Kinder sind laut Forschern der größte Klima-Killer

Forscher äußern in einer Studie provokative Vorschläge zur Eindämmung des Klimawandels.
Wer als Frau über 30 die Meinung vertritt, ein Leben ohne Kinder sei erstrebenswert, begibt sich nach wie vor auf dünnes Eis. Denn nicht überall stößt diese Idee auf Anklang. Ist es Egoismus?

Ein Kollege in der "Heute"-Redaktion, der selbst mit seiner Partnerin glücklich kinderlos lebt, brachte ein anderes Argument: "Ich habe kein Kind. Ich kann so oft fliegen wie ich möchte. Meine Klimabilanz ist großartig."

So abwegig es klingt: Er hat Recht. Tatsächlich wurde dieses Thema bereits 2017 erforscht. Lebensstil ändern, mehr mit dem Rad fahren, weniger Plastik verbrauchen, bewusster konsumieren – diese Maßnahmen werden oft empfohlen, um das Klima zu schonen.

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Die Forscher Kimberly A. Nicholas und Seth Wynes empfehlen in einem Artikel im Fachblatt "Environmental Research Letters" gar neben dem Verzicht auf das Auto, dem Meiden von Flugreisen und vegetarischer Ernährung, "ein Kind weniger" in die Welt zu setzen.

Ein Grund, warum dies nicht in seiner großen Dimension thematisiert wird, sondern immer nur am Rande erwähnt wird, ist, dass (die meisten) Regierungen nicht darüber entscheiden, wie viele Kinder man haben darf. Es ist jedem selbst überlassen, wie er sich vermehrt. Der Benefit der Kinderlosigkeit ist jedoch offensichtlich.



So viel CO wird eingespart

Die Forscher beziffern das auch: Demnach spart eine amerikanische Familie, die ein Kind weniger bekommt, pro Jahr 58,6 Tonnen CO2. Das sind genauso viele Emissionen wie 684 Teenager, die für den Rest ihres Lebens recyceln. An dieser Stelle muss allerdings festgehalten werden, dass der durchschnittliche US-Bürger pro Jahr 16,4 Tonnen CO2-Ausstoß verantwortet, bei EU-Bürgern sind es laut der Studie hingegen 6,7 Tonnen. Zum Vergleich: Autofrei leben macht jährlich 2,4 Tonnen CO2 weniger.

In der Berechnung schließen die Forscher übrigens nicht nur Emissionen des Kindes selbst, sondern auch die von dessen Nachfahren ein. Dadurch ergibt sich der hohe Betrag. "Uns ist klar, dass es sich um eine zutiefst persönliche Entscheidung handelt", merkt Studienautorin Kimberly Nicholas an.

Kritiker dieser Sichtweise führen ins Feld, dass ein Verweis auf die Überbevölkerung als Ursache für den Klimawandel eine Ausrede sein kann, sich nur mit diesem Problem zu beschäftigen, statt auch andere Maßnahmen zu ergreifen. In Österreich liegt die Geburtenrate laut Daten der Statistik Austria von 2018 im Durchschnitt bei 1,48 Kindern pro Frau.

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