Krankheiten wie Corona "werden mehr werden"

Virologe Nowotny im "Heute"-Interview über "Zoonosen" (wie das Coronavirus, Ebola oder SARS), andere Tierseuchen und Lebendtiermärkte.

Dr. Prof. Norbert Nowotny vom Virologie-Institut der Vetmeduni Vienna, ist Spezialist für Zoonosen, zu denen auch das Coronavirus zählt. +++ Ursprünglich von Wildtieren auf den Menschen übertragen +++, verbreitet sich das Virus derzeit rasant auf der ganzen Welt von Mensch zu Mensch aus (Pandemie).

"Heute" hat den Virologen Norbert Nowotny gefragt, was Lebendtiermärkte mit dem Coronavirus zu tun haben, ob wir in Zukunft öfter mit Zoonosen rechnen müssen und was sie von (anderen) Tierseuchen unterscheidet.

+++ Wie geht es mit Corona in Österreich weiter? Eine Prognose von Norbert Nowotny. +++

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Warum ist das Coronavirus eine Zoonose?

Es war ursprünglich eine Zoonose, heißt, ein für Menschen neues Virus, das von Tieren kam. Fledermäuse sind Träger vieler verschiedener Coronaviren und wahrscheinlich haben Fledermäuse z.B.: über ihren Kot andere Tiere infiziert. Fledermäuse beherbergen Viren, erkranken daran nicht, scheiden sie aber über den Kot aus.

Wahrscheinlich war der Übersprung vom Tierreich auf den Menschen nur einmal und seither breitet sich die Infektion sehr massiv innerhalb der menschlichen Population aus. Die Übertragung von Mensch zu Mensch funktioniert sehr leider gut. Das Virus ist sehr infektiös für andere Menschen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Zoonose und einer Tierseuche?

Eine Tierseuche verbreiten sich nur innerhalb von Tieren. Eine Zoonose kann auch eine Tierseuche sein, die aber auch auf den Menschen überspringen kann. Es geht in seltenen Fällen auch umgekehrt, also das eine Infektionskrankheit von Menschen auf Tiere übergeht.

Nehmen wir zum Beispiel das menschliche Fieberblasenvirus (Herpes). Herpes ist extrem gefährlich für Kaninchen. Ist ein Kind infiziert, kann das bei Kaninchen zu einer Entzündung des Gehirns führen.

Was hat das Coronavirus mit Lebendtiermärkten zu tun?

Manche exotischen Tiere gelten in China als Delikatesse und werden auf Lebendtiermärkten verkauft. Einen Lebendtiermarkt muss man sich so vorstellen: Es werden viele verschiedene Tierarten dort angeboten, zum Teil nur das Fleisch zum Teil auch lebende Tiere. Auch viele Wildtierarten.

Menschen, die einkaufen gehen, schauen sich die Tiere nahe an, tasten sie ab, greifen sie an, sind in ihrer Nähe. Und wenn ein solches Tiere (es sind viele Tierarten auf engstem Raum) infiziert ist, kann es natürlich sein, dass es andere Tiere infiziert, aber auch, dass die Infektion auf Menschen übergeht.

Es ist ja schon einmal ein Virus von einem chinesischen Lebendtiermarkt ausgegangen, im Jahr 2002/2003, das dem heutigen Coronavirus nahe verwandte SARS-Coronavirus. Es bleibt sehr stark zu hoffen, dass jetzt, nachdem das ein zweites Mal passiert ist, Lebendtiermärkte für immer schließen.

Werden wir es in Zukunft öfter mit Zoonosen zu tun haben?

Ja, Zoonosen werden mehr werden. Hauptgrund dafür ist der menschliche Eingriff in die Natur. Nehmen wir beispielsweise Afrika - hier werden immer mehr Urwälder für Plantagen abgeholzt. Der Mensch kommt Wildtieren, die ihren Lebensraum verlieren, immer näher. Durch die Nähe kommt es vor, dass Infektionen von Wildtieren auf den Menschen überspringen. Wie zum Beispiel bei Ebola.

Ein weiterer Grund ist die Reisetätigkeit. Es gibt Zoonosen die durch "Vektoren" (Träger wie beispielsweise blutsaugende Insekten) übertragen werden, da spielen der Klimawandel und die globale Erderwärmung eine Rolle, weil sich Stechmücken und Zeckenarten, die früher nur im subtropischen oder mediterranen Raum verbreitet waren, weiter nach Norden verbreiten, weil es bei uns wärmer wird. Damit können sie Krankheiten aus wärmeren Gebieten zu uns bringen.

Kann das Virus von Menschen auf Haustiere übertragen werden?

Dafür gibt es derzeit absolut keine Anhaltspunkte. Kollegen in China haben das intensiv untersucht und keinerlei Anhaltspunkte gefunden. Das Gleiche gilt für klassische, österreichische, landwirtschaftliche Nutztiere wie Geflügel, Schwein oder Rind. Das wurde zum Teil auch schon untersucht und es wurden keine Hinweise gefunden.

Grundsätzlich ausgeschlossen ist das aber nicht. Generell ist so etwas schon möglich. Die letzte Pandemie 2009/2010 im Zuge der Schweinegrippe (das war eine menschliche Infektion) hat sich in der menschlichen Population ausgebreitet. Trotzdem gab es Einzelfälle, dass ein Mensch durch Tröpfcheninfektion wieder ein Schwein infiziert hat.

Wie kann man sich vor Übertragung schützen?

Eine der wenigen guten Eigenschaften: Das Virus bleibt in der Außenwelt nur kurz infektiös. Wir sprechen hier von ein paar Stunden.

Handhygiene ist also das wichtigste, was wir machen können. Das Problem bei einer Tröpfcheninfektion: Man hält die Hand beim Husten vor den Mund und greift dann die Türklinke an. Diese bleibt ein paar Stunden infektiös. Der nächste greift die Türklinke an und infiziert sich...

Ist der Verzehr von Fleisch in Bezug auf Zoonosen gefährlich?

Generell gilt: Gekochte Produkte werden immer alle Viren abtöten, da geht keine Gefahr aus. Aber beim Zubereiten oder Verzehr von rohem Fleisch kann es zu einer Infektion kommen.

Die aktuelle Corona-Karte für Österreich:

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