Jugend will mehr Grün und Raben gegen Tschick

Die erste Kinder- und Jugendstrategie Österreichs geht in die Zielgerade. Basis sind 1.300 Workshops, die im Frühjahr im Rahmen der "Werkstadt Junges Wien" abgehalten wurden. Jugendstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) war etwa in der Leopoldschule (Leopoldstadt) dabei.
Die erste Kinder- und Jugendstrategie Österreichs geht in die Zielgerade. Basis sind 1.300 Workshops, die im Frühjahr im Rahmen der "Werkstadt Junges Wien" abgehalten wurden. Jugendstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) war etwa in der Leopoldschule (Leopoldstadt) dabei.Bild: (c) PID/Martin Votava
Im Rahmen der Werkstadt Junges Wien machten tausende Kinder und Jugendliche Vorschläge, wie Wien besser geht. Nun werden diese in Wiens 1. Kinder- und Jugendstrategie gebündelt.
Im Frühjahr waren Wiens Kinder und Jugendliche aufgerufen, im Rahmen der "Werkstadt Junges Wien" Vorschläge zu machen, wie die Stadt besser werden kann. Über 22.500 Kinder und Jugendliche haben mit gemacht und beschrieben, wie die Stadt aussehen soll, in der sie aufwachsen wollen. Nun werden diese Ideen und Vorschläge in Wiens erste Kinder- und Jugendstrategie überführt. Umgesetzt könnten die ersten Maßnahmen schon im kommenden Frühjahr werden, erklärte Jugendstadtrat Jürgen Czernohorszky am Montagabend vor Journalisten.

Werkstadt als österreichweit größtes Jugendbeteiligungsprojekt

Im Rahmen der "Werkstadt Junges Wien" wurden von Februar bis April über 1.300 Workshops durchgeführt. Das ursprüngliche Ziel der Stadt von 10.000 Teilnehmern wurde weit übertroffen, tatsächlich machten dann 22.581 Kinder und Jugendliche in sechs Alterskategorien mit. Stattgefunden haben die Workshops etwa in Schulen, Kindergärten, Institutionen außerschulischer Jugendarbeit oder Einrichtungen der Kinder- und Jugendwohlfahrt, kurz überall dort, wo mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet wird.

Für Czernohorszky ist das große Interesse der Wiener Jugend ein klares Zeichen, dass die Kinder und Jugendliche ihr Recht auf Einbeziehung und Mitsprache ernst nehmen und einfordern.

CommentCreated with Sketch.6 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Roboter gegen Hundekot und Raben gegen Tschick

Beeindruckt zeigte sich Czernohorszky, dass die Wiener Jugend ein sehr genaues Bild von aktuellen Problemen und realistischen Lösungen hat. Daneben gab es aber auch Vorschläge, die zwar einen gewissen Reiz haben, aber nicht umsetzbar sind. Etwa Roboter für die Entfernung von Hundekot. Ein eingebautes DNA-Analysegerät soll automatisch den Hundebesitzer ausfindig machen und die Strafe für Verschmutzung der Straße zustellen. Oder die Abrichtung von Raben, die weggeworfene Zigarettenstummel einsammeln sollen.

Die klare Mehrheit der Vorschläge klingen aber durchaus umsetzbar. Etwa die Forderung nach tiefgesetzten Mistkübeln, damit sie auch für Kinder erreichbar sind oder längere Grünphasen für Fußgänger.

1.300 Einsendungen wurden zu neun Großthemen

Die Ergebnisse der 1.309 abgehaltenen Workshops wurden an das Wiener Landesjugendreferat gesandt. Hier wurden die Ideen zunächst zu 45 Themenfeldern zusammengefasst, die schließlich zu neun Großthemenfeldern verdichtet wurden. Die am Abstand dringlichsten vier Themen sind aus Sicht der Kinder und Jugendlichen "Natur und Umwelt", "Chancen und Zukunft", "Freizeit und Kultur" sowie "Mobilität und Verkehr". Danach folgen "Gesundheit und Wohlbefinden", "Sicherheit und Geborgenheit", "Gemeinschaft und Miteinander", "Raum und Platz" sowie "Mitsprache und Meinung".

