Es brennt eine Fläche von 115.000 Fußballfeldern

In Kalifornien wüten die größten Brände in der Geschichte des US-Bundesstaates. Betroffen ist bereits jetzt ein riesiges Gebiet.
Daryl Osby hat alle Hände voll zu tun. Der Leiter der Feuerwehr von Los Angeles muss den Kampf gegen die Brände leiten, die seit Donnerstag im Norden und seit Samstag auch im Süden des US-Bundesstaates Kalifornien wüten. Zum anderen ist er bei den Medien ein gefragter Mann.

Am Sonntag beantwortete er gemeinsam mit Experten die dringendsten Fragen der Journalisten. Die anhaltenden Brände seien in seinen Augen "die größte Herausforderung, die seine Leute je meistern mussten", sagte er. Und, ja, die Brände sehe er "in direktem Zusammenhang mit der Klimaerwärmung – ohne Zweifel".

Kann man wirklich von einer Jahrhundertkatastrophe sprechen?

Ja. Gemessen am Rekordjahr 2018 ist bereits jetzt mehr als die doppelte Fläche abgebrannt. Und die Feuer sind noch nicht kontrollierbar.

Welche Fläche ist betroffen?

Zurzeit sind drei Brände aktiv: Woolsey mit 85.500 Acres (rund 346 Quadratkilometer), Camp mit 111.000 Acres (rund 450 Quadratkilometer) und Hill mit 4500 Acres (rund 18 Quadratkilometer). Insgesamt sind also bisher 814 Quadratkilometer den Flammen zum Opfer gefallen, das entspricht rund 115.000 Fußballfeldern.

CommentCreated with Sketch.2 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Wie kam es zu den Bränden?

In Kalifornien hatte es einen Monat lang keinen Regen gegeben. Dazu kamen starke Winde. Entscheidend sind ironischerweise auch die Präventionsmaßnahmen der letzten Jahre: 98 Prozent aller Brände wurden gestoppt. Durch die ausbleibenden kleinen Feuer finden Riesenbrände mehr Unterholz, auch fehlen nun die natürlichen Schneisen, die ein weiteres Ausbreiten verhindern könnten. Auch der Mensch ist nicht ganz unschuldig: In knapp 40 Jahren hat sich die Bevölkerung Kaliforniens von 24 Millionen auf 40 Millionen fast verdoppelt. Damit steigt auch das Risiko von von Menschenhand ausgelösten Bränden.

Sind die Brände im jetzigen Zustand eindämmbar?

Zurzeit fehlt es überall an Ressourcen und Manpower. Normalerweise würde die Feuerwehr aus dem Norden im Süden aushelfen und umgekehrt, so Daryl Osby, der Leiter der Feuerwehr von Los Angeles. Aber jetzt brennt es an beiden Orten gleichzeitig. Nun warte man auf Verstärkung aus Arizona, Utah, Nevada und Washington.

Was machen die Helfer momentan?

Menschen retten, Brände eindämmen und Feuer bekämpfen – das seien die drei Strategien, die man normalerweise gleichzeitig betreibe, so Osby. Zurzeit müsse man Prioritäten setzen und weitere Todesopfer vermeiden. Die Zahl der Toten beläuft sich derzeit auf 31.

Wie ist die Wetterprognose?

Die Lage bleibt in Südkalifornien bis Mittwoch kritisch. Laut dem Wetterdienst AccuWeather heizen die heftigen Santa-Ana-Winde mit bis zu 96 Kilometern pro Stunde die Waldbrände an. Bei anhaltender Trockenheit und Wärme sei eine baldige Entspannung der Lage nicht in Sicht.

In Kalifornien sind Brände keine Seltenheit. Wieso ist man nicht besser vorbereitet?

In Kalifornien brennt es seit Jahrzehnten jährlich. Was sich in den letzten paar Jahren aber verändert hat, sind die Kosten für die Brandbekämpfung, denn die ausgetrockneten Landschaften verursachen intensivere und zerstörerischere Brände. Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown spricht im Zusammenhang mit den "Megafeuern" von einer "neuen Normalität".

Findet man in Kalifornien überhaupt noch eine Versicherung, die einem das Haus deckt?

Wahrscheinlich wird es die weiterhin geben, aber eine kürzlich durchgeführte Untersuchung der Agentur für Naturressourcen in Kalifornien zeigt, dass die Prämien für Hausratversicherungen in den brandgefährdetsten Gebieten der USA im Vergleich zu den weniger feuergefährdeten Gebieten gestiegen sind. Dies führte unter anderem dazu, dass viele Hausbesitzer ihre Policen mit höheren Selbstbehalten wählten.

Ist Kalifornien in 30 Jahren unbewohnbar?

Der Wetterforscher Jeff Beradelli zeichnet gegenüber "CBS News" ein düsteres Szenario. Er spricht davon, dass sich die "fire season" fast auf das gesamte Jahr ausdehnen könnte – die Folgen wären prekär. (mat/kle)

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