Hannes Kartnig hofft auf Fußfessel

Der OGH hat am Mittwoch das Urteil gegen den ehemaligen Sturm-Präsidenten Hannes Kartnig herabgesetzt - von fünf Jahren Haft auf 15 Monate, die Geldstrafe von 6,6 auf 5,5 Mio. Euro. Damit sind allerdings längst nicht alle Fragen geklärt.

Der OGH hat Kartnigs Strafe am Mittwoch reduziert: 15 Monate unbedingt und 5,5 Mio. Euro Pönale. Da der Freispruch wegen Betrugs aber aufgehoben wurde, muss ein Teil des Verfahrens wiederholt werden.

Das Urteil in erster Instanz vor zwei Jahren war härter ausgefallen: Er war damals worden. Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde seitens der Verteidiger waren die Folge, auch Staatsanwalt Johannes Winklhofer legte Berufung ein.

Weiterhin Strafe wegen Betrugs möglich

Die abgemilderte Strafe betrifft nur die Steuerhinterziehung, damit ist die Sache für Kartnig nach wie vor nicht ausgestanden: Der OGH hob einen Freispruch auf, den das Gericht beim Prozess vor zwei Jahren in Graz gefällt hatte. Dabei geht es um schweren Betrug im Falle der Zahlungen an den steirischen Fussballverband und die Bundesliga: Weil Kartnig und der damalige Clubsekretär falsche Angaben über Einnahmen bei den Spielen gemacht haben sollen, müssen sich die beiden neuerlich in Graz vor Gericht verantworten. So könnte zu den derzeitigen 15 Monaten unbedingter Haft wegen Steuerhinterziehung eine weitere Strafe dazukommen.

Kartnig hofft auf Fußfessel

Ob und wann Kartnig ins Gefängnis muss, bleibt laut seinem Anwalt Michael Pacher offen. Zwei Monate hat Kartnig bereits in U-Haft abgesessen. Es gibt noch eine Entscheidung über die Fußfessel. Pacher: "Diese Entscheidung ist ja aufgehoben worden, und man wird sehen, ob sie Herrn Kartnig bewilligt wird.“

 
Nach den Plädoyers der Verteidiger kamen vor dem OGH am Mittwoch die acht Angeklagten zu Wort. Hannes Kartnig erklärte sichtlich mitgenommen: "Es tut mir leid, dass mir einige Fehler passiert sind."

"Kartnig hat sich nie bereichert"

Kartnigs Verteidiger  Roland Kier plädierte vor allem für eine bedingte Haftstrafe, denn der Ex-Präsident habe sich nie bereichert, sondern für den Verein "seine private Existenz riskiert". Und Kier beeindruckend: "Hier sitzt kein Krimineller, der sich bereichert hat, sondern ein Wahnsinniger. Ein Fußball-Fanatiker, der sich in den Kopf gesetzt hat, es muss in der Steiermark einen Meister geben. Deshalb hat er Stars schwarz bezahlt und deshalb hat er für Sturm seine Existenz ruiniert."

"Es geht mir sehr schlecht"

Hannes Kartnig im dunklen Anzug wirkte angeschlagen und nervös. Auf eine Frage eines Journalisten sagte Kartnig: "Es geht mir seh schlecht". Auch die anderen Beschuldigten machten keinen sehr optimistischen Eindruck.

Der Generalprokurator schilderte, dass die Stellungnahme seiner Behörde 260 Seiten umfasst, beschränkte sich in seinem rund einstündigen Vortrag aber auf die wesentlichen Punkte. Er befand, dass die Verteidigerrechte in dem Verfahren keineswegs eingeschränkt worden waren, auch habe die nicht erfolgte Vereidigung der Schöffen zu Beginn 2012 keinerlei Relevanz, da es eine zusammenhängende Verhandlung gewesen sei, die nur über die Jahresfrist fortgesetzt worden war.

"Seine private Existenz riskiert"

Kartnigs Verteidiger Roland Kier stellte vor allem die Frage nach dem Motiv seines Mandanten. "Er ist zu Sturm gekommen, als der Verein schwer verschuldet war", so Kier. "Er hat sich in den Kopf gesetzt, es muss in der Steiermark einen Fußballmeister geben", für seinen sportlichen Fanatismus habe er sogar "seine private Existenz riskiert." Kier plädierte eindringlich für eine bedingte Strafe und führte neben der Unbescholtenheit seines Mandanten auch die lange Verfahrensdauer von bereits acht Jahren an.

Kartnig wurde wegen schweren Betrugs, grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie Steuerhinterziehung verurteilt. Er soll nicht nur Steuern hinterzogen haben, sondern auch bei den Schwarzeinnahmen und -zahlungen der Drahtzieher gewesen sein. Zur Steuerhinterziehung war er immer geständig, "aber ich habe keinen Betrug gemacht", hatte er immer wieder lautstark betont.

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