Exotische Zecke nistet sich in Wohnungen ein

Die Braune Hundezecke stammt aus dem Mittelmeerraum. Inzwischen fühlt sie sich aber auch bei uns recht wohl und kann schnell zur Plage werden.
Der globale Handel und Verkehr sowie das mildere Klima bringen es mit sich, dass Schädlinge aus anderen Regionen der Welt vermehrt auch bei uns anzutreffen sind. Das gilt nicht nur für Stechmücken, sondern auch für Zecken. So wurde vor kurzem bekannt, dass es der tropischen Hyalomma-Zecke gelungen ist, in unseren Breitengraden zu überwintern.

Doch es gibt eine weitere Zeckenart, die sich inzwischen auch bei uns wohlfühlt: die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Sie mag es um die 25 Grad und trocken und lauert in kleinen, steinigen Spalten auf ihren künftigen Wirt, der bevorzugt ein Hund ist. Und im Gegensatz zum Gemeinen Holzbock, der häufigsten Zeckenart in Europa, kann sie gut in Wohnungen überleben.

Katrin Fachet vom Fachgebiet Parasitologie der Universität Hohenheim in Stuttgart, sagt dazu in einer Mitteilung zum Start eines neuen Forschungsprojekts: "Heimisch ist sie eigentlich im Mittelmeerraum und Nordafrika, in unseren warmen und vor allem trockenen Wohnungen gefällt es ihr also sehr gut." So übersteht sie auch kalte Winter nördlich der Alpen.

4.000 Eier pro Weibchen

Auch in der Schweiz wurde die Braune Hundezecke im Tessin und im Genferseegebiet nachgewiesen. Betrafen frühere Fälle meist Hunde, die aus Mittelmeerländern zurückkehrten, werden in neuerer Zeit auch hierzulande Hunde und seltener Pferde sowie andere Tiere befallen, erklärt Bruno Gottstein vom Institut für Parasitologie der Universität Bern.

FSME: Frühsommer-Meningoenzephalitis
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine entzündliche Erkrankung des Gehirns bzw. der Hirnhäute, die durch das FSME-Virus ausgelöst wird. Die Krankheit kann nicht behandelt werden. Der Erreger wird durch Zecken übertragen. Eine korrekter Impfschutz schützt vor einer Infektion.

Auch Borreliose (Lyme-Krankheit) wird durch Zecken übertragen. Dagegen existiert derzeit noch kein Impfschutz. Die Krankheit ist mit Antibiotika behandelbar.
Hat sich die Braune Hundezecke erst einmal in einer Wohnung eingenistet, kann sie sehr schnell zu einer sehr unangenehmen Plage werden. "Ein Holzbockweibchen kann bis zu 2.000 Eier legen – ein Hundezeckenweibchen bis zu 4.000. Innerhalb weniger Monate hat man dann schnell mehrere 100.000 Zecken in der Wohnung", sagt Fachet.

CommentCreated with Sketch.4 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Laut Gottstein sind auch hierzulande schon Wohnungen befallen worden. Seine Kollegin von der Universität Zürich, Manuela Schnyder, weiß etwa von einem Massenbefall in einem Haus in Liechtenstein 2007.

Überträgerin gefährlicher Krankheiten

Bei einem starken Befall kann die Zecke auch für Menschen gefährlich werden. Denn ist die Population so groß, dass ein Hund als Wirt nicht mehr ausreicht, springt die Zecke auf den Menschen über. Zwar sind noch keine Übertragungen der klassischen Zeckenkrankheiten FSME oder Borreliose durch diese Art festgestellt worden. Die Braune Hundezecke kann aber zu schweren Erkrankungen bei Hunden führen und auf den Menschen übertragbare Krankheiten wie das Mittelmeer-Fleckfieber mit sich bringen.

Es ist also wichtig, zu handeln, sollte sich die Braune Hundezecke in einer Wohnung oder einem Haus eingenistet haben. Schnyder empfiehlt besonders bei Räumen mit Holzparkett, Holzdielen und anderen Versteckmöglichkeiten zur Sicherheit eine professionelle Bekämpfung unter Zuzug eines Kammerjägers.

Wie man sich vor Zecken schützt
Wie man sich vor Zecken schützt


Wer sich vorbereitet und beim Aufenthalt in der Natur einige Regeln beachtet, muss die Zecken nicht fürchten. (Video: Fee Riebeling) (jcg)

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