Gibt's bald einen Corona-Impfstoff auf Pflanzenbasis?

Die Forschenden nutzen die Blätter einer nahen Verwandten der Tabakpflanze – Nicotiana benthamiana – als Bioreaktoren, um einen Corona-Impfstoff herzustellen.
Die Forschenden nutzen die Blätter einer nahen Verwandten der Tabakpflanze – Nicotiana benthamiana – als Bioreaktoren, um einen Corona-Impfstoff herzustellen.Medicago
Ein Corona-Impfstoff, der aus einer Tabak-ähnlichen Pflanze gewonnen wird, könnte dabei helfen, den weltweiten Vakzin-Bedarf zu decken.

Der Stoff, auf dem der Covid-19-Impfstoffkandidat der kanadischen Biotech-Firma Medicago und des britischen Pharmakonzerns GlaxoSmithKline basiert, entsteht nicht in einer Fabrik, sondern gedeiht in einem Gewächshaus. Denn statt auf mRNA, wie die in Österreich derzeit zugelassenen Corona-Vakzine, basiert der Impfstoff namens CoVLP (Coronavirus Virus-Like Particle) auf Pflanzlichem.

Die Unternehmen nutzen die Blätter einer nahen Verwandten der Tabakpflanze – Nicotiana benthamiana – als Bioreaktoren, um das Antigen herzustellen (siehe Box). Dabei handelt es sich um virusähnliche Partikel (VLP), die die native Struktur von Viren nachahmen, wodurch sie vom Immunsystem leicht erkannt werden können. Allerdings fehlt ihnen das genetische Kernmaterial, wodurch sie nicht infektiös sind und sich nicht replizieren können.

Hohe Konzentration an Antikörpern

Dass der Ansatz funktioniert, zeigt nun die Zwischenanalyse der Phase-I-Studie mit 180 Frauen und Männern im Alter zwischen 18 und 55 Jahren. Die Probanden erhielten im Abstand von 21 Tagen insgesamt zwei Dosen CoVLP in einer Dosierung von jeweils entweder 3,75 Mikrogramm, 7,5 Mikrogramm oder 15 Mikrogramm. Einige enthielten zudem auch Adjuvantien – Hilfsstoffe, die durch das Hervorrufen einer stärkeren Immunantwort die Wirksamkeit des jeweiligen Impfstoffs erhöhen.

Ergebnis: Alle Impfdosen und Kombinationen mit den Hilfsstoffen wurden gut vertragen. Traten doch unerwünschte Nebenwirkungen auf, fielen diese mild bis moderat aus. Zudem waren sie vorübergehend. Am stärksten traten sie bei den Personen auf, die Impfstoff und Hilfsstoff erhielten. Typische Impfreaktionen waren lokale Reaktionen, besonders Schmerzen an der geimpften Stelle. Als systemische Reaktionen wurden vor allem Kopfschmerzen und Erschöpfung von etwa jedem vierten bis fünften Teilnehmer berichtet. Nach der zweiten Dosis traten mehr moderate Nebenwirkungen auf, die auch etwas stärker als nach der ersten Dosis ausfielen.

Auch hinsichtlich der Wirkung haben die Verantwortlichen gute Neuigkeiten. So entwickelten die Teilnehmer eine hohe Konzentration von neutralisierenden Antikörpern gegen das neue Coronavirus – besonders in der Impfkombination mit Adjuvans. Die Dosierung von CoVLP schien dagegen keinen Unterschied für die Antikörperbildung zu machen, wie die Verantwortlichen im Fachjournal «Nature» berichten. Entsprechend werten sie CoVLP als vielversprechenden Kandidaten für die weitere Impfstoffentwicklung.

In den USA läuft bereits die Zulassungs-Phase

Auch ein noch nicht von externen Fachleuchten begutachtetes Zwischenergebnis der Phase-II-Studie bekräftigt die Medicago-Expertinnen und -Experten in ihrer Arbeit, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt: "Wir freuen uns über die positiven Ergebnisse: Nach zwei Dosen induzierte der mit Hilfsstoffen angereicherte Impfstoffkandidat robuste neutralisierende Antikörper und zelluläre Immunantworten bei allen Probanden, unabhängig vom Alter", so Nathalie Landry, Executive Vice President, Scientific and Medical Affairs bei Medicago. "Diese Ergebnisse stimmen uns zuversichtlich, da wir mit unserer klinischen Phase-III-Studie weiter vorankommen." Diese startete im März 2021 und wird mit Probanden in Nord- und Lateinamerika sowie Europa durchgeführt. In den USA hat die nationale Gesundheitsbehörde FDA bereits einem beschleunigten Zulassungsverfahren für CoVLP zugestimmt.

Sollten auch die Phase-III-Studien zu guten Ergebnissen führen, stellt Medicago in Aussicht, noch in diesem Jahr 80 Millionen Dosen produzieren und ausliefern zu können. Ab dem Jahr 2023 sollen dann sogar mehr als eine Milliarde Impfdosen pro Jahr möglich sein.

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