Jeder zweite Unternehmer mit Regierung unzufrieden

Immer mehr Unternehmer fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen.
Immer mehr Unternehmer fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen.
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Durchwachsenes Zeugnis für die türkis-grüne Bundesregierung: Krisenmanagement "sehr gut", Neustart "nicht genügend".

Österreich wird noch länger mit den Folgen der globalen Corona-Pandemie zu kämpfen haben. Doch wo steht der Wirtschaftsstandort bei der Krisenbewältigung nach Meinung der heimischen Unternehmer? Mehr als die Hälfte fühlt sich aktuell vom Staat nicht gut unterstützt.

Bestnoten für Lockdown, durchwachsener Neustart

Laut einer Umfrage unter 211 Top-Führungskräften zeigten sich fast zwei Drittel grundsätzlich zuversichtlich, dass der Standort Österreich die Krise rasch und gut meistern wird. "Dieser Optimismus ist entscheidend: Denn nur zuversichtliche Unternehmen werden Investitionen tätigen und Geschäftsideen verwirklichen, die den Standort wirtschaftlich wieder nach vorne bringen", analysiert Bernhard Gröhs vom Beratungsunternehmen Deloitte Österreich.

Auch die Beurteilung des Krisenmanagements am Standort Österreich ist tendenziell positiv – vor allem zu Beginn des Covid-19-Ausbruchs. 92 Prozent benoten die raschen politischen Entscheidungen rund um den Lockdown mit "Sehr gut" bis "Gut". Die Qualität des Gesundheitssystems wird von 94 Prozent gelobt.

Von Regierung im Stich gelassen

An rascher finanzieller und administrativer Unterstützung für Betriebe mangelte es laut den Umfrageteilnehmern teilweise bereits zu Beginn. Diese Unzufriedenheit hat in der Re-Start-Phase weiter zugenommen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen fühlt sich aktuell vom Staat noch nicht gut unterstützt.

Generell wird das Hochfahren der Wirtschaft ab Mai 2020 von den Führungskräften differenzierter gesehen: Die raschen politischen Entscheidungen werden nur mehr von 62 Prozent mit "Sehr gut" oder "Gut" bewertet, die Akzeptanz in der Bevölkerung ist in dieser Phase nach Einschätzung der Befragten von 94 Prozent auf 53 Prozent gesunken.

Maßnahmen zur Ankurbelung des geschwächten Standortes

Zur Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit braucht es eine Analyse der Vor- und Nachteile des Wirtschaftsstandortes. Mit der Unternehmensbesteuerung sind lediglich 24 Prozent zufrieden, bei der Digitalisierung des Bildungssystems fällt die Benotung nur bei 6 Prozent "Sehr gut" bis "Gut" aus.

"Bei aller Kritik haben die Befragten auch klare Vorteile Österreichs hervorgehoben – allen voran die rege Forschungs- und Entwicklungstätigkeit, die starke Infrastruktur, das stabile Umfeld sowie die hohe Lebensqualität", so Barbara Edelmann, Partnerin bei Deloitte Österreich. "Auf diese bekannten Stärken müssen wir setzen – aber es braucht auch ein Anpacken bei jahrelangen Baustellen."

Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit

Die Führungskräfte haben klare Vorstellungen, welche Maßnahmen das Hochfahren der Wirtschaft jetzt am besten unterstützen können. So sehen 90 Prozent die Senkung der Lohnnebenkosten als zentralen Hebel. Auch die Digitalisierung der Verwaltung (86 Prozent) und des Schulsystems (82 Prozent) stehen ganz oben auf der Prioritätenliste.

Eine weitere Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und hier vor allem die Mobilität der Arbeitskräfte ist für 84 Prozent ein wichtiges Thema. Viele sehen außerdem ein Zeitfenster für Investitionsförderungen via Investitionsfreibetrag (80 %) sowie spezielle Förderungen von Umwelttechnologien (78 Prozent).

Alle Ergebnisse der Deloitte Studie findest du auch HIER.

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