Oberösterreich

LH Stelzer: "Impfen zur Pflicht machen, wenn …"

Im "Heute"-Interview sagt OÖ-Landeshauptmann Thomas Stelzer, er könne sich eine Impfpflicht vorstellen. Unter einer Bedingung …

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OÖ-Landeshauptmann Thomas Stelzer im Interview mit den <em>"Heute"</em>-Reportern Peter Reidinger und Armin Bach
OÖ-Landeshauptmann Thomas Stelzer im Interview mit den "Heute"-Reportern Peter Reidinger und Armin Bach
fotokerschi.at/Antonio Bayer

Seit mehr als 14 Jahren gibt es uns jetzt. Am 28. August 2006 startete "Heute" in Oberösterreich. Zur 3.500sten Ausgabe sprachen wir mit Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) – über "Heute" … und über das alles bestimmende Thema Corona.

„Heute“: Herr Landeshauptmann, uns gibt's jetzt seit 3.500 Ausgaben. Worüber haben Sie sich in den vergangenen 14 Jahren geärgert, was in „Heute“ stand?

Stelzer: Da kann ich gleich ganz was Aktuelles sagen. Wobei ich mich da nicht geärgert, sondern eher gewundert habe. Wir hatten unlängst unser Fachexpertengespräch zum Thema „Politischer Islam“. Und die „Heute“ hat nicht darüber berichtet …

„Heute“: Stimmt … Aber das können wir ja jetzt gleich nachholen. Worum ging's?

Stelzer: Gelungene Integration entscheidet sich nicht darin, woher jemand kommt und woran jemand glaubt, sondern allein in der Haltung: ob man die demokratischen Werte und unsere Art zu leben respektiert. Gleichzeitig gibt es auch solche, die sich nicht integrieren wollen. Diesen Entwicklungen müssen wir einen Riegel vorschieben. Sonst entstehen Parallelgesellschaften.

„Heute“: Und was hat Sie gefreut?

Stelzer: Als Parov Stelar auf der Burg Clam war, habe ich ihn besucht. Und die „Heute“ hat ein Foto von uns beiden gebracht, auf dem wir die gleichen Schuhe anhatten, nämlich Converse.

Stehen beide auf Converse: LH Thomas Stelzer und Parov Stelar
Stehen beide auf Converse: LH Thomas Stelzer und Parov Stelar
Privat

„Heute“: … die Sie tatsächlich auch tragen? Oder war das nur für Stelar?

Stelzer: Nein, nein ... Die trage ich wirklich. Zum Anzug eher nicht (lacht), sonst schon.

„Heute“: Letzte Frage zu „Heute“: Welche Schlagzeile würden Sie sich mal wünschen?

Stelzer: Hoffentlich möglichst bald die Schlagzeile: „Oberösterreich stärker als zuvor: Gesundheit geschützt, Krise überwunden, Arbeitsplatzstandort gesichert!“

„Heute“: Ob sich das platzmäßig ausgeht …?

Stelzer: Na ja, dann: „OÖ stärker als je zuvor!“ (lacht)

„Heute“: Aber: Kommen wir da wieder hin?

Stelzer: Das muss unser Ziel sein. Und wir müssen jetzt anfangen.

"Infektionszahlen werden wieder steigen"

„Heute“: Womit wir im Grunde schon beim Jahresthema sind: Corona. Wenn wir nach draußen schauen, dann sehen wir: Es wird Herbst. Die Menschen werden bald nicht mehr so viel draußen sein können. Schauen Sie – hinsichtlich Corona – sorgenvoll auf den Herbst?

Stelzer: Wir stellen uns drauf ein, dass die Infektionszahlen wieder steigen werden. Das heißt: Wir müssen sehr vorsichtig sein. Deswegen ist jetzt ja auch die generelle Maskenpflicht wieder in Kraft getreten – von der ich hoffe, dass sie wirken wird. Aber gleichzeitig müssen wir schauen, dass wir nicht überall eine Hysterie entwickeln. Wir müssen die Balance halten: akzeptieren, dass das Infektionsgeschehen da ist, aber uns gleichzeitig auch möglichst viel Lebensfreude erhalten.

