Forscher: "Wir werden zur Generation Corona"

Was bedeutet es für uns als Gesellschaft, dass wir alle gemeinsam durch diese Krise laufen? Wie wird sich unser Umgang miteinander ändern?

Wie wird sich das Gefüge der Generationen durch die Corona-Krise verändern? Wird ein neues Miteinander entstehen oder ist das nur eine verklärte Wunschvorstellung?

In einem Interview mit dem "Kurier" spricht Jugendforscher Tristan Horx, der Sohn des Zukunftsforschers Matthias Horx, über den Einfluss der Krise auf die Generation der Millenials.

Die Ausgangslage seiner Generation war eher unvorteilhaft. Als vergnügungssüchtig, unpolitisch und egoistisch wurden sie dargestellt. Jetzt dürfen sie zeigen, dass sie auch anders können.

Vertrag zwischen älterer und jüngerer Generation

Die Solidarität, die Millenials gerade mit Babyboomern aufweisen, muss von den Babyboomern nach der Krise bei den Themen ihrer Generation gleichbedeutend vorhanden sein. Das muss darin münden, dass diese sich mehr für die Klimakrise, tun deren verursachende Generation sie sind. Dafür hat Horx den Begriff "Corona-Vertrag" geprägt. "Jetzt schränken vor allem die Jüngeren ihr Leben massiv ein, um die ältere Generation zu schützen. Ich denke aber, dass danach die Anforderung kommen wird: Wir haben unseren Anteil geleistet, jetzt seid ihr dran."

Der Genuss im Stillstand

"Das ist ein historischer Moment"

Die Generation, die die neue Geschwindigkeit des Fortschritts als ihren Antrieb sah, hat nicht erst durch die Krise verstanden, dass sie Entschleunigung braucht, um nicht wie Vorgängergenerationen in Burn-Out-Zustände zu münden. Die neue Achtsamkeit habe durch die Krise eine Bestärkung erfahren, so Horx weiter. Jetzt ist ihre Umsetzung ohne Schuldgefühle möglich. Denn nun macht jeder das gleiche und nennt es Solidarität.

"Die physische Distanz bringt und seelisch näher"

Dass wir nun alle zuhause sitzen, war auch nötig, um wieder eine menschliche Nähe herzustellen. Diese sei durch die sozialen Medien, die jetzt erstmals ihre Vermittler-Rolle einnehmen, für die sie vorgesehen gewesen wären, zunächst entkoppelt gewesen.

Horx vertritt die Meinung, dass die Generation keine egoistischere, sondern eine individualisiertere sei und sich zu einer Wir-Kultur entwickeln kann - ein Prozess, der durch Corona beschleunigt werde. Eine Homogenisierung, wie sie in jeder Gesellschaft nach einer Krise vorkommt, finde in dem Fall zwischen allen Altersgruppen ein wenig statt und wir würden alle gemeinsam eine Generation Corona werden.

Zwei weitere Prognosen: Reisen erhalten wieder einen besonderen Stellenwert. Die Wahlbeteilgung unter der jungen Generation wird höher werden.

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