte fühlen sich deshalb einsam und isoliert".

Beschäftigte, die frühmorgens und danach erst wieder spätabends arbeiten, müssten zudem den Hin- und Rückweg zweimal zurücklegen. "Zusätzlich zu den zerrissenen Arbeitstagen ist es auch schwer, möglichen Betreuungspflichten nachzugehen. Dass Reinigungsarbeit auch körperlich anstrengend ist, wird meist übersehen".

Forderungen

Vor allem der Muskel-Skelett-Apparat werde stark beansprucht. Laut Arbeitsklima Index der AK OÖ gaben in den Jahren 2019 bis 2021 22,9 Prozent der Beschäftigten an, dass sie sehr stark bzw. eher stark mit anstrengender Arbeit wie das Heben schwerer Lasten zu kämpfen haben. "Schmerzen in der Wirbelsäule oder im Rückenbereich sind daher nur wenig verwunderlich", so die Arbeiterkammer. Die AK hat eine Liste an Forderungen zusammengestellt:

1Prävention

Nur mit gezielter Präventionsarbeit können Reinigungskräfte entlastet sowie arbeitsbedingte Erkrankungen und ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Berufsleben verhindert werden!

2Mehr Bewusstsein

"Es braucht mehr Bewusstsein im Umgang mit gefährlichen Arbeitsstoffen. Es muss eine lückenlose Arbeitsplatz-Evaluierung stattfinden, die auch für auswärtige Arbeitsstellen, an denen die Beschäftigten als betriebsfremde Reinigungskraft eingesetzt werden, verpflichtend sein muss."

3Krankheiten

"Durch den ständigen Kontakt mit Putzmitteln sind Reinigungskräfte stark gefährdet, Hautkrankheiten zu bekommen. Laut Allgemeinem Sozialversicherungsgesetz (ASVG) gelten Hautkrankheiten allerdings nur dann als Berufskrankheiten, wenn Arbeitnehmer/-innen dazu gezwungen sind, die schädigende Tätigkeit aufzugeben. Der Gesetzgeber müsste hier den Arbeitgeber verpflichten, die Fürsorgepflicht einzuhalten. Mit geeigneten Vorsorgemaßnahmen und strengeren Kontrollen bei der Einhaltung des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes."

4Keine Vorsorge

"Wenn die Vorsorge ungenügend ist oder gänzlich fehlt und das zu einer arbeitsbedingten Erkrankung führt, muss die soziale Absicherung gewährleistet werden. Es wäre dringend notwendig, die Berufskrankheitenliste um arbeitsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen, psychische Erkrankungen oder weitere Krebsarten zu erweitern."

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