Blunt: 'Sobald jemand stirbt, schreib' ich darüber'

James Blunt ist auf seinem neuen Album "Once Upon A Mind" so persönlich wie nie zuvor. Inspiriert hat ihn dabei seine Familie.

"Once Upon A Mind" heißt das am Freitag erscheinende, mittlerweile sechste Studioalbum des 45-jährigen Sängers. Darauf thematisiert er sehr persönliche Themen wie die Beziehung zu seinem todkranken Vater oder die lange, tourbedingte Trennung von seiner Familie. Wie er die Arbeit am neuen Material erlebt hat, wie er Songs schreibt und was seine Fans von der Tour im nächsten Frühjahr erwarten können hat der Weltstar im Gespräch mit "Heute" erzählt.

Heute: Warum sollten sich die Fans deiner Meinung nach das neue Album anhören?

James Blunt: Weil es großartig ist!

Heute: Können Sie uns ein bisschen was über die Platte erzählen?

James Blunt: Natürlich. Mit dem sechsten Album hab ich jetzt ein neues Level erreicht. Man sucht immer nach Inspiration. Bei meinem letzten Album fehlte mir irgendwie die emotionale Inspiration, deswegen ließ ich mich von Musik inspirieren. Da hatte ich viel Spaß beim Schreiben mit Musikern wie Ed Sheeran und Robin Schulz. Beim neuen Album ist mit mir allerdings etwas ganz anderes passiert, dass es zu einer sehr intensiven Erfahrung gemacht hat. Meinem Vater geht es nicht sehr gut (Anm.: er braucht dringend eine Spenderniere) und ich habe jetzt auch eine eigene Familie, was als Musiker eine neue Erfahrung ist. Ich habe also den Kreislauf des Lebens direkt vor Augen und das bildet natürlich einen großen Fokus beim Songwriting. Ich war auch für 18 Monate am Stück auf großer Tournee, hab meine Liebsten in dieser Zeit zurückgelassen. Wenn man dann in solchen Momenten realisiert, dass man nur limitierte Zeit mit ihnen verbringen kann, wird einem auch klar, dass man für sie Songs schreiben muss. Deswegen bin ich froh, einige sehr persönliche Songs auf dem Album zu haben. Mein Vater und ich waren beide bei der Armee, sind deswegen mit dem Ausdrücken von Emotionen in normalen Gesprächen recht reserviert. In den Songs habe ich dann die Möglichkeit, Dinge zu sagen, die ich sonst nicht sagen könnte. Auch für meine Familie habe ich auf dem neuen Album Songs, die ich mit der selben Intensität geschrieben habe.

Also ja, ich bringe ein Album heraus, aber es ist diesmal nicht für die Öffentlichkeit, sondern für die Leute, die für mich Zuhause bedeuten und die ich verlassen muss. Die Ironie dabei ist, dass sich die Öffentlichkeit in das Album hineinversetzen kann. Man kann in meinen Geschichten auch das eigene Leben wiederfinden. Wir erleben alle die gleichen Dinge im Kreislauf des Lebens.

Heute: Würden Sie sagen, das "Once Upon A Mind" Ihr bislang persönlichstes ist?

James Blunt: Auf jeden Fall das, auf dem ich mich am meisten öffne. Mein erstes Album kann man am ehesten damit vergleichen. Weil ich das geschrieben habe, als ich noch kein berühmter Musiker sondern einfach nur irgendein Typ war, der Musik gemacht hat. Als dann "You're Beautiful" explodiert ist und "Back To Bedlam" Millionen von Exemplaren verkauft hat, schrieb ich Songs und hatte dabei immer die Öffentlichkeit im Kopf. Ich war voll im Musikbusiness. Jetzt, mit dem neuen Album, bin ich nicht mehr im Musikbusiness. Ich bin wieder nur ein Musiker. Ich mache wieder Musik, anstatt über Musik nachzudenken.

Heute: Wie schreiben Sie Ihre Songs? Zuerst den Text, dann die Melodie? Oder umgekehrt?

James Blunt: Das ist schwer zu beantworten. Es gibt keine Zauberformel dafür und auch keine festgelegten Regeln. Wenn man über Musik nachdenkt, könnte man sagen, dass ich ein paar Akkorde spiele, dann suche ich eine Melodie und dann schreibe ich den Text dazu. Die wahre Antwort lautet aber, dass ich einfach darauf warte, dass jemand stirbt und dann schreibe ich darüber welche Gefühle das in mir erzeugt. Darum geht es beim Songwriting. Sobald du etwas fühlst, drückst du es durch die Musik aus.

Heute: Im Video zur ersten Single "Cold" tauchen Sie halbnackt aus dem Meer auf. Es wirkt irgendwie wie eine Wiederaufderstehung, nachdem Sie am Ende des "You're Beautiful"-Videos genau dort vor 15 Jahren hineingesprungen sind.

James Blunt: Ich warf mich in "You're Beautiful" von den Klippen und der Song und das Album explodierten daraufhin. In den darauf folgenden Songs hielt ich mich mit persönlichen Dingen zurück, ich schrieb für ein Publikum, in der Hoffnung, dass ihnen die neuen Titel gefallen würden. Im Wissen, dass jedes Wort auf die Waagschale gelegt werden würde, hielt ich einen großen Teil von mir zurück. Das war aber nicht mehr der Grund, warum ich mit der Musik begonnen habe. Je mehr ich mich selber zurücknahm, desto geringer fühlte sich die Belohnung an, die ich aus meiner Musik zurückbekam. Jetzt warf ich mich wieder komplett in die Musik, ohne Rücksicht darauf, mich vollständig bloß zustellen. Ohne Filter, risikofreudig. Leuten meine Meinung und meine Gefühle direkt ins Gesicht zu singen. Ich war die letzten Jahre irgendwie auf See verschollen, und mit "Once Upon A Mind" hab ich zurückgefunden. Ich trug im Video zu "Cold" sogar die selbe Kleidung wie im "You're Beautiful"-Video. Sie war für fast 15 Jahre in einem Kasten.

Heute: Im Frühjahr 2020 gehen Sie mit dem neuen Material auf große Tournee. Was können die Fans da erwarten?

James Blunt: Es wird wirklich aufregend und großartig. Ich kann wirklich sagen, dass etwas großartig wird, wenn mein Tontechniker, der einer der zynischsten Menschen ist, die ich kenne, anfängt, komplett aufgeregt zu sein. Die Lieder bedeuten alle etwas, hinter jedem steckt ein Grund. Sie füllen nicht nur dreieinhalb Minuten, sondern es gibt eine echte Botschaft darin.

Heute: Wird es irgendwelche Showelemente geben, oder liegt der Fokus alleine auf der Musik?

James Blunt: Natürlich, wir haben Clowns und Hühner auf der Bühne. Und dann brennen wir die ganze Bühne nieder. Ernsthaft, der Fokus liegt ganz auf der Musik.

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