Polizei entsperrt Handy mit Finger eines Toten

Die Polizei soll den Finger des Toten benutzt haben, um dessen Handy zu entsperren.
Die Polizei soll den Finger des Toten benutzt haben, um dessen Handy zu entsperren.Bild: iStock

Linus Phillip (30) wurde am 23. März 2018 von einem Polizisten erschossen. Um sein Handy auswerten zu können, wollten die Ermittler dieses mit dem Finger des Toten entsperren.

Die trauernde Familie von Linus Phillip, der im März von einem Polizeibeamten im US-Bundesstaat getötet wurde, beschuldigt die Beamten, den Finger des 30-Jährigen benutzt zu haben, um dessen Handy zu entsperren.

Laut einem Bericht von "ABC Action News" fordern die Hinterbliebenen zudem Bilder einer weiteren Videokamera, die den Vorfall, der sich an einer Tankstelle in Clearwater zugetragen hatte, zeigen sollen. Zwei Videos wurden bereits veröffentlicht. Die Polizei bestreitet, dass weitere Aufnahmen existieren. Die Familie glaubt das nicht.

"Sie haben ihn so kurz nach seinem 30. Geburtstag getötet. Er wurde am 11. März 30. Es ist viel zu schwer. Wir wollen doch einfach nur wissen, was tatsächlich passiert ist", klagt die verzweifelte Mutter des Toten.

Das ist über den Vorfall bekannt: Phillip sei mit seinem Wagen, der laut Polizei illegal getönte Fensterscheiben hatte, zu einer Tankstelle in Florida gefahren. Dort wurde er von den Beamten kontrolliert, im Zuge dessen hätten sie Marihuana-Geruch wahrgenommen. Als der 30-Jährige aufgefordert wurde, das Fahrzeug zu verlassen, habe er sich geweigert und stattdessen versucht, davonzufahren. Laut Polizeiangaben habe er sein Auto als Waffe benutzt. Ein Detective habe um sein Leben gefürchtet und deshalb abgedrückt. Phillip, der eine Vorstrafe hatte, war unbewaffnet. Er wurde sechsmal von hinten getroffen.

Phillips Freundin hingegen behauptet, der Vater ihrer beiden Kinder (ihre Tochter hatte im letzten Jahr den Kampf gegen Leukämie verloren) habe nichts falsch gemacht. "Mein Sohn (16 Monate) wird keinen Vater haben und ihn nie stolz machen können. Wir werden darum kämpfen, herauszufinden, was wirklich passiert ist", so Victoria Armstrong.

Toten Finger benutzt

Abgesehen von den Widersprüchen um die Videoaufnahmen, wollen die Hinterbliebenen wissen, dass die Detectives den Finger ihres geliebten Toten ohne Erlaubnis benutzt haben, um dessen Handy zu entsperren. "Das ist widerlich. Sie dürfen einfach einen Toten aus der Kühlkammer ziehen und den Finger benutzen", wird Armstrong in einem Bericht von "ABC Action News" zitiert.

Die Verantwortlichen vom Police Department Largo wollten den Vorwurf nicht kommentieren, da die Ermittlungen noch laufen würden.

Laut Forbes verwendet die Polizei regelmäßig die Fingerabdrücke von Drogentoten, um deren Telefone mittels Fingerprint zu entsperren und so an Informationen über deren Dealer zu gelangen.

Auf der Spendenplattform gofundme.com wurde unter dem Titel "Gerechtigkeit für Linus Phillip: Ein weiterer unbewaffneter Schwarzer wurde von der Polizei getötet" eine Seite eingerichtet. (red)

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