Sind Millennials die Generation des Burnouts?

Ständig am Handy, ständig erreichbar: Was macht diese Selbstoptimierung mit uns?
Ständig am Handy, ständig erreichbar: Was macht diese Selbstoptimierung mit uns?Bild: Unsplash
Eine Autorin will mit Vorurteilen über Millennials aufräumen, geht auf Spurensuche. Verrennt sie sich dabei?
Millennials werden in der öffentlichen Wahrnehmung gerne als arbeitsscheu, unbedarft, verwöhnt und verweichlicht dargestellt. Vor allem im englischsprachigen Raum bedienen sich viele dieses Begriffs – er bezeichnet in etwa die Geburtenjahrgänge zwischen 1984 und 1999 – um über die vermeintliche Unzulänglichkeit einer ganzen Generation zu spotten. Das Stereotyp: Nicht einmal alltägliche Dinge wie Rechnungen pünktlich zu bezahlen bekämen Millennials auf die Reihe, ständig würden sie über Stress klagen, sich vor Arbeit drücken.

Eine Reporterin von Buzzfeed News, Anne Helen Petersen, reflektierte nun in ihrem Artikel "How Millennials Became The Burnout Generation" über diesen Vorwurf. Tatsächlich habe sie selbst es monatelang nicht geschafft, eine Liste an Aufgaben abzuarbeiten – etwa ihre Stiefel zum Schuhmacher zu bringen, ihren Hund registrieren lassen oder einen Termin beim Hautarzt zu vereinbaren. Der Grund dafür sei aber nicht Faulheit oder Unfähigkeit, vielmehr würden Millennials durch ihren Lebens- und Arbeitsstil ausgebrannt: "Warum kann ich diese mondänen Dinge nicht erledigen? Weil ich ausgebrannt bin. Warum bin ich ausgebrannt? Weil ich die Vorstellung verinnerlicht habe, dass ich ständig arbeiten sollte."

Selbstoptimierung als Falle

Infolge der Dot-Com-Krise zur Jahrtausendwende und der Finanzkrise 2008 sei es für Millennials deutlich schwieriger als für frühere Generationen, Wohlstand aufzubauen. "Wir konnten nicht einfach mit einem Diplom auftauchen, erwarten, einen Job zu bekommen und ihn dann auch behalten bis wir mit 55 in die Pension gehen", so die Autorin. "Millennials mussten sich selbst so optimisieren, dass sie die besten Arbeiter wurden."

Das Smartphone sieht Petersen als einen bestimmenden Faktor: "Es bindet uns an unsere Arbeit. Angestellte sind ständig erreichbar, können immer etwas erledigen – sogar nachdem sie den physischen Arbeitsplatz verlassen haben." Weil sie sich selbst optimal vermarkten möchten, würden sich viele Millennials dennoch in sozialen Netzwerken so darstellen, als hätten sie die perfekte Work-Life-Balance erreicht. Tatsächlich würden sich die Angehörigen dieser Generation von Firmen aber ausnützen lassen. "Je mehr wir arbeiten, je effizienter wir werden, desto schlimmer werden unsere Jobs: Geringeres Gehalt, weniger Benefits, weniger Sicherheit." Die ständige Selbstoptimierung sei es, die schließlich im Burnout gipfele.

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Im Netz wurde der Buzzfeed-Artikel von vielen begeistert aufgenommen, aber auch kontrovers diskutiert. Auf Facebook, Twitter und Instagram schrieben User aus der ganzen Welt über ihre Erfahrungen mit und Meinungen zum "Millennial-Burnout". Kritiker etwa vermissen stärkere Berücksichtigung von Rasse und sozialem Status. Petersen kritisiere zwar den Millennial-Begriff, verwende ihn dann aber selbst wieder simplifizierend.

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