Patientenanwältin fordert Verkaufsverbot für Globuli

Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz
Die Wiener Patientenanwältin Sigrid PilzBild: picturedesk.com
Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz will eine klarere Abgrenzung des KAV von Komplementärmedizin wie Homöopathie.

Dafür, dass Homöopathie eine medizinische Wirkung hat, gibt es keinerlei wissenschaftliche Beweise. Trotzdem bietet das öffentliche Gesundheitssystem entsprechende Therapien an, wenn auch nicht auf Rezept. Das ist für die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz immer noch zuviel. Sie fordert im Gespräch mit dem "Standard" ein Verkaufsverbot für Globuli und ähnliche komplementärmedizinische Behandlungen, deren Wirkung nicht bewiesen ist.

Der Krankenanstaltenverband (KAV) verteidigt sich gegenbüer dem "Standard" damit, dass solche Behandlungen ergänzend auf Wunsch der Patienten angeboten werden. "Weil alternative Behandlungsformen bei meist komplexer Krankheitsstruktur zusätzlich das Wohlbefinden erhöhen können", heißt es.

Der Unwissenheit der Patienten nicht nachgeben

Doch Pilz fordert die Einstellung dieser Angebote. Der Unwissenheit der Patienten dürfe man nicht nachgeben, sagt sie. Ärzte müssten ihre Patienten darüber aufklären, dass diese Behandlungsmethoden keine nachgewiesene medizinische Wirkung haben. "Laut Krankenanstaltengesetz dürfen nur medizinisch anerkannte Verfahren angeboten werden – das ist bei Homöopathie definitiv nicht der Fall", sagt auch der niederösterreichische Patientenanwalt Gerald Bachinger.

Strengere Regeln seien genauso für niedergelassene Ärzte notwendig. Handlungsbedarf sieht Bachinger bei der Österreichischen Ärztekammer, die über ihre "Akademie der Ärzte" ein Diplom für Homöopathie anbietet: "Das ist problematisch", die Kammer solle nur Fortbildungen anbieten dürfen, deren Anwendung wissenschaftlich fundiert sei.

Wie begründet die Homöopathie ihre Wirksamkeit?

Der Arzt und netdoktor.at-Experte Ludwig Kaspar erklärt: "Früher hatte es geheißen, dass Homöopathie durch sogenannte 'Wasserbrücken' wirkt. Heute sagt man: Man weiß nicht, wie es wirkt, aber es wirkt." Er betont: "Es gibt keinerlei Hinweise, dass es über den Placebo-Effekt hinaus heilende Wirkungen durch Homöopathie gibt."

"In den Kugerln ist jedenfalls nichts drinnen"

Die Zuwendung, die ein Patient bei der Behandlung erfährt, kann Selbstheilungskräfte erzeugen. Aber: "In den Kugerln ist jedenfalls nichts drinnen", so Kaspar.

Australien macht es vor

In Australien etwa hat das Gesundheitsministerium die Kostenübernahme für Globuli bereits vor einem Jahr gestoppt. Eine von der Regierung in Auftrag gegebene Studie war zu dem Schluss gekommen, dass eine nachhaltige Wirkung nicht nachgewiesen werden könne.

Pilz wünscht sich in Apotheken ein gänzliches Verkaufsverbot für homöopathische Produkte. Denkbar ist für sie auch ein ergänzender Aufdruck, dass Globuli oder Bachblüten keine Medikamente seien und ihre Wirksamkeit nicht belegt sei.

(red)

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Maria Theresia von ÖsterreichPolitik

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