Wiens Jugend für mehr Grün, mehr Radwege und weniger Autos

In den "Werkstadt"-Workshops vergaben die Kinder und Jugendlichen Medaillen für alles, was aus ihrer Sicht in Wien gut ist und Reparaturhinweise für alles, was sie ändern möchten. Am besten bewertet wurde dabei das Freizeitangebot in Wien. Den höchsten Änderungsbedarf sehen die Kids im Bereich Umweltschutz: Besonders häufig wurde der Wunsch nach weniger Plastik, dem Ausbau der Öffis, mehr Rad- und weniger Autoverkehr und mehr Grün in der Stadt geäußert. Ein Kind forderte eine Blumenpflicht für alle Fenster, um Bienen und Hummeln zu retten.



(Quelle: Youtube)

Großthemen werden zu Basis für künftige Stadtpolitik

Für alle neun Großthemenfelder wurden von einem Fachbeirat in Zusammenarbeit mit einem ausgelosten Kinder- und Jugendbeirat Ziele für die Kinder- und Jugendstrategie formuliert. Für das Thema "Chancen und Zukunft" lautet dieses etwa: "Alle Kinder und Jugendlichen in Wien können ihre Interessen, Ideen und Talente entfalten. Sie werden im Kindergarten und der Schule respektvoll gefördert, können eine Ausbildung machen und eine für sie passende Arbeit finden. Sie und ihre Familien werden unterstützt, wenn das nötig ist und sie haben einen guten Platz zum Wohnen. Armut von Kindern und Jugendlichen wird aktiv bekämpft".

Nun arbeitet die Stadt an der Ableitung konkreter Maßnahmen. Dabei werden auch Vorschläge der Dienststellen der Stadt Wien, wie eine kinder- und jugendfreundlichere Stadt geschaffen werden kann, einbezogen. Bisher sind das laut Czernohorszky rund 450 Maßnahmen.

Die Entstehung der 1. Kinder- und Jugendstrategie, die im Frühjahr 2020 im Gemeinderat beschlossen werden soll, erfolgt nicht nur unter Einbeziehung von Kinder und Jugendlichen, sondern auch unter deren "Aufsicht".

Kinder- und Jugendkonferenz am 20. November

"Wir lassen uns bei der Erstellung der Strategie von den Kindern und Jugendlichen auf die Finger schauen", erklärt Czernohorszky. Stattfinden wir das am 20. November bei der Kinder- und Jugendkonferenz im Wiener Rathaus. "Der Termin ist nicht zufällig gefällt: An dem Tag wird die UN-Kinderrechtskonvention, die weltweit von allen Staaten, mit Ausnahme der USA, ratifiziert wurde, 30 Jahre alt", so der Stadtrat.

"Die rund 360.000 Kinder und Jugendlichen in Wien vor den Vorhang zu holen und sie aktiv in die Gestaltung der Stadt miteinzubeziehen, ist mir ein echtes Herzensanliegen. Wir drehen hier den Spieß der Politik um und machen die Jugend zu unserem Auftraggeber. Da ist es nur natürlich, dass sie bei jedem Schritt zur Kinder- und Jugendstrategie mit dabei sind", unterstreicht Czernohorszky.

Auch nach der Beschlussfassung im Gemeinderat wird die Kinder- und Jugendstrategie, die zunächst fünf Jahre gültig sein wird, von den Kindern und Jugendlichen sowie einem Fachbeirat begleitet. Ein eigenes Budget ist dafür nicht vorgesehen, stattdessen soll der Fokus auf Kinder- und Jugendanliegen schon in die Planungsprozesse einbezogen werden.

Mehr Infos zur "Werkstadt Junges Wien" findest Du online hier.

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