Life is Strange im Test: Emotionen und Zeitspiele

Das fünfteilige 3D-Adventure "Life is Strange" begeistert mit großen Emotionen und einer packenden Story. Wenn da das Zeitproblem nicht wäre.
"Life is Strange" des Publishers Square Enix ist nun endlich für die Playstation 4, Xbox One und für den PC als Standard und Limited Edition im Handel erhältlich. Grund genug, das vielfach preisgekrönte Spiel ganz genau unter die Lupe zunehmen.

Stellen Sie sich vor, Sie können die Zeit einfach zurückdrehen, wann und wo es Ihnen gerade passt. Maxine Caulfield, Spitzname Max, hat genau dieses fantastische Talent, welches ihr schlussendlich aber zur Belastung wird. In den ersten Sequenzen erinnert das Game bereits an einen typischen Teenie-Streifen aus Amerika. Studenten, die auf dem Campus leben und sich mit privaten Zickenkriegen, Möchtegern-Schnöseln und nervigen Professoren herumschlagen müssen.

Neben der schüchternen Hauptfigur Max wären da noch die zickigen Fashionistas, die ambitionierten Super-Sportler und der reichste Junge der Schule, der mit "first world problems" zu kämpfen hat. Während dem Spiel entwickeln sich die Charaktere auch weiter und entwickeln eine gewisse Spannung, die aber leider nur bedingt zum Mitfiebern einlädt. Schuld daran ist das Zeitproblem, das der Titel ausfweist.

Die Langsamkeit müht Spieler ab

Die Langsamkeit der ausgeführten Bewegungen treiben einem zu Beginn die Müdigkeit in die Augen und die trashigen Unterhaltungen unter den Figuren tragen nicht wirklich zur Unterhaltung bei. Es wirkt fast so, als hätte man sich bei den Dialogen etwas zu sehr bemüht.

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Hobby-Gamer, die der englischen Sprache nicht unbedingt gewachsen sind, müssen die gesamte Story übrigens mit deutschen Untertiteln verfolgen. Dies ist während dem Zocken unglaublich nervig, mühsam und lenkt von wichtigen Spielzügen ab. Hatten die Entwickler für die Übersetzung kein Geld oder keine Lust mehr?

Die Story und Gimmicks

Nach fünf Jahren in Seattle kehrt die 18-jährige Max wieder zurück in ihre Heimat, um an der renommierten Blackwell Academy Fotografie zu studieren. Damals hat sie in Arcadia Bay auch ihre beste Freundin Chloe zurückgelassen, zu der sie seit ihrer Rückkehr absolut keinen Kontakt mehr hatte. Nun versucht sie, sich alleine an der neuen Universität durchzuschlagen, doch ihre mysteriöse Fähigkeit macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Die Studentin entdeckt, dass sie für bestimmte Augenblicke die Zeit zurückdrehen kann. 

Genau diese Gabe ist auch der zentrale Punkt in der gesamten Storyline - und ihr Problem. Bereits in der ersten Episode von Life is Strange merkt Max ihre neuen Kräfte, wobei sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich damit umgehen kann. Als Spieler wird man in bestimmten Situationen aufgefordert, wichtige Entscheidungen zu treffen. Diese haben Auswirkung auf den gesamten Spielverlauf und können die Handlung in unterschiedlichste Richtungen verändern.

Der Butterfly-Effekt

Hat man ein Wahl getroffen, wird man von Max sofort darauf aufmerksam gemacht, das dies wohl die falsche Entscheidung war. Mit Hilfe der neuen Gabe kann man diese Wahl dann zurückspulen und sofort eine neue Entscheidung treffen. Eigentlich sollte der Butterfly-Effekt die Storyline so ändern, dass jeder Spieler einem anderen Ende zusteuert, doch dank der Kommentare der Studentin wird die Spielhandlung indirekt beeinflusst.

Der Butterfly-Effekt ist somit ein schönes Gimmick, dennoch aber nicht wirklich sinnvoll und nimmt der Spielehandlung viel von ihrer Endgültigkeit, die die großen Emotionen unterstreichen würde. In den weiteren Episoden erlernt Max bzw. der Spieler immer mehr seine Zeitreise-Fähigkeit zu nutzen. Es ergeben sich verwirrende Verkettungen der Realitäten und die Handlungsstränge werden immer konfuser. 