„Heute“: Besteht die Gefahr, dass die Stimmung in der Bevölkerung kippt?

Stelzer: Das Wichtigste: Die Leute müssen sehen können, warum eine Maßnahme gesetzt wurde. Es braucht eine gut erklärbare Grundlage. Dass immer alle mit allem einverstanden sind, das gibt es sowieso nicht. Aber dass der Großteil etwa sagt: „Den Mund-Nasen-Schutz nehmen wir jetzt wieder, weil die Zahlen steigen“ – darum wird es gehen.

Bleibt in OÖ die schwarz-blaue Koalition?

„Heute“: Was die Maske betrifft, da übt vor allem der oö. Koalitionspartner – die FPÖ – stark Kritik an der türkis-grünen Regierung. Was halten Sie davon? Ist das problematisch?

Stelzer: Wir sind unterschiedliche Parteien. Jede hat ihre Sichtweisen. Die Zusammenarbeit im Land – hinsichtlich Corona – funktioniert aber sehr gut. Und das ist für mich das Wichtigste.

„Heute“: Also wird man nach 2021 weiter mit der FPÖ zusammenarbeiten? Oder orientiert man sich am Bund? Mit Schwarz-Grün …

Stelzer: Ich beschäftige mich ehrlich gesagt jetzt überhaupt noch nicht mit der Wahl, die ist ja erst in einem Jahr. Wir haben so viel tagesaktuelle Herausforderungen … Klar ist aber: Erst braucht man sowieso ein Wahlergebnis, dann kann man über Partnerschaften reden.

„Heute“: Derzeit gingen sich ja mehrere aus. Was wäre denn momentan die beste Partnerschaft?

Stelzer: Ich kann nur sagen: Wir arbeiten derzeit (mit der FPÖ, Anm.) sehr gut zusammen, kommen sehr schnell zu Entscheidungen.

„Heute“: Wieder zurück zu Corona – weils halt doch das bestimmende Thema ist. Die Corona-Ampel soll Hilfestellung sein, damit wir wissen, wie wir uns wo verhalten sollen/müssen. Aber: Derzeit herrscht eher Ampel-Chaos. Oder sehen Sie das anders?

Stelzer: Es stimmt leider, der Start der Ampel war rumpelig, ein Fehlstart. Das Zweite ist: Die Farbe Grün in einer Pandemie ist fast schon irreführend. Denn wir haben gelernt: Wenn etwas Grün ist, dann ist alles roger, dann passt alles. Und das gibt es eben nicht, solange wir das Virus nicht überwunden haben.

„Heute“: Sollte man Grün dann ganz weglassen?

Stelzer: Zumindest ist es schwer erklärbar, dass Grün auch heißt, dass Abstand halten und Hygiene immer erforderlich sind.

Sind Schulschließungen wieder denkbar?

„Heute“: Im Juli gab es Kritik an den Schulschließungen in Oberösterreich. Wird es so etwas noch einmal geben? Oder ist das flächendeckend ausgeschlossen?

Stelzer: Ja, das will auch keiner mehr. Ich bin nicht dafür, dass man flächendeckende Schließungen durchführt. Damals war das eine Ausnahmesituation. Es hat einen Cluster gegeben mit vielen kinderreichen Familien. Wir haben nicht gewusst, wie wird das ausbrechen? Wir haben seither viel gelernt, und die Schulen sind nun gut vorbereitet.

„Heute“: Wären Schnelltests wie an Unis für Schulen denkbar?

Stelzer: Das geht an einer zen­tralen Uni. An Hunderten Schulstandorten ist es besser, man macht z. B. Gurgeltests. Dort, wo etwas auftritt, muss dann schnell getestet werden.

"Impfflicht, wenn sich nicht genug Menschen freiwillig impfen lassen"

„Heute“: Wenn es einmal eine Impfung gibt, wie kann man sich das dann vorstellen?

Stelzer: Wenn man sich anschaut, wie viel persönliches Leid und wirtschaftlicher Schaden durch das Virus angerichtet wurden, dann kann man das Impfen zur Pflicht machen, wenn sich nicht genug Menschen freiwillig impfen lassen.