Sammelklage soll süchtig machendes Spiel stoppen

Gegen Epic Games wird eine Klage eingereicht. Der Entwickler soll mit "Fortnite" bewusst ein Spiel erschaffen haben, das "stark abhängig macht".
Rund 250 Millionen Spieler sind begeistert von "Fortnite". Dass das so ist, ist kein Zufall. Daran glauben kanadische Anwälte, die zwei Spieler im Alter von 10 und 15 Jahren – respektive deren Eltern – vertreten. Die Minderjährigen hätten seit 2017 knapp 2.000, beziehungsweise 7.700 Runden gespielt. "Der Entwickler Epic Games hat Psychologen eingestellt. Sie sind bemüht, das Game so süchtig machend wie möglich zu gestalten", sagt die Anwältin Alessandra Esposito Chartrand zu Eurogamer.net.

Die Kläger ziehen Parallelen zu einem Fall in Kanada von 2015. Damals ging es darum, dass die Tabakfirmen ihre Kunden zu wenig vor den Gefahren des Rauchens gewarnt haben. "Es ist hier die gleiche Rechtsgrundlage. Die Pflicht zur Information über ein gefährliches Produkt liegt auch hier in der Verantwortung des Herstellers", so Chartrand zu Cba.ca.

Vergleich mit Kokain

Der Entwickler soll die Spieler laut den Klägern bewusst dazu animieren, so viel Zeit wie möglich mit dem Spiel zu verbringen und dabei echtes Geld zu investieren. Spieler können In-Game-Währung, vBucks, kaufen. Für 1.000 vBucks bezahlt man im Spiel rund 10 Franken. Sogenannte Skins (Outfits) kosten zwischen 800 bis 2.000 vBucks.

In der Sammelklage wird die Wirkung des Spiels mit jener von Kokain verglichen. Es ist nicht das erste Mal, dass "Fortnite" harten Betäubungsmitteln gegenübergestellt wird. Mitte des Jahres forderten Experten in der Schweiz, Videospiele auf ihre Suchtgefahr hin zu prüfen.

CommentCreated with Sketch.8 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. "Am meisten Suchtfälle haben wir derzeit bei 'Fortnite'", sagte damals Franz Eidenbenz, Leiter Behandlung des Zentrums für Spielsucht bei Radix. Der Psychologe fügte an: "'Fortnite' ist das Heroin unter den Computerspielen." Dass Videospiele süchtig machen sollen, ist nicht neu. Die WHO klassifiziert die Game-Sucht seit 2018 offiziell als Krankheit. Verbote seien aber keine Lösung, sagen hiesige Experten. Grundsätzlich seien sie gegen jede Stigmatisierung, denn immerhin hätten 99 Prozent der Spielenden kein Suchtproblem.

Wie sieht es bei dir aus?

Forscher der Universität Ulm haben nach eigenen Angaben den weltweit ersten psychologischen Test zur Untersuchung der Computerspielsucht entwickelt. Der Test sei bereits anhand einer Stichprobe von mehr als 550 Studenten aus Großbritannien und China überprüft worden, erklärt die Universität Ulm in eine Mitteilung. Auf Gaming-disorder.org kannst du dein eigenes Spielverhalten analysieren.

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