"Jesus-Schuhe" haben Weihwasser in der Sohle

Eine Special-Edition des Nike Air Max 97 löst bei Sneaker-Fans gerade wilde Gefühlsausbrüche aus. Der "Jesus Shoe" hat eine deepe Message – doch sie hat nichts mit Gott zu tun.

Supreme, Travis Scott, Fear of God: Jede einzelne Sneaker-Kollaboration, die Nike in diesem Jahr eingegangen ist, hat bei Turnschuh-Hypebeasts für Herzrasen gesorgt.

Ein Modell sticht derzeit aber ganz besonders heraus: Der "Jesus Shoe". Ein Sneaker, der vor zwei Tagen auf unerklärliche (übersinnliche?) Weise in den Underground-Schuh-Sphären aufgetaucht ist, innerhalb von nicht mal einer Stunde ausverkauft war – und wahrscheinlich als viraler Hit in die Social-Media-Bücher eingehen wird. Aber erstmal der Reihe nach.

60 Milliliter gesegnetes Wasser

Basis des Schuhs ist ein weißer Nike Air Max 97. Das war's dann aber auch schon mit den weltlichen Bestandteilen: Die Sohle ist nämlich mit Wasser gefüllt – genauer gesagt mit 60 Milliliter gesegnetem Wasser aus dem Flussbett des Jordans. Dort, wo Jesus angeblich auf dem Wasser gelaufen ist. Ihr checkt's.

Das Fußbett des Schuhs ist rot gefärbt und riecht nach Weihrauch – ein Verweis auf den Vatikan, wo rote Schuhe zur Standard-Ausrüstung der Päpste gehören. An der Seite des Schuhs wird mit "MT 14:25" auf ein Kapitel im Matthäus-Evangelium verwiesen, an der Schnürsenkel-Leiste hängt ein goldenes Kreuz.

Der heilige Schuh kostet 3000 Dollar.

Außerdem findet man auf beiden Rückseiten zwei Schriftzeichen: MSCHF (so heißt der bis dahin unbekannte Kollabo-Brand) und INRI (für alle, bei denen der Religionsunterricht schon länger her ist: "Iesus Nazaraeus Rex Iudaeorum", also "Jesus von Nazaret, König der Juden"). Auch der Preis ist überirdisch: 3000 Dollar soll der Jesus-Shoe kosten.

"Er wird wiederauferstehen"

Auf Instagram sind die Menschen jedenfalls ausgeflippt, als der Account "Hypebeast Drops" das Erscheinen der Sneakers angekündigt hat: "Oh mein Gott. Ich glaub's ja nicht! Jesus ist eine Kollaboration mit Nike eingegangen", schreibt ein Fan freudig. Eine andere schreibt: "Das ist die beste Art, das heilige Wort zu verkünden." Viele Sneaker-Fans schicken Herzen – ob an Gott, die Sneakers oder beide ist allerdings nicht klar.

Natürlich bietet der Schuh auch eine solide Vorlage für etliche Jokes: "Verbrennt den Schuh. Er wird in drei Tagen wiederauferstehen". schreibt eine Insta-Userin etwa.

Ein Großteil der Kommentatoren findet allerdings, dass diese Kollabo zu weit geht: "Das ist ja widerwärtig!!!!!!!!!!!!", schreibt eine offensichtlich schockierte Userin. Andere kritisieren, dass der Preis für die heiligen Schuhe viel zu hoch sei. "Warum???!!!", fragt sich eine Userin – und erhält als Zustimmung 75 Likes.

Ohne Kenntnis von Nike

Und jetzt kommts: Nike selbst hat mit der Sache gar nichts zu tun. Bei dem Drop handelt es sich nämlich bloß um einen ausgefuchsten Marketing-Gag mit gesellschaftskritischer Message. Das hat Daniel Greenberg, Head of Commerce bei der Agentur aus Brooklyn, die für den Sneaker-Release verantwortlich ist, im Gespräch mit der "New York Post" jetzt verraten: "Wir wollten zeigen, dass die Kollaborations-Kultur großer Brands mittlerweile komplett ausgeufert ist".

Viele Sneakerheads würden die Schuhe der Kollaborationen wie einen heiligen Gral verehren. "Wir haben uns also überlegt: Wie würde eine Kollaboration mit dem ersten Influencer der Welt – Jesus – aussehen?", erklärt der Marketing-Kopf. MSCHF hat sich also ein gutes Duzend Air Max gekauft, sie in Handarbeit aufgepimpt und an ein paar Influencer – unter anderem auch an Asap Rocky – verteilt. "Und dann haben wir sie auf einem Marketplace verkauft", sagt Greenberg. Na ob das mal keinen Ärger mit dem Sneaker-Göttern von Nike gibt.

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Nikola Bilyk

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