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Interner AMS-Bericht lässt Wogen hochgehen

Heute Redaktion
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Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS) am 21.10.2015 in Wien. Archivbild
Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS) am 21.10.2015 in Wien. Archivbild
Bild: picturedesk.com

Sprache und Kultur mache Job suchende Muslime oft schwer vermittelbar. Tschetschenen würden wegen ihrer Gewaltbereitschaft von den AMS-Mitarbeitern gefürchtet.

Ein interner Revisionsbericht des Arbeitsmarktservices (AMS) über die Vermittlung Arbeitsloser mit nicht-deutscher Muttersprache sorgt derzeit für Wirbel. Darin werden etwa Probleme mit Religion und Kultur hervorgehoben. Besonders Tschetschenen etwa seien demnach überdurchschnittlich oft gewaltbereit. AMS-Vorstand Johannes Kopf spricht von nicht-repräsentativen Einzeldarstellungen und möglichen Vorurteilen der befragten Mitarbeiter.

Das knapp 50-seitige Dossier stammt aus dem Jahr 2017 und wurde in Geschäftsstellen in Oberösterreich, Salzburg, Vorarlberg und Wien durchgeführt. Es hätte eigentlich nie an die Öffentlichkeit gelangen sollte, wurde aber der "Presse"-Redaktion zugespielt. Dabei sollte untersucht werden, ob Migranten beim AMS schlechter betreut werden als Inländer und ob sie etwa von den arbeitgebenden Unternehmen diskriminiert werden. Dem ist offenbar nicht so: Es gebe keine Hinweise darauf, dass Menschen mit Migrationshintergrund "schlechter oder weniger intensiv betreut werden", zitiert die "Presse" daraus.

Nur 6 Prozent der AMS-Kunden sind Flüchtlinge

Knapp 90 Prozent aller Arbeitssuchenden mit Migrationshintergrund sind demnach selbst erst nach Österreich zugewandert, nur ein kleiner Teil gehöre zur zweiten Generation. Die meisten davon seien Türken, heißt es weiter. Knapp 42 Prozent aller Jobsuchenden stammen im Österreichschnitt demnach aus dem Ausland, in Wien ist der Anteil mit etwa 61 Prozent viel höher. Dabei handelt es sich aber in den meisten Fällen nicht um Flüchtlinge. Diese würden nur knapp 6 Prozent der AMS-Kunden ausmachen.

Trotzdem sei eine Vermittlung wegen mangelnder Deutschkenntnisse der meisten Migranten schwierig. Es gebe zu wenige Plätze in den Sprachkursen, bekritteln die Landesgeschäftsstellen, wodurch lange Wartezeiten, bis zu drei Monaten, entstehen würden. Ein Faktum, das von den Revisoren als "sehr kritisch" eingestuft wird, besonders im Hinblick auf "Langeweile und mögliche Anfälligkeit für nicht gewünschte Aktivitäten".

Probleme bei Vermittlung von Service-Berufen

Problematisch gestalten sich auch die Angaben der befragten AMS-Führungskräfte, wonach "Auffälligkeiten nach Nationalitäten" zu beobachten seien. Demnach wären besonders Tschetschenen überdurchschnittlich oft gewaltbereit und würden etwa auch ihre Berater bedrohen – AMS-Mitarbeiter würden sich deshalb davor fürchten ihnen Job- und Kursvorschläge zu machen. Zudem könne man Tschetschenen, Afghanen und Syrer zudem nicht in soziale Berufe oder etwa der Gastronomie vermitteln, "weil der Servicegedanke abgelehnt wird".

In dem Revisionsbericht werden vor allem Muslimen Integrationsprobleme bescheinigt. Frauen würden etwa von ihren Männern und Vätern bevormundet, soziale Berufe würden oft ausscheiden, weil Musliminnen nicht in Kontakt mit anderen Männern kommen dürften. Auch das Sprachproblem sei hier auch bei Jugendlichen der zweiten Generation besonders ausgeprägt, weil zu Hause kein Deutsch gesprochen werde.

Dass diese Unterschiede von den befragten Mitarbeitern "übereinstimmend" wahrgenommen worden seien, stößt der AMS-Spitze allerdings sauer auf. Die hauseigenen Berate könnten offenbar nicht "zwischen Wahrnehmung und Vorurteil" unterscheiden. Man empfehle daher "Schulungen zum interkulturellen Verständnis", heißt es in einem Statement, das dem Revisionsbericht angefügt ist.

AMS-Vorstand verärgert über Berichterstattung

Die gesammelten Aussagen seinen nicht repräsentativ, konterte auch AMS-Vorstand Johannes Kopf. Die "Presse"-Berichterstattung verschweige, dass "die Revision ausdrücklich darauf hin weist, dass der Revisionsbericht keinerlei Angaben über die Häufigkeit der beschrieben Wahrnehmungen enthält", führt Kopf in einer Stellungnahme auf Facebook aus. Dadurch werde der Bericht "unvollständig und zur Fehlinterpretationen verleitend darstellt".

"Ich ärgere mich, dass der interne Revisionsbericht des Arbeitsmarktservice den Medien zugespielt wurde", klagt Kopf im "Ö1 Mittagsjournal" am heutigen Dienstag und verteidigt den Inhalt des Dossiers. Die vorgeschlagenen Maßnahmen seien zum Teil schon umgesetzt worden und nennt als Beispiel, dass man nicht mehr akzeptiere, wenn Kunden sich weigern würden, von Frauen beraten zu werden. Im schlimmsten Fall drohe uneinsichtigen Arbeitssuchen eine Sperre und man werde sie abmelden. "Ganz simpel", so Kopf.

Generell sei die Lösung solcher kulturellen Probleme schwierig, erklärt er weiter und nennt ein Beispiel: Eine Anfrage, ob Kundinnen mit Vollverschleierung beraten werden müssen, sei offenbar in den Ministerien verendet, klagt der AMS-Vorstand. Nachdem sich der Verfassungsdienst und Innenministerium nicht für zuständig erklärt hätten, sei die Anfrage vom September nun beim Sozialministerium anhängig. "Wir glauben, nach eigener rechtlichen Prüfung, dass wir die Person wegschicken dürfen. Und so handhaben wir das jetzt auch."

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