Kuoni, der Geist von Schloss Neu-Bechburg

Kuoni war einst ein Raubritter und der Schrecken von Oensingen. Er fand sein Ende in einem der Erker – lebendig eingemauert.
Schloss Neu-Bechburg befindet sich bei Oensingen (Schweiz), auf einem 86 Meter langen und durchschnittlich 14 Meter breiten Felsband unterhalb des Roggen. Früher war das Schloss von der Stadt Solothurn in 1 bis 2 Stunden per Pferd oder Kutsche erreichbar. Bis heute bekannt: die Legende des Schlossgeistes Kuoni.

Fotograf Paul Bühler besuchte die Neu-Bechburg – Kuoni hat er dabei zwar nicht gesehen, dafür aber die Atmosphäre des Schlosses eingefangen.

Häufige Besitzerwechsel

Seit dem Bau in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hat die Burg öfter den Besitzer gewechselt: Unter ihnen finden wir die Grafen von Froburg, von Nidau, von Thierstein, von Kyburg und von Buchegg. Seit 1463 gehört die Burg Solothurn. 1635 war Neu-Bechburg kurz die Residenz des Bischofs von Basel.

Nach dem Einfall der Franzosen (1798) verlor die Bechburg ihre eigentliche Aufgabe. In den kommenden Jahren gab es darin ein Armenhaus, eine Privatwohnung, ein Restaurant und sogar einen Steinbruch. Seit 1835 gehörte die Burg Johannes Riggenbach, einem Bankier. Seine Erben verkauften das Schloss 1975 an den Oensinger Bürger Dr. Walter Pfluger-Baumgartner, der es wiederum der Stiftung Schloss Neu-Bechburg übergab.

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. In mehreren Bauetappen wurde das Schloss nun renoviert – für bisher rund neun Millionen Franken. Der Betrag kam dank Spenden, Beiträgen der umliegenden Gemeinden und kantonaler und eidgenössischer Institutionen zusammen. Ein Teil des Schlosses wurde aber in seinem ursprünglichen Zustand belassen: das steinerne Grab des Schlossgeistes Kuoni.

Raubritter Kuoni

Kuoni wohnte im 14. Jahrhundert auf der Bechburg, die seine Vorfahren erbaut hatten. Von dort aus verbreitete er in Oensingen Angst und Schrecken. Als Kuoni schließlich an der Beulenpest erkrankte, war die Angst, sich anzustecken, in der Bevölkerung groß.

Der Raubritter wurde kurzerhand lebend in ein Häuschen an der Südseite des Wehrturms eingemauert. Durch einen schmalen Spalt wurden Kuoni Lebensmittel und Getränke gereicht, bis er an der Pest verstarb. Anschließend wurde auch der letzte Spalt zugemauert.

Heute gilt Kuoni als ruhiger und friedlicher Schlossgeist, der höchstens gelegentlich kleine Streiche spielt, Türen abschließt und sonst hauptsächlich durch das Schloss wandert. Übrigens: In den Achtzigern wollten Denkmalpfleger das Häuschen öffnen. Als sie auf dem Dach waren, zog ein Gewitter auf, das so stark war, dass sie ihre Arbeit unterbrechen mussten.

Etwas Ähnliches passierte einem Team des Schweizer Fernsehens, das 2002 ein Röntgengerät unter dem zugemauerten Raum installieren wollte. Es funktionierte plötzlich nicht mehr. Das Gleiche passierte mit dem Ersatzgerät, das Videoteam zog unverrichteter Dinge wieder ab. Kuoni möchte nun mal lieber allein gelassen werden.

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