Dieses Modell verspricht sichere Vorhersage bei Corona

Bei einem positiven Testergebnis kann ein neues Modell nun den Krankheitsverlauf berechnen.
Bei einem positiven Testergebnis kann ein neues Modell nun den Krankheitsverlauf berechnen.
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Neues Modell zur Vorhersage des COVID-19-Krankheitsverlaufs könnte Gesundheitssystem entlasten.

Die Corona-Pandemie hat sich zu einer weltweiten Gesundheitskrise entwickelt. Eine optimale Patientenversorgung bei gleichzeitiger Verhinderung eines Zusammenbruchs der Gesundheitssysteme ist weltweit eines der Ziele. Forscher der MedUni Wien, Klinik Favoriten, Medizinischen Universität Innsbruck, Johannes Kepler Universität Linz und Karolinska Institut Stockholm könnten dazu jetzt möglicherweise einen großen Beitrag geleistet haben.

Modell ohne Mehraufwand

Die Wissenschaftler entwickelten nun ein Modell, welches günstigere Krankheitsverläufe von hospitalisierten COVID-19-PatientInnen mit hoher Treffsicherheit prognostiziert. Das Besondere an diesem Modell: Es werden nur Parameter benötigt, die ohnehin in der klinischen Routine erhoben werden und somit keinen zusätzlichen Aufwand erfordert. Damit können Spitalsärzte ab sofort die Parameterwerte ihrer Patienten in den frei verfügbaren Online-Rechner eingeben und eine Entscheidung über den Zeitpunkt der Entlassung wesentlich leichter treffen.

„Obwohl unser Wissen über das Virus täglich zunimmt, gibt es bisher keine zuverlässigen Entscheidungshilfen für eine frühzeitigere Entlassung“, betont Alice Assinger vom Institut für Gefäßbiologie und Thromboseforschung des Zentrums für Physiologie und Pharmakologie der MedUni Wien, die dessen Team leitete.

Treffsichere Vorhersage des Krankheitsverlaufs

Das mathematische Modell des Tools basiert auf wiederholten Messungen des Entzündungsmarkers „C-reaktives Protein“, des Markers „Kreatinin“, sowie der Anzahl der Blutplättchen im Blut. Aus Ableitungen der Verläufe dieser Parameter innerhalb der ersten vier Krankenhausaufenthaltstage kann zusammen mit zusätzlichen Parametern wie dem Alter der Patienten sowie der Information zur Körpertemperatur bei Spitalsaufnahme mit hoher Treffsicherheit ein günstiger Krankheitsverlauf vorhergesagt werden - unanbhängig davon, wie lange die Symptome vor dem Spitalsaufenthalt schon angedauert haben.

Für die Entwicklung dieses so genannten ACCP-Tools (Age + C-reactive protein + Creatinine + Platelet) wurden die Daten von 441 PatientInnen aus drei verschiedenen Zentren herangezogen und das entwickelte Modell im Anschluss anhand der Daten von 553 PatientInnen von drei weiteren unabhängigen Kohorten validiert.

Schnelle Integrierung in den klinischen Alltag

„Wichtig für uns war, das ACCP-Tool möglichst rasch für die Anwendung in der klinischen Routine zur Verfügung zu stellen. Das Tool sollte dazu beitragen, die angespannte Situation des österreichischen Gesundheitssystems zu entlasten, bis eine adäquate Durchimpfungsrate der Bevölkerung erreicht ist.“, sagt Studien-Erstautor Stefan Heber. Darüber hinaus könnte das Modell dazu verwendet werden, in Ländern, deren Gesundheitssystemen den Schwerpunkt auf ambulanter Versorgung legen, wie beispielsweise Schweden, zu überwachen, ob eine Einweisung des Patienten ins Krankenhaus notwendig ist oder nicht.

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