Schweizergarde setzt auf Helm aus dem 3D-Drucker

Die Schweizergarde des Papstes ist fortschrittlich: Als weltweit erste Armee erhält sie Einsatzhelme aus dem 3D-Drucker.

Die Schweizergarde des Papstes legt Wert auf Tradition, seit fast 500 Jahre steckt die Truppe in ihren gelb-rot-blauen Uniformen. Jetzt hat die Garde ihr Herz für Innovation und Fortschritt entdeckt. Als erste Armee der Welt werden die 110 Schweizer mit Helmen aus dem 3D-Drucker ausgerüstet.

„Die Idee dazu kam von einem Cavaliere, der der Schweizergarde nahesteht. Vor einem halben Jahr begannen wir mit der Umsetzung, jetzt produzieren wir 150 Helme", sagt Marcus Risi, der Gründer des Schweizer Herstellers 3d-prototyp.com zu „Heute".

Der Morion

Das Vorbild für die neue Kopfbedeckung stammt aus dem 16. Jahrhundert, dem Frühbarock: Es ist ein sogenannter Morion mit einer nach oben gezogenen, spitz zulaufenden Krempe. Bei ersten Versuchen wurden Helmteile in einer Art Spritzgussverfahren ausgedruckt. Die Teile mussten händisch miteinander verbunden werden.

Die neue HP-Methode



Jetzt werden die Helme auf einem HP Jet Fusion 4200 produziert, auf den Risi besonders stolz ist. Der Drucker arbeitet nach einer neuen Methode: Die Maschine legt eine hauchdünne Pulverschicht in ihren Arbeitsraum, der rund 40 cm lang, 30 cm breit und 40 cm hoch ist. Auf diese Pulverschicht werden zwei Flüssigkeiten gesprüht: Ein Begrenzer, der die Konturen des Werkstücks festlegt und eine Füll-Substanz, die die Wände herstellt. Dann wiederholt sich der Vorgang. Nach dem Druckvorgang kann das nicht verwendete Pulver einfach abgeklopft werden, der Rohling bleibt über. Diese Arbeitsweise spart Zeit und Geld.

Die Vorteile

„Der HP-Drucker ist jetzt neu auf den Markt gekommen. Mit diesem Gerät kann ich den Helm in einem Stück herstellen, das ist der Vorteil", sagt Marcus Risi. „Die alten Helme waren von Hand aus dünnem Blech geschmiedet. Der Vorteil unserer Helme liegt eindeutig im Tragekomfort: Wir haben eine Lüftung eingebaut. Jetzt ist die Wärmeableitung viel besser", erklärt Firmengründer Risi. Bei den alten schwarzlackierten Metallhelmen hatten in der prallen Sonne stationierte Gardisten über Brandwunden geklagt.

Das Statussymbol



Der reine Druck des Helmes dauert jetzt rund 15 Stunden, ein Schmied hätte an einem Blechmodell rund 100 Stunden zu hämmern. Dann wird der Helm lackiert, erhält sein ledernes Innenleben und die Verzierungen.

Normalerweise muss ein Gardist seinen Helm nach der zweijährigen Dienstzeit abgeben. Die neuen Helme können die Gardisten kaufen und mit nach Hause nehmen – ein begehrtes Statussymbol in der Schweiz.

Noch einen Vorteil hat der neue Helm: Er kostet nur rund 800 Euro. Für eine geschmiedete Kopfbedeckung wurden bis zu 5.000 Euro in Rechnung gestellt.

(GP)

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