"Provoziert Unfälle"

Notarzt von Polizei-Kontrolle nach Tunnel schockiert

Die Polizei kontrolliert häufig nach einer Kurve eines von der Autobahn kommenden Tunnels und provoziert so Staus. Ein Notarzt ist entsetzt.

Notarzt von Polizei-Kontrolle nach Tunnel schockiert
Nach diesem Tunnel führt die Stadtpolizei St. Gallen Kontrollen durch.
Google Street View

Notarzt Christian Paulus ist entsetzt, denn wiederholt hat er eine Kontrollsituation der Stadtpolizei St. Gallen in der Schweiz erlebt, die er sehr riskant findet.

Von der Autobahn A1 kommend direkt nach einem kurvigen Tunnel werden Autolenker von der Stadtpolizei kontrolliert. Während der Kontrolle kommt es häufig zu einem Stau im betroffenen Tunnel, was aus Sicht von Paulus ein Unfallrisiko darstellt. "Kommt es in einem Tunnel zu einem Unfall, sind alle darin befindlichen Verkehrsteilnehmer einem enormen Risiko ausgesetzt", sagt Paulus zu "20 Minuten".

Ein Unfall im Tunnel könnte Katastrophe auslösen

In einer Meldung im St. Galler Stadtmelder wendet er sich nun wegen der Kontrollen an die Stadt. "An der Abfahrt Kreuzbleiche von der Autobahn A1 kommend Richtung Innenstadt werden regelmäßig Kontrollen durchgeführt. Noch dazu befindet sich die Ausfahrt des Tunnels in einer Kurve, die Situation ist dort nicht übersichtlich."

Er hält es für fahrlässig, an einer Tunnelausfahrt einen Stau zu produzieren. "Ein Unfall im Tunnel, womöglich noch mit Brand, könnte eine Katastrophe auslösen." Der Zugang für Rettungsfahrzeuge sei in einem solch schmalen Tunnel deutlich erschwert, was das Eintreffen der Rettungskräfte oft verzögert.

Haben Verantwortliche schon Tunnelunfall erlebt?

"Ich habe lange als Notarzt gearbeitet und viele schwere Unfälle auf Autobahnen und in Tunnel miterleben müssen, mit Toten und Schwerverletzen", sagt Paulus. Für ihn ist es sehr wichtig, dass alles getan wird, um Unfälle in Tunnel zu verhindern.

"Selbstverständlich sind Kontrollen wichtig. Ich habe jedoch den Eindruck, die Verantwortlichen für diese Kontrollen haben vermutlich nie einen schweren Unfall oder Brand in einem Tunnel erlebt", sagt der Notarzt. Sonst würden nämlich nicht derart unnötige Risiken eingegangen werden und die Kontrollen an anderer Stelle durchgeführt.

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    Pressefoto Scharinger / Andreas ZEECK

    Neun Strafen wegen fehlender Vignette

    Die Stadtpolizei St. Gallen teilt auf Anfrage von "20 Minuten" mit, dass im Zusammenhang mit der von Paulus angesprochenen Kontrolle ein Fahrzeug angehalten wurde, dessen Kontrollschilder durch das Straßenverkehrsamt ausgeschrieben waren. Diese wurden eingezogen. Weiter wurden eine Strafe wegen Nichttragen der Sicherheitsgurte sowie neun Strafen wegen fehlender Autobahnvignette ausgestellt.

    "Der Schwerpunkt der Kontrolle war offenbar die Kontrolle von Vignetten", sagt Notarzt Paulus. Er findet, dass es andere Möglichkeiten gibt, um Vignetten zu kontrollieren, zum Beispiel mit automatischen Systemen. Gegebenenfalls müssten hierfür die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden.

    Keine Zwischenfälle bekannt

    Die Stadtpolizei St. Gallen bewertet die Situation anders. "Wir führen seit Jahren an der Örtlichkeit entsprechende Kontrollen durch und es ist noch nie zu einem Zwischenfall gekommen. Uns ist auch keine Situation bekannt, welche gefährlich gewesen wäre", sagt Dionys Widmer von der Stadtpolizei St. Gallen.

    "Personen, die Verkehrsdelikte, Einbruchsdelikte begehen oder zur Fahndung ausgeschrieben sind, kommen häufig über die Autobahn nach St. Gallen. Aus diesem Grund werden als polizeiliche Maßnahme gezielte Kontrollen nachfolgend an Autobahnausfahrten durchgeführt – oftmals mit Erfolg", erklärt Widmer.

    Auf den Punkt gebracht

    • Ein Notarzt in der Schweiz ist entsetzt darüber, dass die Polizei Kontrollen in einem Tunnel durchführt, direkt nach einer kurvigen Tunnelausfahrt
    • Er warnt vor dem erhöhten Unfallrisiko und fordert alternative Kontrollmethoden
    • Die Polizei verteidigt ihre Vorgehensweise und betont, dass bisher keine Zwischenfälle bekannt sind
    red, 20 Minuten
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