Falsche Krankenschwester nahm Opfern 150.000 Euro ab

Straflandesgericht Wien
Straflandesgericht WienHELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com
Am Wiener Landesgericht ist eine 50-jährige Frau wegen gewerbsmäßigen schweren Diebstahls zu zweieinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt worden.

Eine 50-jährige Frau musste sich am Dienstag am Wiener Landesgericht verantworten. Sie hatte sich in der Vergangenheit als Krankenschwester ausgegeben und soll gemeinsam mit einem mittlerweile verstorbenen Komplizen betagten Menschen rund 150.000 Euro abgenommen haben, berichtet die APA.

Die Angeklagte wurde wegen gewerbsmäßigen schweren Diebstahls zu zweieinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Paar führte betagte Wiener hinters Licht

Das Paar dürfte laut Staatsanwaltschaft Wien auf der Straße gezielt nach betagten, älteren Menschen Ausschau gehalten und diese nach Hause verfolgt haben. Die beiden läuteten an der Wohnungstür und gaben an, als Arzt und Krankenschwester im Auftrag der Pensionsversicherungsanstalt unterwegs zu sein.

Sie täuschten vor, dass es um eine Erhöhung des Pflegegelds oder der Pension gehe, wofür sie eine körperliche Untersuchung durchführen müssten.

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Die Opfer mussten sich demnach in Bauchlage auf ihr Bett legen. Während einer von ihnen die Pseudo-Untersuchungen durchführte, nutzte der bzw. die andere die Gelegenheit, um Wertsachen und Bargeld in der Wohnung zu stehlen.

Mann, der sich als Arzt ausgab, ist verstorben

Laut Anklage ging es um fast zwei Dutzend Fälle mit einem Gesamtschaden in Höhe von 150.000 Euro. Angeklagt war nur noch die vermeintliche Krankenschwester. Der Mann, der sich als Arzt ausgab, starb nach seiner Festnahme in der Justizanstalt Josefstadt eines natürlichen Todes.

Das Paar war zwischen August 2019 und Mai 2020 aktiv. Im vergangenen Jahr gaben sie bei den Opfern sogar an, Untersuchungen auf eine Covid-19-Infektion durchführen zu wollen.

Ein Pensionist schilderte vor Gericht ihr Vorgehen. Es habe nicht einmal zehn Minuten gedauert. Während er abgelenkt war, sei ein Geldkuvert mit 1.110 Euro verschwunden.

Geld während Pseudo-Untersuchung gestohlen

Ein mittlerweile 92-Jähriger gab zu Protokoll, dass er und seine Frau untersucht worden seien. Mit der Behauptung, sie müssten ein Rezept aus dem Auto holen, sind die beiden geflüchtet. 1.300 € in bar waren weg. 

Die Angeklagte versicherte, sie hätte ihren Partner nur vier bis sechs Mal zu diesen Aktionen begleitet. Dieser sei die treibende Kraft dahinter gewesen. "Es tut mir von Herzen leid", so die 50-Jährige. Sie habe sich "aus Naivität" auf das Ganze eingelassen.

Die 50-Jährige war von den sichergestellten DNA-Spuren an den Tatorten sowie den Ergebnissen einer Rufdatenrückerfassung belastet worden.

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