So verstehen Sie "Terminator: Genisys"

Dieser Text ist für Leser gedacht, die "Terminator Genisys" bereits gesehen haben und ob der zahlreichen Zeitsprünge sowie der unklaren Verbindung zu den Vorgängerfilmen des Sci-Fi-Actioners ins Grübeln geraten sind. Der Text basiert auf einer Analyse von "Terminator Genisys" auf der Fan-Plattform "Screen Rant". Achtung, SPOILER!
Dieser Text ist für Leser gedacht, die . Achtung, SPOILER!

Beginnen wir mit einer chronologischen Auflistung der Ereignisse in "Terminator Genisys" (wer direkt zu den Erklärungen springen will, findet diese auf den Seiten zwei und drei):

1974: Sarah Connors Eltern werden von einem T-1000 umgebracht. Ein T-800 ( als Jungspund) rettet das Mädchen, das ihn später Pops nennen wird. (Warum 1974? Wir wissen aus Teil eins, dass Sarah im Jahr 1984 19 Jahre alt ist. In "Genisys" spricht sie davon, Pops im Alter von neun kennengelernt zu haben).

1984: Ein T-800 (erneut der junge Arnie) kommt in der Vergangenheit an und wird von Pops (Arnie in mittlerem Alter) und Sarah Connor () erscheint ebenfalls auf der Bildfläche und wird von einem T-1000 (vermutlich dem Modell, das die 9-jährige Sarah töten wollte) angegriffen. Sarah, Pops und Kyle vernichten den T-1000. Sarah will mit Kyle (mittels einer von Pops gebauten Zeitmaschine) ins Jahr 1997 reisen, um die Apokalypse zu verhindern. Kyle überredet sie, stattdessen das Jahr 2017 anzusteuern.

Der Soldat kann sich nämlich plötzlich an eine Kindheit erinnern, die er nie erlebt hat und in der "der Tag der Abrechnung" erst 2017 eintritt. Es handelt sich um eine alternative Zeitlinie, wie Pops erklärt. Er meint, die Erinnerungen an beide Versionen der Vergangenheit seien dadurch möglich, dass Kyle ein signifikantes Event im Fluss der Zeit miterlebt habe (John Connor wird 2029 vom personifizierten Skynet angegriffen). Sarah und Kyle reisen ins Jahr 2017. Pops nimmt "den langen Weg" und wartet knapp 30 Jahre auf die Ankunft der beiden.

) in die Vergangenheit, um sich selbst (unter dem Decknamen "Genisys") zu erschaffen. Connor arbeitet mit Cyberdine zusammen und bereitet den Tag des jüngsten Gerichts vor.

2017: Sarah und Kyle kommen an, entlarven John Connor als Bösewicht und attackieren gemeinsam mit Pops (Arnie alt) Cyberdine. Der T-3000 wird zerstört, Skynet ebenfalls (bis uns eine Mid-Credits-Szene ein Skynet-Hologramm zeigt, das vor seinem eigenen Kern ODER einer mysterlösen Energiequelle steht - siehe Seite drei). Sarah, Kyle und Pops suchen die 12-jährige Version von Kyle Reese auf und geben ihm die Botschaft "Skynet ist Genisys" mit auf den Weg, an die sich der ältere Kyle nach seinem ersten Zeitsprung erinnern konnte.

2029: John Connor und Kyle Reese greifen die geheime Anlage an, in der Skynet die Zeitmaschine bunkert. Ein T-800 (Arnie jung) wird von dort ins Jahr 1984 geschickt. Kyle meldet sich freiwillig, um hinterher zu reisen und Sarah Connor zu beschützen. Während er in der Zeitmaschine steckt, wird John von einem T-5000, dem personifizierten Syknet (Matt Smith) angegriffen und in einen Terminator verwandelt.

Die Analyse der Zeitlinien in "Terminator Genisys" und seinen Vorgängerfilmen finden Sie auf den nächsten beiden Seiten.

Folgende Punkte müssen Sie beachten, um  "Terminator Genisys" zu verstehen:

1. Ohne John Connor gibt es kein Skynet… theoretisch

Skynet transportiert den Ur-"Terminator" (1984) angesichts der drohenden Niederlage gegen die von John Connor geführten Rebellen in die Vergangenheit. Connor schickt Kyle Reese hinterher, um seine Mutter Sarah (Linda Hamilton) zu schützen. Kyle und Sarah zeugen John und vernichten den Terminator. Dessen Überreste werden gefunden, und aus ihnen entsteht Skynet. Der Kreis ist geschlossen. Hätte der Terminator gewonnen, hätten weder John Connor noch Skynet jemals existiert.

 

2. Mit "Terminator: Judgement Day" (1991) beginnen die alternativen Zeitlinien

Im zweiten "Terminator"-Part wird der in Teil eins geschlossene Kreis durchbrochen. Skynet ist trotz bzw. aufgrund der Ereignisse aus dem Original in der Zukunft immer noch dem Untergang geweiht und transportiert daher einen T-1000 in die Vergangenheit. Durch diese Aktion ist die Version der Zukunft "zerstört", aus der Kyle Reese und der Terminator in Teil eins geschickt wurden.

Durch die Ankunft des T-1000 sind nun zwei Zukunfts-Versionen möglich: Entweder Connor stirbt und kann Kyle Reese später nicht in die Vergangenheit schicken - Skynet wird nie erschaffen. Oder Connor überlebt und durch den neuerlichen Eingriff in die Zeitlinie entsteht eine alternative Zukunft.

