Patrick Schöbel, ein 38-jähriger Hamburger, wurde am 16. Januar am Flughafen Pulkowo in St. Petersburg festgenommen. Der Grund: Zollbeamte fanden sechs Gummibärchen mit Cannabis in seinem Gepäck. Beim Schnelltest wurde Tetrahydrocannabinol (THC) festgestellt, der Hauptwirkstoff von Cannabis. Obwohl Schöbel beteuerte, es handele sich um harmlose Weingummis, wird er nun in Russland wegen Drogenschmuggels angeklagt. Ihm drohen bis zu sieben Jahre Haft, wie der "Spiegel" berichtet.
Der Fall erinnert an jenen der US-Basketballerin Brittney Griner, die im Februar 2022 wegen einer kleinen Menge Haschisch-Öl festgenommen und zu neun Jahren Haft verurteilt wurde. Das Urteil lautete auf den Besitz und Schmuggel von Betäubungsmittel. Nach zehn Monaten kam im Austausch für Griner schließlich ein russischer Waffenhändler frei, der lange in US-Haft gewesen war.
Seit über vier Monaten sitzt Schöbel nun bereits in Untersuchungshaft. Die russischen Behörden präsentieren ihn als Trophäe, ein Foto vom Reisepass des Deutschen zusammen mit den sechs Cannabis-Gummibärchen wird von Zollmitarbeitern verbreitet.
Genau wie die USA steht Deutschland mit Russland diplomatisch auf Kriegsfuß. Schuld daran ist vor allem die starke Unterstützung der Ukraine. Die Situation des gefangenen Schöbel macht dies nicht gerade einfacher. Die deutschen Konsulate sind stark eingeschränkt, viele Deutsche sitzen wegen ähnlicher Delikte in russischen Gefängnissen.
Schöbel war nach Russland gereist, um eine Frau zu treffen, die er online kennengelernt hatte. Er hat die strengen russischen Drogengesetze offenbar unterschätzt. Seine Anwältin beschreibt ihn als naiv und betont, dass er einfach seine Freundin sehen wollte.
Derweil warnte das deutsche Auswärtige Amt auf Instagram kürzlich vor romantisch motivierten Reisen nach Russland: "Vorsicht bei Tinder, Hinge, Bumble und Co: Hier können falsche Motive hinter neuen Kontakten stecken", heißt es im Post, und: "Wir können Deutsche nicht einfach aus dem Gefängnis holen." Vage Indizien weisen gar darauf hin, dass Männer aus westlichen Staaten bereits von russischen Frauen über Online-Portale nach Russland gelockt wurden.
Im Gerichtssaal wirkt Schöbel verloren. Er versteht die Verhandlungen kaum, da sie auf Russisch geführt werden. Seine Pflichtverteidigerin versucht, ihm zu helfen, aber die Chancen auf eine milde Strafe erscheinen gering. Schöbel hofft auf eine Abschiebung nach Deutschland, hat aber wenig Hoffnung.