So werden Österreicher mit Auto in Kroatien abgezockt

Immer öfter wartet ein Strafzettel aus dem Balkan-Staat im Postkasten heimischer Lenker. Darin wird eine horrende Summe für Falschparken verlangt - teils nach Jahren!
Parkstrafen sind ärgerlich. Frustrierend wird es, wenn sie überraschend aus dem Ausland kommen – und das teilweise erst nach ein paar Jahren. Das erleben derzeit immer mehr Lenker aus Österreich. Und wundern sich über die hohen Summen.

"Dubioses Geschäftsmodell"

Und so läuft es ab: Ein unscheinbarer Brief aus Kroatien liegt im Postkasten. Doch es handelt sich hierbei nur selten um eine Urlaubswerbung. Im Umschlag befindet sich nämlich ein Strafzettel für Falschparken. Zur Überraschung kommt auch eine horrende Summe hinzu: Bis zu 200 Euro verlangt der Absender. Wer hier eine illegale Masche vermutet, der irrt. Die Forderung ist nämlich tatsächlich rechtlich in Ordnung.

Wie aber ÖAMTC-Rechtsexpertin Verena Pronebner im Interview mit "Kosmo" erklärt, sieht sie aber ein anderes Problem: "Es ist die Art und Weise, die Höhe der Forderung und die Systematik dahinter, die viele Fragen aufwirft. Es erinnert eben mehr an Abzocke und an ein lukratives, dubioses Geschäftsmodell."

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Die Schreiben aus Kroatien werden auch "Tischler-Briefe" genannt. Grund dafür ist, dass es sich bei dem Absender immer um den Anwalt Mirko Silvo Tischler handelt. Der fordert die Empfänger zu einer Zahlung von rund 200 Euro auf. Zum Anwaltsschreiben ist auch ein Foto des Fahrzeugs beigelegt - und "europäische Grüße" im Anhang. (siehe Diashow oben)

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. 200 Beschwerden pro Woche

Bei Tischler handelt sich um einen Anwalt, der seinen Sitz sowohl in Slowenien als auch in Österreich eingetragen hat. Er betreut einige Parkraumbewirtschaftungen in Kroatien, dabei aber vor allem in den touristischen Hot-Spots wie Vodice, Umga, Opatija, Zadar, Losinj und auch die Hauptstadt Zagreb.

Wie viele Österreicher tatsächlich ein Schreiben von Tischler erhalten haben, ist nicht ganz klar. Der ÖAMTC schätzt die Zahl auf 15.000 bis 20.000 Betroffene.

"Alleine beim ÖAMTC langen zurzeit wöchentlich um die 200 Beschwerden ein, meistens eben mit der Frage, wieso denn die Kosten in Kroatien für ein Parkvergehen so enorm hoch sind", sagt ÖAMTC-Rechtsexpertin Verena Pronebner zu "Kosmo".

Auf Anfrage spricht Tischler jedoch von "einigen hundert Fällen". Gleichzeitig erklärt er in einer Mail, wie die Summe errechnet wird: Laut Tischler kommen zur Parkstrafe auch Verwaltungsabgaben und Anwaltskosten hinzu. Darüber hinaus komme es auf die jeweilige Parkraumzone an. Hier würden die Kosten variieren.

Dubiose Fotos

Laut ÖAMTC-Rechtsexpertin ist die Summe aber dennoch zu hoch angesetzt. Üblich wäre eine Strafe zwischen 60 und 80 Euro, so Pronebner.

Viel gegen das Schreiben tun könne man nicht. Das Eintreiben des Geldes ist nämlich rechtlich vollkommen in Ordnung. Tischler erklärt zudem, dass man bei einer Nicht-Zahlung "gegebenfalls weitere – nunmehr gerichtliche Schritte seitens der in Kroatien vor Ort ansäßigen Rechtsanwälte eingeleitet werden, sofern keine außergerichtliche Einigung mit den Autofahrern erzielt wird".

Einen bitteren Beigeschmack bekommt die Sache, wenn den vermeintlichen Parkplatz-Sündern ein Foto aus dem Jahr 2013 zugeschickt wird, in denen ein Strafzettel unter dem Scheibenwischer liegt. Gegenüber dem ÖAMTC berichten die Geschädigten, dass sie erst auf dem Foto die Benachrichtigung gesehen hätten. Vor Ort hätten sie nämlich nur 20 Euro zahlen müssen, wenn sie den Zettel entdeckt und die Strafe gleich beglichen hätten.

Aus diesem Grund empfiehlt der ÖAMTC gegebenenfalls entwertete Tickets bis zu fünf Jahre aufzuheben - für alle Fälle. Auch sei eine Rechtsberatung in Betracht zu ziehen, oder beim Unternehmen in Kroatien selbst anzurufen, um die Situation zu klären.

Ranko Vlatkovic, der Leiter der Tourismus-Zentrale in Wien, meint, dass es nur ein Mittel gegen die "Abzocke" gebe: Man solle aufpassen, wo man sein Auto abstellt. (slo)

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