Online-Tool der Stadt soll Spielsucht bekämpfen

Spielsucht kann Existenzen zerstören.
Spielsucht kann Existenzen zerstören.Getty Images/iStockphoto
Die Fußball-EM läuft, viele sorgen durch Wetten für noch mehr Spannung beim Zuschauen. Doch das birgt auch Gefahren, warnt Wiens Suchtkoordinator.

Glücksspiel und Sportwetten erreichen gerade in Zeiten sportlicher Großereignisse, wie der derzeit stattfindenden Fußball-Europameisterschaft, ihren Höhepunkt. Während für viele Menschen der Nervenkitzel rund um die Spiele nur zu diesen besonderen Anlässen genutzt wird, endet er für manche in der Sucht. Etwa ein Prozent, also rund 64.000 Personen zwischen 14 und 64 Jahren, weisen in Österreich ein problematisches oder pathologisches Spiel- und Wettverhalten auf. Mit genuggespielt.at gibt es nun ein neues Online-Tool das Menschen bei ihrem Wunsch, ihre Glücksspiel- oder Wettaktivitäten gänzlich zu beenden oder einzuschränken, unterstützt.

Das achtwöchige Online-Selbsthilfeprogramm, bestehend aus neun Modulen, wurde vom Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung, einem assoziierten Institut der Universität Zürich erstellt und vom Institut für Suchtprävention der Sucht- und Drogenkoordination Wien für Österreich adaptiert und angeboten. Besonders wichtig: Das Angebot ist absolut anonym und kostenlos.

Lochner: Wichtige und leicht nutzbare Hilfe

"Bestimmte Glücksspielarten hängen häufiger mit einem problematischen Spielverhalten zusammen als andere. Spielautomaten und Sportwetten sind dabei die kritischsten Formen auf Grund der hohen möglichen Spielfrequenz und der hohen Verfügbarkeit. Verschärft wurden diese Möglichkeiten durch internetbasierte Sportwetten. Mit genuggespielt.at bieten wir Menschen, die befürchten, dass ihre Glücksspielaktivitäten ein problematisches Ausmaß annehmen, eine wichtige und leicht nutzbare Hilfestellung an", so Ewald Lochner, Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien.

"Eine suchtfördernde Besonderheit bei Sportwetten stellt die so genannte Kontrollillusion dar", betont Lisa Brunner, Leiterin des Instituts für Suchtprävention der Sucht- und Drogenkoordination Wien. "Sportwetten suggerieren, dass gewisse Kompetenzen und angeeignetes Wissen ausschlaggebend für den Spielerfolg sind. Langzeitstudien belegen allerdings, dass auch Sportexpert*innen nicht besser abschneiden, als andere Personen. Dennoch wird diese Illusion gerade in der Werbung oftmals hochgehalten. Gerade mit Beginn der Fußball-EM müssen wir verstärkt darauf aufmerksam machen", erklärt Brunner.

Statistiken und Zahlen

Glücksspiel ist weiterhin eine sehr weit verbreitete Freizeitbeschäftigung in Österreich. Je nach Studie geben zwischen 41 und 57 Prozent der Österreicher*innen an, im vergangenen Jahr mindestens einmal an einem Glücksspiel oder einer Sportwette teilgenommen zu haben. Etwa ein Prozent nimmt täglich an Glücksspielen oder Wetten teil. Im Schnitt werden 57 Euro pro Monat investiert. Männer geben dabei in etwa doppelt so viel Geld aus wie Frauen.

Studie zu Wirksamkeit von Internetreduktion

Teilnehmer*innen des Programms nehmen gleichzeitig auch an einer Studie unter Leitung des Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung teil, die die Wirksamkeit von Reduktionsprogrammen testen soll. Dazu werden Nutzer*innen, die ihr Aktivitäten rund um das Glücksspiel reduzieren wollen oder dies ganz aufgeben wollen, zu Beginn, nach acht Wochen und rund 24 Wochen nach dem Start des Programms anhand eines standardisierten Online Fragebogens anonym befragt.

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