Lässt sich der Zyklus mit Leinsamen regulieren?

Bild: Kein Anbieter/iStock
Seed Cycling heißt der Ernährungstrend, bei dem Frauen ihre Zyklusstörungen mit Nüssen und Samen bekämpfen wollen. Das sagt die Expertin dazu.
Knapp 8.000 Beiträge tummeln sich auf Instagram unter dem Hashtag #seedcycling. Es sind Fotos von Leinsamen, Sesam, Kürbis- und Sonnenblumenkernen, schön drapiert in kleinen Schüsselchen und Gläsern. In den Captions stehen Sätze wie "Dank den Samen und Nüssen sind meine schlimmen PMS-Symptome wie weggeblasen." oder "Endlich ist mein Zyklus wieder regelmäßig."



Die begeisterten Frauen erklären das mit dem Hashtag #seedcycling. Aber was steckt hinter dem ominösen Begriff?

Das Grundprinzip des Seed Cyclings stützt sich auf die Naturheilkunde, die davon ausgeht, dass bestimmte Lebensmittel unsere Hormone stark regulieren können. Warum also nicht auch den weiblichen Zyklus, bei dem die Hormone ja bekanntlich ziemlich fleißig sind, mit Hilfe von Lebensmitteln stabilisieren?

CommentCreated with Sketch.0 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Kürbiskerne fürs Östrogen

Das Rezept ist verlockend einfach: Während der verschiedenen Phasen des Monatszyklus werden jeden Tag zwei Teelöffel frische Nüsse und Samen gesnackt: An den Zyklustagen 1-14 (also der Follikelphase) gibts je einen Teelöffel Kürbiskerne und geschrotete Leinsamen. Sie sollen mit ihren sekundären Pflanzenstoffen die Östrogen-Produktion anregen. Der Körper benötigt in dieser Phase besonders viel von diesem Hormon, um die Gebärmutterschleimhaut zu bilden und abzustoßen.



Die Geheimwaffe bei PMS?


An den Tagen 15-28 (die Lutealphase) sind Sonnenblumenkerne und Sesam dran. Sie sollen den Körper bei der Bildung des Hormons Progesteron unterstützen. Es bereitet die Gebärmutterschleimhaut darauf vor, dass sich das Ei – sofern es befruchtet wird – einnisten kann. Glaubt man den begeisterten Frauen auf Instagram, soll Seed Cycling sich auf all diese Prozesse positiv auswirken und sogar Zyklusstörungen und PMS beheben.

Ailyn Moser, Heilpraktikerin

"Jedes Lebensmittel kann grundsätzlich eine Wirkung auf unser Hormonsystem haben."

Aber funktioniert das wirklich? "Jedes Lebensmittel kann grundsätzlich eine Wirkung auf unser Hormonsystem haben. Ob es ein Einzelnes schafft, einen direkten Einfluss auf den Progesteron- oder Östrogenspiegel zu nehmen, kann man allerdings nicht so genau sagen", erklärt Heilpraktikerin Ailyn Moser.

Zu geringe Mengen

Und warum nicht? "Unser Hormonsystem ist wahnsinnig komplex. Viele Lebensmittel unterstützen gleich mehrere Hormone bei ihrem Aufbau. Gerade bei Saaten gibt es viele Überschneidungen. Oft sind sie etwa gleichzeitig an der Regulation von Östrogen und Progesteron beteiligt", erklärt die Expertin.

Außerdem seien ein bis zwei Löffel eine ziemlich geringe Dosis, wenn man sie mit der Menge an anderen hormonell wirksamen Nahrungsmitteln wie Kartoffeln, Milchprodukte und Hülsenfrüchte vergleiche, so Ailyn Moser. Von denen würden die meisten Menschen wesentlich mehr essen.

Nur ein Instagram-Trend?



"Wie der Körper die Nahrungsaufnahme verwertet und ob sie anschließend positiv oder negativ auf unser Hormonsystem wirkt, hängt außerdem auch damit zusammen, wie einzelne Hormondrüsen arbeiten", erklärt die Heilpraktikerin weiter. Und sei von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ist das tägliche Nüsse snacken also völlig umsonst?

Nicht ganz. "Ich empfehle meinen Patientinnen generell Nüsse und Saaten in den Speiseplan einzubauen. Tatsächlich helfen sie mit ihren Fettsäuren nämlich unter anderem Cholesterin zu bilden – und das spielt eine wichtige Rolle im Prozess der Hormonsynthese. Allerdings würde ich das niemals für spezifische Zyklushälften vorschlagen."



Sieht so aus, als würde sich unser smarter Körper aus den Leinsamen und Sonnenblumenkernen zwar herausziehen, was er gerade benötigt – doch ein Wundermittel gegen PMS oder Zyklusstörungen scheint das Seed Cycling nicht zu sein. (friday)
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Gesundheit

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