Reiseübelkeit in Autos soll bald Geschichte sein

Wer etwas sensibler ist, kennt das Szenario auf der Urlaubsreise gut. Die Übelkeit hält oft über den Zeitraum von mehreren Stunden an. Erlösung bringt nur das Erreichen des Reiseziels.
Wer etwas sensibler ist, kennt das Szenario auf der Urlaubsreise gut. Die Übelkeit hält oft über den Zeitraum von mehreren Stunden an. Erlösung bringt nur das Erreichen des Reiseziels.Bild: iStock
Übelkeit im Auto gehört zu den unschönen Ferienklassikern. In Zukunft soll es sogar noch schlimmer werden. Die gute Nachricht: An Lösungen wird gearbeitet.
Die Vorfreude auf die Urlaubsdestination wird häufig durch ein anhaltendes Übelkeitsgefühl auf der Hinreise unterbrochen. Dafür wächst die Sehnsucht umso mehr, das Auto baldmöglichst zu verlassen. Wie kommt es aber zur Reiseübelkeit beim Bei- und Mitfahren und was möchte man dagegen unternehmen?

Warum wird einem im Auto schlecht?

Reiseübelkeit entsteht, wenn das Gleichgewichtsorgan Reize sendet, mit denen das Gehirn nichts anfangen kann. Warum es die einen trifft und andere nicht, darüber streiten sich die Experten. Unbestritten ist: Im Auto werden unsere Sinnesorgane mit widersprüchlichen Informationen gefüttert: Man bewegt sich, sitzt aber gleichzeitig still. Je stärker die Bewegungen des Fahrzeugs (etwa in Kurven) oder die Fixierung auf ein stillstehendes Objekt (Buch, iPad), desto größer die Verwirrung des Gehirns. Mediziner sprechen von der Bewegungskrankheit, auch Kinetose genannt.



Was sind die Symptome?



CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Fahle Haut, kalter Schweiß, Kopfschmerzen, Schwindel, ein flaues Gefühl im Magen bis hin zu Übelkeit und Erbrechen, das sind die typischen Anzeichen für Reisebeschwerden. Die Symptome sind bei Jung und Alt gleich. Allerdings übergeben sich Kinder schneller als Erwachsene.



Wer ist betroffen?


Grundsätzlich kann jedem Insassen schlecht werden. Besonders betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche. Kaum sind ein paar Kilometer gefahren, tönt es von hinten: "Mir ist schlecht!". Tatsächlich sind Mitfahrer auf der Rückbank besonders häufig von Übelkeit betroffen. Darüber hinaus gilt das aber auch für Frauen, denen längere Autofahrten auf den Magen schlagen.

Wird einem in bestimmten Autos öfters schlecht?


Der Mythos, dass einem in bestimmten Automarken öfter schlecht wird, hält sich hartnäckig. Erwiesen ist das indes nicht, persönliche Erfahrungen spielen dabei eher eine Rolle. Entscheidender ist, wo man im Auto sitzt: Hinten ist es schlimmer als vorne, und auch auf dem Sitz in der Mitte ist man besser dran.



Was kann man gegen Reiseübelkeit tun?


Gleichmäßiges Fahren ist von Vorteil, aber nicht immer möglich. Laut einer Studie von Ford kann durch Komfort im Auto viel erreicht werden. Ergebnisse zeigen, dass höher montierte Bildschirme, die den Blick auf die Straße ermöglichen, weniger Übelkeit hervorrufen. Zur Vorbeugung empfiehlt sich, nicht mit vollem Magen zu starten. "Während der Fahrt sollten Kinder nicht lesen oder sich mit Spielkonsolen ablenken, beides verstärkt unstimmige visuelle Eindrücke", heißt es beim TCS. Wichtig ist es, Pausen zu machen. Auch frische Luft hilft.



Wird das Thema in Zukunft noch akuter?


In selbstfahrenden Autos sind alle Beifahrer. Das Transportation Research Institute der Universität Michigan (UMTRI) hat herausgefunden, dass jeder zehnte Insasse eines autonom fahrenden Fahrzeugs reisekrank wird. Dies liegt daran, dass der Betroffene die Bewegung des Fahrzeugs nicht antizipieren kann. Zudem rechnet man damit, dass die Insassen lesen oder auf Screens schauen – Beschäftigungen, die Kinetose fördern.

Was tut die Autoindustrie dagegen?

An Lösungen wird mit Hochdruck gearbeitet. Das US-Start-up ClearMotion etwa entwickelt eine Technik mit Vibrationsstoppern. Mit diesen soll unterdrückt werden, dass das Innenohr erkennt, dass der Körper in Bewegung ist. Auch Jaguar Land Rover entwickelt ein System für autonome Autos, das Reiseübelkeit erkennen kann und automatisch Einstellungen wie Temperatur, die Sitzeinstellung oder den Fahrstil anpasst, bis es den Insassen besser geht. Nicht zuletzt hat Citroën mit der "Seetroen" unlängst die erste Brille gegen Reiseübelkeit vorgestellt. Das Prinzip ist simpel: Mit einer farbigen Flüssigkeit wird ein künstlicher Horizont erzeugt, um den Konflikt der Sinnesorgane in der Wahrnehmung aufzulösen. An den Look muss man sich allerdings gewöhnen.



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