Hofmann erklärt "Heute" das große Rapid-Problem

Max Hofmann in Aktion. Gegen Mattersburg bestreitet er sein 108. Match für Rapid.
Max Hofmann in Aktion. Gegen Mattersburg bestreitet er sein 108. Match für Rapid.Bild: picturedesk.com
Rapid ist Herbstmeister – allerdings nur bis zur Halbzeit. Warum das so ist, versucht Verteidiger Max Hofmann im "Heute"-Gespräch zu erklären.
Die zwei Gesichter von Rapid! Nach einer starken Phase mit zehn Partien ohne Niederlage warten die Hüttelforfer nun seit drei Runden auf einen Sieg. Der Rückstand auf Leader Salzburg wuchs auf elf Zähler an. Schuld daran: der Seitenwechsel!

Ein Blick ins "Heute"-Datencenter zeigt Erstaunliches: Wäre in den 18 Matches der Hinrunde nach jeweils 45 Minuten Schluss gewesen, würde Rapid die Tabelle anführen. Nimmt man nur die Ergebnisse nach dem Pausentee her, belegt Grün-Weiß mit einem Torverhältnis von 15:18 Rang acht. Wie ist das möglich? Das und vieles mehr beantwortet Innenverteidiger Max Hofmann im "Heute"-Interview.

Herr Hofmann, was ist in den letzten beiden Wochen bei Rapid geschehen? Ist der Faden gerissen?

"Von den Ergebnissen her auf jeden Fall. Aber sonst nicht, denke ich. Es ist vom Trainer klipp und klar angesprochen worden, was alles nicht passt. Niemand darf einen Zentimeter nachlassen, das hat zuletzt vielleicht gefehlt. Es wurde zur Selbstverständlichkeit, dass es von alleine geht. Die drei jüngsten Spiele dürfen uns nicht entmutigen. Das 0:0 in Wolfsberg war die erste richtig schlechte Partie seit langer Zeit. Das müssen wir vergessen. Jetzt sind es noch zwei Runden, die müssen wir gewinnen. Gelingt das, war es alles in allem ein guter Herbst – verglichen mit letzter Saison."

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Eine Statistik zeigt: Nimmt man nur die Ergebnisse der ersten Halbzeit her, wäre Rapid Tabellenführer. Würden nur die Ergebnisse nach der Pause zählen, wäre Rapid Achter. Wie erklären Sie sich das?



"Keine Ahnung. Aber ich habe das selbst bemerkt. Wir sind oft richtig gut in die Kabine gekommen, haben geführt. Und dann dachten wir, wir schalten einen Gang zurück, lassen den Gegner kommen und verwalten den Vorsprung. Aber das können wir anscheinend nicht so gut. Wir sind eine Mannschaft, die offensiv auftreten will. Wenn wir angreifen und das Spiel machen, sind wir drückend überlegen. Das ist meistens nur in der ersten Halbzeit so."



Woran liegt das?

"Das ist wahrscheinlich eine Kopfgeschichte. Manche von uns fürchten, dass es wie letztes Jahr nach hinten losgeht. Einige Partien sind heuer trotz Führung wieder gekippt. Das müssen wir ändern."

Ein körperliches Defizit ist auszuschließen?

"Unsere Werte zeigen, dass wir auf einem richtig guten Weg sind. Wir haben auch keine englischen Runden, jeder ist topfit."

Könnte es an der Trainingssteuerung liegen?

"Jeder Trainer hat eine andere Philosophie. Wir haben in der Vorbereitung viel im Bereich Ausdauer trainiert, haben auch einen neuen Fitnesscoach. Man sieht, die Trainings sind intensiv und knackig. Aber es ist nicht so, dass wir schlapp oder kaputt ins Wochenende gehen. Im Gegenteil. Wir fühlen uns spritzig. An der Ausdauer scheitert es also nicht."

Gegen die so genannten "Kleinen" tut sich Rapid beinahe schon traditionell schwer. Warum ist das so?

"Seit ich bei den Profis bin, verfolgt mich das. Es ist einfach so, dass gegen Rapid jeder mit 110 Prozent spielt. Wir müssen gegen diese Gegner aber mit dem gleichen Engagement wie gegen Salzburg oder die Austria auftreten. Zumindest waren wir in dieser Saison gegen die Kleinen überlegen und haben uns gute Chancen herausgespielt."

Das letzte Heimspiel vor der Winterpause steigt am Samstag gegen Mattersburg. Schon wieder ein „Kleiner" …

"Es wird sicher wieder eine Kampfpartie. Sie werden hinten drin stehen, lange Bälle spielen. Ideal wäre ein frühes 1:0, danach müssen wir offensiv weitermachen, damit wir nicht wieder unnötig aus einem Standard ein Tor kassieren. Die letzten beiden Partien müssen wir einfach gewinnen. Dann stehen wir ganz gut da, auch wenn der Rückstand schon groß ist."

Bei den Rote Karten ist Rapid Spitzenreiter – sieben Stück hat man in 18 Runden kassiert. Wurde das angesprochen?

"Selbstverständlich. Darf das nicht passieren. Wir haben so viele Rote wie alle anderen Teams zusammen. Das geht einfach nicht. Die Mannschaftskassa ist jedenfalls voll. Es tut weh, denn die Partie gegen Salzburg oder die gegen Mattersburg zu Saisonbeginn hätten wir ohne Ausschluss wahrscheinlich gewonnen. Das sind verlorene Punkte. Da muss jeder disziplinierter sein. Sicher, einige Entscheidungen waren umstritten, aber das ist im Fußball einfach so. Da müssen wir uns cleverer verhalten. Es ist unnötig."

Sie sind als Verteidiger nicht vorrangig für das Toreschießen zuständig. Aber warum treffen bei Rapid die Stürmer nicht?

"Am meisten wurmt es die Stürmer selbst. Die wollen es mit Biegen und Brechen erzwingen, das geht dann wahrscheinlich auch nicht. Ich hoffe, dass ihnen der Knopf aufgeht und sie dann alles treffen. Jetzt haben wir noch zwei Spiele, vielleicht klappt es jetzt. Ansonsten müssen sie in der Vorbereitung daran arbeiten."



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