Innsbrucker Bürgermeister will schnellere Lockerungen

Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi (Grüne)
Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi (Grüne)picturedesk.com
Innsbruck war wie ganz Tirol vom Coronavirus besonders schwer betroffen. Bürgermeister Georg Willi fordert nun aber, dass die Lockerungen schneller gehen sollen.

Der grüne Bürgermeister von Innsbruck, Georg Willi, kritisierte im Interview mit der "Presse" die seiner Meinung nach zu langsamen Lockerungen der Einschränkungen und hält die vorgesehenen Regeln bei Kulturveranstaltungen für "weder praktikabel noch nachvollziehbar". Zudem schlug er vor, dass Urlaube ins Ausland ab sofort wieder erlaubt und gefördert werden.

Solange die Menschen die wichtigen Regeln, einen Meter Abstand zu anderen zu halten und auf Händehygiene zu achten, einhielten, sei es für das Virus so gut wie unmöglich, sich auszubreiten, meinte Willi. Er stellte auch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zumindest teilweise infrage. In geschlossenen Räumen habe dies zwar durchaus seine Sinnhaftigkeit, im Freien sei die Wirkung von Masken aber vernachlässigbar. „Sie zu tragen, ist sinnlos“, so das Urteil des Innsbrucker Bürgermeisters.

"(Anschobers) Sichtweise ist nicht die einzige, es gibt auch andere."

Er verstehe seinen Parteikollegen, Gesundheitsminister Rudi Anschober, durchaus. "Tendenziell vorsichtiger zu sein und auf Nummer sicher zu gehen, ist sein Recht und seine Pflicht. Aber seine Sichtweise ist nicht die einzige, es gibt auch andere", so Willi. Die Bevölkerung wünsche sich, "dass die Lockerungen schneller vonstattengehen", ist er überzeugt.

Verständnis für Verantwortliche von Ischgl

In der viel kritisierten Causa Ischgl räumte der Innsbrucker Bürgermeister den Verantwortlichen ein, jedenfalls versucht zu haben, das Richtige zu tun. "In Ischgl haben die Verantwortlichen mit dem damaligen Wissen versucht, die Ausbreitung einzufangen. Das ist nicht gelungen. Zu den verhängnisvollen Ereignissen kam es auch, weil Mitte März ein Urlauberschichtwechsel bevorstand", erklärte Willi.

Es seien aber auch Fehler gemacht worden, die nicht unter den Teppich gekehrt werden dürfen. Après-Ski-Bars, wie es sie bisher gab, wird es laut dem Stadtchef in Zukunft nicht mehr geben, in einer neuen, kultivierteren Form aber wahrscheinlich schon. "Es spricht nichts dagegen, sich nach einem Skitag mit Freunden zusammenzusetzen und ein Bier zu trinken", sagte Willi.

Misstrauensantrag gegen ÖVP-Gesundheitslandesrat

Soviel Verständnis hat die Opposition in Tirol wiederum nicht. Am Montag haben die Oppositionsparteien FPÖ, Liste Fritz und NEOS den Rücktritt von Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) gefordert. Man wolle mit dem Misstrauensantrag "einen völlig überforderten Landesrat" von seinen Aufgaben befreien, hieß es bei einer gemeinsamen Videopressekonferenz.

Die Situation rund um das Coronavirus in Tirol habe das Fass, das bereits seit einem Jahr voll sei, nun zum Überlaufen gebracht, sagte Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider. Bereits die im Jahr 2019 angekündigte Spitalsreform und der "Gehaltsmurks" beim Pflegepersonal im selben Jahr hätten die Schwächen des Landesrats aufgezeigt.

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