Österreichs Frauen arbeiten ab 22. Oktober "gratis"

Eine Patientin betreut von einer Diplomkrankenschwester hält sich an einer Triangel-Aufrichtungshilfe fest. Symbolbild
Eine Patientin betreut von einer Diplomkrankenschwester hält sich an einer Triangel-Aufrichtungshilfe fest. Symbolbildpicturedesk.com/APA/Barbara Gindl
Der 22. Oktober ist Equal Pay Day. Er zeigt, wie viel Frauen in Österreich im Schnitt mehr arbeiten müssen, um gleich viel wie Männer zu verdienen.

Am Donnerstag 22. Oktober ist in Österreich Equal Pay Day. Ab diesem Tag arbeiten Frauen in Vollzeit aufs Jahr hochgerechnet gratis, weil sie um 19,3 Prozent weniger verdienen als Männer. "Das heißt: Österreichs Frauen arbeiten heuer im Verhältnis zu den Männern 71 Tage 'gratis'", so die Arbeiterkammer Wien am heutigen Mittwoch in einer Aussendung.

Während das durchschnittliche Bruttoeinkommen von Männern in Österreich bei 53.153 Euro liegt, verdienen Frauen durchschnittlich 42.880 Euro brutto im Jahr. Daraus ergibt sich das Minus von 19,3 Prozent. Frauen verdienen im Durchschnitt um mehr als 10.000 Euro (im Jahr 2020 sind es exakt 10.273 Euro) pro Jahr weniger als Männer.

Systemrelevant

In der Corona-Krise hätten sich gerade Frauen als "systemrelevant" herausgestellt, so die AK weiter: "Zwei Drittel der Leistungsträger*innen der Corona-Krise sind Frauen. Doch 76 Prozent der Reinigungskräfte und 70 Prozent der Kassakräfte und Regalbetreuer*innen kommen mit ihrem Einkommen nur knapp oder nicht aus."

Von den elf als "systemrelevant" eingestuften Berufsgruppen haben ausgerechnet jene fünf Gruppen, in denen der Frauenanteil am höchsten ist, Einkommen unter dem österreichischen Durchschnittslohn. Am unteren Ende befinden sich damit Reinigungskräfte und Einzelhandelsangestellte. In diesen Berufen sei der Frauen- und Migranten-Anteil besonders hoch. – sie verdienen im Schnitt weniger als 1.300 Euro netto pro Monat. Die geringeren Arbeitsstunden würden die geringeren Einkommen laut Arbeiterkammer aber nur zum Teil erklären.

Arbeit der Frauen zu wenig geschätzt

ÖGB, Arbeiterkammer und die Frauenbeauftragten der österreichischen Städte fordern daher die Umsetzung von 1.700 Euro in allen Kollektivverträgen. ÖGB-Frauenvorsitzende Korinna Schumann: "Die Krise hat ein helles Licht darauf geworfen, wie unverzichtbar die Arbeit dieser Frauen für die Gesellschaft ist. Gerade sie, die das Land am Laufen gehalten haben, müssen von ihrem Einkommen auch gut leben können. Die Corona-Pandemie hat deutlich gezeigt, dass die Arbeit dieser Leistungsträgerinnen zu niedrig bewertet ist und es bessere Arbeitsbedingungen braucht."

"Gleicher Lohn für gleiche Arbeit"

"Die Doppelbelastung durch Home Office und Home Schooling traf und trifft Frauen stärker als Männer. Frauen leisten nach wie vor einen Großteil der unbezahlten Arbeit. Wir müssen aufpassen, dass die Corona-Krise nicht zu einer Krise der Frauen wird", warnt Frauenstadträtin Kathrin Gaal. "Das Ziel ist: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!"

Kürzere Arbeitszeiten gefordert

Für AK Präsidentin Renate Anderl sind Frauen auf der einen Seite die Hauptbetroffenen von der Corona-Arbeitslosigkeit. Auf der anderen Seite würden die beschäftigten Frauen unter der hohen Arbeitsbelastung im Job wie auch unter der Doppelbelastung durch Familie und Beruf stöhnen. ÖGB, Arbeiterkammer und die Frauenbeauftragten fordern deshalb eine Arbeitszeitverkürzung: "So schaffen wir Arbeitsplätze, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, höhere Einkommen für Teilzeitkräfte und mehr Lebensqualität. Gerade in systemrelevanten Berufen, wie in der Pflege ist der Arbeitsdruck oft hoch. Mit kürzeren Arbeitszeiten können wir Burnout oder unfreiwilligem Berufswechsel begegnen."

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