Ihre App soll Corona an der Stimme erkennen

Audeering-CEO Dagmar Schuller
Audeering-CEO Dagmar SchullerAudeering
Das Tech-Startup Audeering will die Telemedizin mit K.I. revolutionieren. Krankheiten wie Covid sollen anhand der Stimme erkannt werden.

Telemedizin, also Diagnose von Krankheiten und Behandlung von Patienten über Telekommunikation, scheint in Zeiten der Corona-Pandemie attraktiver denn je – schließlich könnten durch technische Hilfsmittel Kontakte zwischen medizinischem Personal und potenziell infektiösen Patienten vermieden werden. Das Startup der steirischen Wirtschaftsinformatikerin Dagmar Schuller will dazu einen wertvollen Beitrag leisten: Die App "Audeering" diagnostiziert verschiedenste Krankheiten anhand von Markern in der Stimme der Betroffenen. Eingesetzt wird dabei künstliche Intelligenz (K.I.): Algorithmen analysieren feine Unterschiede in der Stimme und erkennen die dahinterstehenden Muster.

Zum Einsatz kommen kann diese Technologie etwa bei der Diagnose von Corona-Erkrankungen. "Wir haben 2020 bei Covid-Infizierten viele Marker in der Sprachproduktion identifiziert, die sich von anderen Atemwegserkrankungen klar unterscheiden", sagt die Audeering-Geschäftsführerin zur "Kleinen Zeitung". Schuller gründete das Unternehmen "Audeering" – die Wortkreation ist eine Mischung aus Audio und Engineering – 2012 gemeinsam mit ihrem Mann und drei weiteren Gründungsmitgliedern. Heute hat Audeering 80 Mitarbeiter, neben dem Hauptsitz in Gilching bei München gibt es einen Ableger in Berlin, weil sich dort die Start-up-Szene tummelt.

Software erkennt Frust-Level

Die künstliche Intelligenz könne bei "Audeering" aus nur kurzen Gesprächspassagen 6.000 Parameter analysieren und dadurch zum Beispiel 50 Gefühlszustände erkennen. Ein daraus entwickeltes Produkt erkennt etwa in Callcentern das Frust-Level von Anrufern. "Mitarbeiter in Callcentern sind ja vielem ausgesetzt, man kann so die Anrufe intelligent routen und das Stresslevel senken", erklärt Schuller. Umgekehrt zeigte die Software dem Mitarbeiter, ob er tatsächlich freundlich oder doch eher unwirsch auf den Bittsteller reagiert.

Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut hat "Audeering" außerdem ein Lernprogramm für autistische Kinder entwickelt. „Die Kinder können damit ihre sozioemotionalen Fähigkeiten trainieren“, so Schuller. „Es ist auf Roboterplattformen installiert, mit denen können Autisten sehr gut interagieren.“

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