Zweiteres tritt in Kraft: Sarah (Hamilton), John (Edward Furlong) und sein schutzbefohlener T-800 (Schwarzenegger) zerstören die Technologie aus der Zukunft, die mit dem ersten Terminator im Jahr 1984 sowie den beiden weiteren Killermaschinen in den Neunzigern gelandet ist. Die Firma Cyberdine kann Skynet daher nicht erschaffen und der Tag des jüngsten Gerichts ist abgewendet.

3. Es gibt mehr als nur ein Skynet

Mit "Terminator: Rebellion der Maschinen" (2003) wird die Sache kompliziert. Sarah Connor ist tot und der mittlerweile erwachsene John (Nick Stahl) schlägt sich als Landstreicher durch. Ein T-X (Kristianna Loken) kommt aus der Zukunft, um Johns spätere Rebellen-Offiziere zu eliminieren. Wie sich herausstellt, konnten die Connors die Apokalypse nicht verhindern, sondern nur verzögern. Das Militär hat Cyberdines (in Teil zwei) sabotierte Arbeit an Skynet weitergeführt und damit unwissentlich einen nuklearen Krieg eingeleitet. John erlebt den Tag des jüngsten Gerichts in einem Bunker und wird durch die von dort getätigten Funksprüche zum Rebellenführer.

Bei dieser Zeitlinie handelt es sich immer noch um die alternative Zeitlinie aus Teil zwei. Der John aus "Terminator: Rebellion der Maschinen" kann allerdings nicht mehr zu dem John werden, der in "Terminator" (1984) Kyle Reese in die Vergangenheit schickt und somit die Ereignisse in Gang setzt, die Skynets Existenz herbeiführen. Bei diesem Skynet muss es sich daher um ein alternatives Skynet handeln (das unter Umständen nicht auf Connor, Reese und den zerstörten T-800 im ersten "Terminator" angewiesen ist). Es gibt also mindestestens zwei verschiedene Dimensionen/Zeitlinien, in denen Skynet existiert. Diese beiden Roboternetzwerke sind nicht miteinander ident.

Die abschließenden Erklärungen finden Sie auf Seite drei.

 
4. Das Skynet aus "Genisys" kann zwischen verschiedenen Zeitlinien wechseln

"Genisys" greift die Ideen aus Teil zwei (verschiedene Zeitlinien) und Teil drei (verschiedene Skynets) auf, schließt im Grunde aber an Teil eins an. In einem Interview mit "Crave Online" verriet Drehbuchautorin Laeta Kalogridis: "Die Intention war es absolut, vom ersten Film weg zu starten und eine abzweigende Zeitlinie zu erschaffen, die nichts umschreibt, sonder ein alternatives Universum erschafft. In diesem erleben die Charaktere ein unterschiedliches Abenteuer, mit einigen bekannten [Konstanten]"

Gemeinsam mit ihrem Kollegen Patrick Lussier erklärt Kalogridis in dem Gespräch, dass das Skynet aus "Terminator Genisys" nicht aus der Zeitlinie von "Terminator" (1984) stammt. Die Grundidee ist folgende: Das "Genisys"-Skynet kann - in der Person des T-5000 (Matt Smith) - zwischen verschiedenen Zeitlinien hin und her springen. Es hat zahlreiche Versionen des Krieges zwischen Menschen und Maschinen, sowie zahlreiche Skynets erlebt. Jedes Mal triumphierten am Ende die Menschen. Das überlegene Skynet wechselt daher seine Taktik: Es will John Connor nicht länger eliminieren, es will ihn als Mitstreiter gewinnen.

5. Das "Genisys"-Skynet könnte Pops geschickt haben

Hier starten die Spekulationen, die erst mit den nächsten beiden, bereits bestätigten "Terminator"-Teilen verifiziert oder verworfen werden können. Die Mid-Credits-Szene von "Genisys" verrät, dass Skynet überlebt hat. Als Hologramm steht es in den Ruinen des Cyberdine-Gebäudes vor einer rot leuchtenden Lichtquelle. Diese ist womöglich der eigentliche, intakt gebliebene Skynet-Kern. In Anbetracht der geplanten Fortsetzungen ist es jedoch wahrscheinlicher, dass es sich dabei um eine neu entstandende Energiequelle handelt - der mögliche Ursprung von Skynets Fähigkeit, zwischen den Dimensionen/Zeitlinien zu wechseln.

Diese Fähigkeit ist die einzige Waffe im Arsenal von Skynet, die den Maschinen in der Zukunft zum Sieg verhelfen könnte. Da die rote Energiequelle nur durch das Zusammenspiel zwischen Sarah, Kyle, dem T-3000 und Pops entsteht, wäre es logisch, dass Skynet selbst Pops in die Vergangenheit geschickt hat, um den Fluss der Zeit in die gewünschte Richtung zu lenken.

6. Fazit

Auf den ersten Blick glaubt man, in "Terminator Genisys" zahlreiche Logikfehler und Abweichungen zu den Vorgänger-Filmen zu erkennen. Bei eingehender Betrachtung (und mit Erklärungen von Seiten der Drehbuchautoren) wirkt der Sci-Fi-Actioner schlüssiger, aber immer noch nicht völlig überzeugend. Wie kompliziert und vertrackt das Zeitlinienspiel tatsächlich ist, wird sich aber wohl erst nach den nächsten beiden Teilen sagen lassen.

 
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