Grafik und Animationen

Die Grafik ist nicht vergleichbar mit den realistischeren Produktionen wie Until Dawn, doch als Gamer hat man das Gefühl, dass Life is Strange sich mit solchen Spielen auch gar nicht messen will. Die Entwickler setzten nämlich bewusst auf einen malerischen Stil mit herbstlichen Farbkombinationen und verwischten, unscharfen Objekten. Oft sind nur jene kleinen Details sichtbar, die für die weitere Handlung wichtig sind. Somit ist ein gutes Auge unabdinglich. 



Die Animationen der Gesichter sind so gut wie nicht vorhanden. Es wirkt beinahe so, als hätte man jedem Charakter einen leeren und emotionslosen Ausdruck verpasst, um sich Arbeit bei der Produktion zu ersparen. Auch die Lippensynchronität liegt weit unter dem Durchschnitt heutiger Games, wobei die Entwickler dies wirklich mit geringem Budget für das Spiel begründeten. Die Dialoge unter den Figuren sind viel zu bemüht und gewollt.

Game wird tiefgründiger

Doch so mühsam das Zuhören/Mitlesen auch ist, so wichtig ist die Bedeutung der einzelnen Gespräche. Obwohl man zu Beginn das Gefühl hat, dass Life is Strange ein Teenie-Streifen ist und bleibt, so verändert sich die Story im Lauf der Zeit ein wenig. Themen, wie Drogenkonsum, Selbstmord sowie Mord, Totschlag und Entführung werden aufgegriffen.

Als Gamer verliert man kaum die Bodenhaftung, um aber wirklich in die Handlung einzutauchen. Nur die Geschichte über das vermisste Mädchen Rachel Amber zieht sich wie ein roter Faden durch das Spiel, wodurch einem die Neugierde doch noch irgendwo packt.

Getrübte Vorfreude

Am Ende läuft alles auf eine große Entscheidung mit zwei unterschiedlichen Enden hinaus. Der Gamer steht vor der entscheidenden Frage, was er denn gerne opfern würde. Hier gibt es allerdings kein richtig oder falsch, aber auch kein Happy End. Der Abschluss baut sich durch jeden Spielzug auf und ergibt zum Schluss das Gesamtkonzept. Das Ende bietet genügend Spielraum für eigene Interpretationen. 

Um ganz ehrlich zu sein, war die Vorfreude auf Life is Strange wahnsinnig groß. Nachdem die finale Episode endlich erhältlich war, hielt mich nichts mehr vom Controller fern. Tja, wie das meistens eben ist, wird die Freude auf ein Spiel schnell wieder getrübt. Bereits in den ersten Spielzügen fiel mir die Langsamkeit der Bewegungen auf. Auch die Gespräche unter den Charakteren waren langwierig, einfältig und uninteressant. Meine Spiellust verschwand zunehmend.   

Geschichte voll Emotionen und Mystery

Nach einer gewählten Entscheidung bekommt man von Max sofort die Quittung: "Ich glaub, dass war keine gute Idee." Ein sehr unhöfliche Art, da man ja selbst den Butterfly-Effekt bestimmen und so individuell das Spiel enden lassen möchte. Leider gibt es anschließend die Möglichkeit, dass man seine Entscheidung wieder rückgängig macht, in dem man einfach die Zeit zurückdreht. Dieses Einstellung finde ich relativ unnötig und ist meiner Meinung nach nicht Sinn der Sache. 

Insgesamt kann man sagen, dass Life is Strange weit weniger verspricht, als man dank des Trailers erwartet. Wer gerne schnelle, mitreißende und nervenaufreibende Games zockt, der sollte von diesem Spiel eindeutig die Finger lassen. Life is Strange ist perfekt für Spielanfänger, Gemütlichkeits-Zocker und vielleicht Strategen ohne schnelle Reaktionsfähigkeit. Und wer sich auf die Story einlässt und gut im Englischen ist, findet eine schöne Geschichte voll Emotionen und Mystery vor, die den günstigen Preis allemal wert ist. (kof)

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