Paar führt Hof wie vor 100 Jahren: "Null Unterstützung"

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privatDer Betreiber mit einem seiner Pferde
Andreas und Andrea setzten auf ihrem Hof im Bezirk Hollabrunn auf Pferde- und Muskelkraft, vermeiden (fast) jede Technik. Geld bekommen sie nicht.

Statt Diesel ist der Treibstoff von Andreas und Andrea Heu: "Eigentlich alle, die bei uns waren klopfen uns auf die Schulter und sind begeistert, doch Unterstützung vom Land oder Staat bekommen wir null", sagt Andreas, Chef des "Noriker-Hof Team Andrea und Andreas". Den Bauernhof mit Pferden (Noriker und Haflinger), Gänsen und Hühnern (und ein Hahn) betreiben Andreas (44) und seine Lebensgefährtin (39) fast ohne technische Hilfsmittel. Die Felder werden mit Pferden bewirtschaftet.

Umweltschutz und Tradition

Die erklärten Ziele des Pärchens: Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltigkeit, kein Einsatz von Chemie, Wahrung der österreichischen Geschichte, Tradition und Kultur. Seit knapp zwei Jahren kämpf der gelernte Kfz- und Landmaschinen-Mechaniker um eine Genehmigung und Unterstützung. Bisher hat er laut eigenen Angaben indes null Euro gesehen. "Man muss sich das vor Ort anschauen. Es ist schwer, einem Beamten die Vorteile schriftlich in Beamtendeutsch mitzuteilen. Daher werden wir stets stiefkindlich behandelt, die Coronakrisee hat die Lage noch verschlimmert", sagt der pferdekundige Landwirt.

"Kurse rund ums Pferd"

Denn neben dem Betreiben der Wirtschaft, bietet das Pärchen Workshops, Kurse rund ums Pferd an. "Das fällt derzeit praktisch aus", erzählt Andreas traurig. Nur weil das Paar jeden Cent zusammenkratzt und extrem spartanisch lebt, kann es überhaupt irgendwie überleben. "Der Traum wäre, dass wir mal von unser Wirtschaft einfach und gut leben können, einfach autark sein. Ein bisschen nach Amish-Vorbild, wobei wir uns gegen die Technik und moderne Landwirtschaft überhaupt nicht verwehren beziehungsweise diese verteufeln, nur halt einen anderen Weg gehen", so der 44-Jährige.

Technik am Hof

Freilich gibt es teils moderne Geräte am Hof: Zwei über 50 Jahre alte Traktoren (Anm.: Lindner BF 25 N Baujahr 1966 sowie Lindner BF 16 N Baujahr 1963), Andrea und Andreas haben Handys und es gibt sogar einen Fernseher im Wohnbereich. "Wie gesagt, wir sind ja keine Fanatiker und ein Handy mit den Grundfunktionen braucht man in der heutigen Zeit einfach, sonst hat man einen groben Nachteil."

Tierschutz versus Leistung

Zudem hält das Paar alle Tierschutzvorgaben ein: "Unsere Landwirtschaft soll grundsätzlich mit Pferden betrieben werden. Das bedeutet aber mehr Zeitaufwand und eine durch den Tierschutzgesetz eingeschränkte Arbeitszeit pro Pferd. Meines letzten Wissenstandes gilt maximal 3 Stunden pro Tag und innerhalb von 24 Stunden mindestens eine durchgehende Ruhezeit von 8 Stunden. Diese Regelung gab es zum Beispiel 1930 noch nicht. Damals kam es leider auch öfters vor, dass Tiere wegen Überbeanspruchung nicht alt wurden oder am typischen genannten Kreuzschlag (Anm.: paralytische Myoglobinurie, Erkrankung der Rückenmuskulatur bei Pferden, vergleich mit extremen Muskelkater) starben. Und da wir unsere Pferde keinesfalls überbeanspruchen wollen, wie im Jahre 1930, und das laut Gesetz auch verboten ist, kann man davon ausgehen, wenn wir gut 75 % der Arbeiten mit dem Pferd verrichten wollen das wir nicht leicht an eine Untergrenze der konventionellen Landwirtschaft kommen.", sagt Andreas.

Museum für Kulturgut

Den Rössern geht es trotz Arbeit paradisisch gut am Hof: "Unsere Pferde leben in Offenstallhaltung, das heißt sie haben eine offene Box und einen frei zugänglichen Bereich mit anschließender Koppel", berichtet Andreas.

Der seit seit seiner Kindheit mit Pferden vertraute Andreas erläutert weiter: "Im Prinzip können wir viel selber machen und auch für Dritte teils anbieten: "Ausbildung der Pferde, Wagenbau, Reparatur von Pferdezubehör, Holzbearbeitung, Fuhrwerke, Workshops für Schulklassen und Interessierte, eigene Futtererzeugung. Und: Wir haben viele nostalgische Teile, wie Kutschen, Heuwagen, Sämaschinen und Pferdezubehör erhalten und erneuert. Wir würden diese geschichtlich und kulturell wertvollen Dinge gerne in einem hauseigenem Museum ausstellen", so der 44-jährige Weinviertler. 

"All about the money"

Das Paar will das Wohnhaus zukünftig mit Pferdemist beheizen: "Im Prinzip wie Erdwärme, nur das die Rohre, die erwärmt werden, dann eben durch den Misthaufen laufen. Nach sechs Monaten, wenn der Mist fertig kompostiert ist, kann er ausgebracht auf den Feldern werden, das heißt ich kann den Gärprozess in Heizenergie nutzen. Nur dazu braucht man auch mal Geld....all about the money".

Was dem Paar sauer aufstößt ist: "Wir bräuchten noch ein Grundstück, hätten dieses sogar in Aussicht, nur dies scheitert an der Finanzierung, die Banken sind da beinhart. Unser Tun und Schaffen wird geringschätzend als Hobby abgetan, dabei arbeiten wir sieben Tage in der Woche. Unser Haupt-Grundstück ist seit über 100 Jahren in Familienbesitz", sagt Andreas. "Ich ließ auch schon um rund 1.500 Euro einen Plan aufsetzten fürs Land, offenbar umsonst. Wenn man ein Klein- oder Mittelbetrieb und dabei Gewinnmaximierung nicht vordergründig ist, bleibt man über", so das Pärchen traurig.

"Politiker vergessen Herkunft"

Vor allem jetzt in der Coranakrise kann der Bauer die ganzen Floskeln der Politik nicht mehr hören: "Es hieß stets: Wir helfen jedem, wir müssen zusammenhalten. Das Finanzministerium selbst betonte, man freue sich über jeden einzelnen Unternehmer, der durch die staatliche Hilfe durch die Krise kommt. Oder die Landwirtschaftsministerin müsste es ja am besten wissen: Deren Eltern hatten ja auch eine Wirtschaft. Leider vergessen viele Politiker während der Amtszeit ihre Herkunft", sagt der Weinviertler Pferdebauer achselzuckend.

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