Wie sie das Vertrauen ihrer Grünen verspielte

Peter Pilz holte sie 1995 zu den Grünen, ab da ging es für Maria Vassilakou politisch rasant aufwärts. Bis zu einem angekündigten Rücktritt, der nie stattfand.
Maria Vassilakou, geboren 1969 in Athen, kam nach ihrer Matura 1986 nach Wien. Sie studierte Dolmetscherin für Deutsch, Englisch und Französisch sowie Sprachwissenschaft, galt als Vorzeige-Studentin und schloss die Uni bis 1994 schnell ab. Erst zwei Jahre später bekam sie neben der griechischen auch die österreichische Staatsbürgerschaft, ein Jahr zuvor hatte sie den Kommunikationsberater Bernd Matouschek geheiratet.

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An der Universität zeichnete sich bereits das politische Engagement von Vassilakou ab. Von der Mitarbeiterin im Sozialreferat der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) stieg sie zur Ausländerreferentin des Zentralausschusses und zur Generalsekretärin auf. Das fiel dem damaligen Klubobmann der Grünen Fraktion im Wiener Rathaus auf: Peter Pilz holte Vassilakou 1995 zu den Wiener Grünen.

CommentCreated with Sketch.15 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Von der Studentin zur Fast-Grünen-Chefin

Bereits ein Jahr später saß Vassilakou im Wiener Gemeinderat, wurde Integrationssprecherin. Doch der Aufstieg ging weiter: 2001 kandidierte sie auf Platz 2 der Liste und wurde Wiener Stadträtin sowie Integrations-, Sicherheits-, Menschenrechts- und Behindertensprecherin ihrer Partei. 2004 und 2005 war Vassilakou fast ganz oben angelangt, im Bundesvorstand der Grünen sowie als Spitzenkandidatin bei der Gemeinderatswahl 2005.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: die Grünen legte vier Mandate zu und erreichten mit 14,6 Prozent das das beste Ergebnis der Wiener Grünen überhaupt. Nachdem sich Madeleine Petrovic zurückgezogen hatte, folgte ihr Vassilakou 2008 nach und wurde stellvertretenden Bundessprecherin neben Eva Glawischnig. Wie politisch Vassilakou für österreich brannte, zeigte sie 2009, als sie das Angebot, stellvertretende griechische Umweltministerin zu werden, ablehnte.

Jahresticket und Radwege als Herzensprojekte

Wahlverluste der Grünen und der SPÖ zeigten sich 2010 in Wien als kleiner "Glücksfall". Die SPÖ war ohne absolute Mehrheit auf einen Koalitionspartner angewiesen. Die FPÖ unter Heinz-Christian Strache kam für die Roten nicht in Frage, mit der ÖVP stimmte man in vielen Punkten nicht überein. Die grünen wurden zum roten Partner, Vassilakou neben Renate Brauner zur Vizebürgermeisterin Wiens und für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und Bürgerbeteiligung zuständig.

Federführend war Vassilakou bei Projekten wie der Vergünstigung der Jahreskarte der Wiener Linien auf 365 Euro, der Neugestaltung der Mariahilfer Straße, einer Forcierung der Radwege der Bundeshauptstadt sowie der Ausweitung des Parkpickerls. Projekte, für die sie teils heftig kritisiert wurde und bei denen manchmal auch Gegenstimmen aus der eigenen Partei laut wurden.

Empörung auch bei den Grünen

2015 führte Vassilakou die Grünen in die Wiener Gemeinderatswahl. Dass sie zuvor angekündigt hatte, bei Verlusten zurückzutreten, sehen viele Beobachter als den entscheidenden Fehler der Politikerin an. Die Partei verlor rund ein Prozent der Stimmen, doch Vassilakou machte einen Rücktritt vom Rücktritt, was quer durch alle Parteien, auch den Grünen, für Empörung sorgte.

Ein politischer Vertrauensverlust, den Vassilakou nie wieder richtig kitten konnte. Vielmehr verschlimmerte sich die Stimmung, als die Grüne Parteibasis das umstrittene Hochhausprojekt am Wiener Heumarkt in einer bindenden Abstimmung ablehnte – Vassilakou es aber mit der SPÖ umsetzte. Folge war nicht nur parteiinterne Empörung, die UNESCO setzte Wien auch auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes zur Aberkennung des Weltkulturerbe-Status.

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