Gewalt-Kampagne: Grüne wollen "bei Männern ansetzen"

Gesundheits- und Sozialminister Wolfgang Mückstein (Grüne) und Klubobfrau Sigrid Maurer (Grüne)
Gesundheits- und Sozialminister Wolfgang Mückstein (Grüne) und Klubobfrau Sigrid Maurer (Grüne)Gesundheitsministerium
Anlässlich des neunten Femizids in nur vier Monaten kündigen Minister Mückstein und Sigi Maurer eine neue Kampagne zur Gewalt-Prävention an.

Nach vier Monaten werden bereits neun Frauen, die von neun Männern ermordet wurden, gezählt. Österreich ist das einzige Land der EU, in welchem mehr Frauen als Männer ermordet werden. Im Februar wurde etwa eine Frau erst krankenhausreif geprügelt, als sie aus dem Spital kam, schließlich zu Tode gewürgt. Solche Vorfälle machen Gesundheits- und Sozialminister Wolfgang Mückstein "als Mann und Vater traurig und wütend". Dass in solchen Fällen immer wieder Beziehungsdramen reininterpretiert werden, findet er enttäuschend. "Mord ist Mord."

Wenn ein Mann seine Frau schlägt oder umbringt, "ist das zu einhundert Prozent seine Verantwortung, seine Schuld." Als Arzt hat er selbst in seiner Ordination genug solcher Fälle erlebt. Mückstein erzählt von Frauen, die "die Treppe runter gestürzt sind" und nach drei Monaten erneut in Behandlung waren, weil sie "gegen die Tür gelaufen sind." Auch Kinder sind hier stark betroffen, sei es direkt oder indirekt. An sie gelte es ebenso zu denken.

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Erstes Ziel

"Das erste Ziel muss der Opferschutz sein." Entsprechende Stellen gelte es, als Regierung zu unterstützen. Aber: "Wenn wir Frauen schützen wollen, müssen wir bei Männern ansetzen". Nicht bei den Symptomen ansetzen, sondern bei der Wurzel. Schon bei Buben ist es oft üblich, dem Kontrahenten einfach "auf's Maul zu hauen". An Punkten der Angst, der Frustration, wenn es einfach "gschissen" ist, müssen Männer erkennen, dass Hilfe genutzt werden kann und soll.

Betreuungsangebote und Hotlines für Männer sollen mittels neuen Kampagnen "an den Mann" gebracht werden. "Jeder von uns kennt Frustration und Angst, das ist normal". "Wer in diesem Moment aber zuschlägt, zeigt Schwäche. Wer Hilfe sucht, zeigt Stärke." Auf diese Hilfsangebote wird in Zukunft verstärkt hingewiesen.

Rollenbilder

Sichtlich betroffen zeigt sich auch die grüne Klubobfrau Sigrid Maurer: "Das ist unerträglich". Die Regierung hat schon viel getan, die Mittel für einige Stellen und Helplines erhöht. Wichtig ist hier insbesondere, dass nun Opferschutzeinrichtungen Frauen vor Gericht vertreten können, um etwa Betretungsverbote zu erwirken.

Am Montag wird es in diesem Bereich auch einen Gipfel mit Frauenministerin Susanne Raab und Innenminister Karl Nehammer geben. Bereits auffällig gewordene Täter sollen besser eingeschätzt und beurteilt werden können. Auch Maurer hält fest: Um das Gewaltproblem in den Griff zu bekommen, "müssen wir bei den Männern ansetzen".

Nach wie vor werden in unserer Gesellschaft sehr starke Rollenbilder verkörpert. Viele Buben wachsen mit dem Anspruch auf, stark, nicht verletzlich, "der Boss" zu sein. "Viele haben auch die Vorstellung, dass Frauen ihnen untergeordnet seien." Diese Ansichten führen schließlich zu solchen Morden, dieser Gewalt gegenüber Frauen generell.

Verantwortung

"Viele Männer haben nie gelernt, wie sie mit Frustration umgehen sollen", befindet Sigi Maurer. Das beginnt auch bei der Sprache. Eine abwertende Äußerung gegenüber Frauen führe zwar nicht zwangsläufig zu Gewalt. Aber es ist ein erster Hinweis auf solch eine Neigung. Die Männerberatungsstellen leisten hier gute Arbeit. Nur wenn man entsprechende Rollenbilder bekämpft, kann man Gewalt gegen Frauen langfristig verhindern.

"Wir als ganze Gesellschaft tragen Verantwortung", dass diese Rollenbilder nicht weiter befeuert werden. An Frauen wie an Männer werden sehr starke Erwartungshaltungen gestellt. Bei Frauen primär, den Haushalt zu "schmeißen", bei Männern, das finanzielle Einkommen alleine zu bewerkstelligen. Das sei ein enormer Druck. 

Viele Männer haben nie wirklich gelernt, wie man Konflikte gewaltfrei löst. Das muss sich ändern. Insbesondere muss darauf hingewiesen werden, dass es solche Beratungsstellen gibt. Maurer ist trotzdem zuversichtlich und ortet bereits positive Entwicklungen. Die Berichterstattung in den Medien verändert sich, immer seltener liest man von einem "Beziehungsdrama", das Thema findet generell mehr Aufmerksamkeit.

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