Österreich

Wienerin geht am Stock, wird von Postler ausgelacht

Christine P. ist nach einer Erkrankung nicht mehr mobil. Die Post gehe auf ihre Bedürfnisse nicht ein und mokiere sich sogar über sie, klagt sie.

Sandra Kartik
Christine P. ärgert sich über die Post – Von beschädigten Paketen bis zu unhöflichem Verhalten.
Christine P. ärgert sich über die Post – Von beschädigten Paketen bis zu unhöflichem Verhalten.
Getty Images (Symbol)

Ihr Leben spielt sich großteils daheim ab. Die Wienerin Christine P. ist gehbehindert, sie braucht einen Stock und kommt alleine kaum mehr voran. Sie arbeitet hauptsächlich von zu Hause, Einkäufe und Erledigungen aller Art sind inzwischen sehr strapaziös für die 61-Jährige. Da sie alleine lebt und keine Kinder hat, ist sie oftmals auf die Hilfe von Freunden angewiesen, um etwa Sendungen von der Post abzuholen.

Ärger um RSb-Brief

"Ich habe einem Freund die Vollmacht gegeben, Packerl und Briefe bei meiner Filiale in Wien-Döbling für mich abzuholen", erzählt sie im "Heute"-Gespräch. Nun bekam sie die Benachrichtung, das ihr ein RSB-Brief zugestellt werden sollte. "Ich war daheim, geläutet hat aber niemand." Christine P. bat ihren Bekannten, die Sendung für sie zu abholen, doch sie wurde ihm nicht ausgehändigt. "Die Post teilte mir auf Nachfrage mit, ich müsste die Vollmacht notariell beglaubigen lassen. Das habe ich noch nie gehört", ärgert sie sich. Die 61-Jährige musste ein Taxi nehmen, um das amtliche Schriftstück selbst zu holen – dieses entpuppte sich jedoch als USB-Stick eines Mobilanbieters.

Auf "Heute"-Anfrage klärte ein Sprecher der Post auf: "Bei einer Abholung durch Dritte müssen wir sichergehen, dass es sich hierbei wirklich um den Willen des*der Empfänger*in handelt. Da es hier auch um Behördenbriefe, Geldbeträge, etc. geht, müssen wir verständlicherweise sehr streng sein. Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit einer Postvollmacht (die schließen Sie direkt bei der Post ab) oder einer notariellen Vollmacht. Andere 'Vollmachten' können wir nicht anerkennen, da dass ja Missbrauch Tür und Tor öffnen würde." 

Paket beschädigt: Frau muss Taxi nehmen

Wenig später wartete das nächste Ärgernis in ihrem Briefkasten: Sie hatte um 19,99 Euro Kleidung im Internet bestellt, doch das Paket wurde offenbar mit Druck in ihr Postfach gequetscht, statt in die Empfangsbox in ihrem Wohnaus. "Der Erlagschein drinnen war zerrissen, man konnte ihn nicht mehr lesen." Christine P. musste sich erneut ein Taxi nehmen, um zuerst zur Bank fahren, wo man ihr auch nicht helfen konnte, die Kontodaten zu entziffern.

"Wenn möglich, hinterlegen wir bei Abwesenheit der Empfänger*innen Sendungen in den Post Empfangsboxen – das setzt natürlich voraus, dass diese gerade nicht anderweitig belegt sind. Ich kenne leider Frau P.s Wohnsituation nicht, je nachdem wäre aber eine Abstellgenehmigung anzudenken, wenn sie ihr Zuhause nur schwer verlassen kann", so der Post-Sprecher bemüht.

Mitarbeiter machte sich über sie lustig

Nach dem unfreiwilligen Bankbesuch musste Christine P. wieder Taxi fahren – diesmal zu ihrer Postfiliale in Wien-Döbling, wo sie ihren Fall schilderte. Die Mitarbeiter nahmen sie nicht ernst, mehr noch: "Ich wurde dort ausgelacht. Ich bin nicht mobil, für mich sind die Gänge zur Post jedes Mal ein großer Aufwand. Doch das ist dort allen egal."

Die 61-Jährige beschwerte sich bei der Hotline, doch "das brachte gar nichts. Ich finde den Kundendienst der Post nicht zufriedenstellend. Das betrifft ja nicht nur mich, sondern viele meiner Freunde", schildert sie. Die Post möchte diesen "schweren Vorwürfen" nun umgehend nachgehen.

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